Hamburg - Zugegeben, es geht um kleinere Fledermausarten, häufiger auch um Jungtiere. Und um relativ große Spinnen. Aber unter diesen Bedingungen kommt es durchaus vor, dass Spinnen Fledermäuse fangen und fressen. Martin Nyffeler von der Universität Basel und Mirjam Knörnschild von der Universität Ulm haben dokumentierte Vorfälle zusammengetragen, in denen Fledermäuse von Spinnen gefressen wurden oder sich in Netzen verfangen hatten. Im Fachmagazin "PLoS One" berichten sie von 52 Beobachtungen.
Die meisten Vorfälle ereigneten sich auf dem amerikanischen Kontinent, gefolgt von Asien und Australien. Doch auch aus Europa sind dem Bericht zufolge zwei Fälle bekannt - einer davon in Deutschland: 2011 hatte man eine tote Fledermaus in einem Spinnennetz nahe Stuttgart entdeckt.
Die Wissenschaftler haben sich bei ihrer Datensammlung nicht nur auf klassische Quellen verlassen und mit vielen Kollegen gesprochen, sondern zum Beispiel auch bei Flickr nach entsprechenden Fotos gesucht. Um möglichst viele Details herauszufinden, kontaktierten sie alle Leute, die entsprechende Bilder veröffentlicht hatten. Fledermaus- und Spinnenexperten halfen bei der Identifizierung der jeweiligen Spezies. Spinnenopfer waren oft jugendliche Fledermäuse - und kleinere Arten, die in der Regel zwischen drei und acht Gramm auf die Waage bringen.
In der Mehrheit der Fälle hatten sich die Fledermäuse in Netzen verfangen. Vor allem Weberinnen aus der Gattung der Seidenspinnen (Nephila) wurden den Fliegern zum Verhängnis. Diese in Wäldern lebenden Spinnen hätten eine Beinlänge von 10 bis 15 Zentimetern und würden widerstandsfähige Netze mit einem Durchmesser von bis zu 1,5 Metern herstellen, schreiben die Wissenschaftler. Wenn sich Weibchen zusammentun, würden sogar Netze mit mehreren Quadratmetern Fläche entstehen.
Auch ohne Netz gefährlich
Doch auch ohne Netz können Spinnen Fledermäusen gefährlich werden. Die Forscher berichten von sechs Fällen, in denen die Achtbeiner Fledermäuse direkt angegriffen, erlegt oder gefressen haben. Vogelspinnen und Riesenkrabbenspinnen verfügten über die Gifte und Enzyme, die nötig seien, um kleinere Wirbeltiere zu überwältigen und zu verspeisen, schreiben die Wissenschaftler: "Der gelegentliche Fang einer Fledermaus ist insofern keine Überraschung."
Selten ist das Phänomen dennoch. Radnetzspinnen, zu denen die Seidenspinnen zählen, würden sich zum Beispiel hauptsächlich von wirbellosen Tieren wie etwa Insekten ernähren. Falls einmal eine Fledermaus oder ein kleiner Vogel in ihrem Netz landet und hängen bleibt, anstatt es zu zerreißen, kann man das laut dem Forscherduo als Beifang betrachten.
Eine viel größere Gefahr für Fledermäuse stellen Raubvögel dar. Nach Angaben der Forscher erlegen Eulen und Turmfalken pro Jahr allein in Großbritannien etwa 200.000 Fledermäuse. Und in Nordamerika setzt eine Pilzkrankheit den Tieren zu, die in den vergangenen Jahren Millionen von Tieren dahingerafft hat.
wbr
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