Ungewöhnlicher Speiseplan Spinnen fressen Fische

Spinnen sind bekannt als Insektenjäger. Doch es gibt Arten, denen Krabbeltiere nicht genügen. Steht ihnen der Sinn nach Größerem, fangen sie Fische.

Fette Beute: Eine Spinne der Art Dolomedes facetus hat in einem Gartenteich in Australien einen kleinen Zahnkarpfen gefangen
Peter Liley/ Moffat Beach Queens

Fette Beute: Eine Spinne der Art Dolomedes facetus hat in einem Gartenteich in Australien einen kleinen Zahnkarpfen gefangen


Hat die Spinne Hunger, verankert sie ihre Hinterbeide an einem Stein oder Blatt und legt die Vorderbeine auf die Wasseroberfläche. In dieser Stellung lauert sie, bis ein kleines Fischchen vorbeigeschwommen kommt - dann greift sie zu. In den meisten Fällen betäubt oder tötet die Spinne ihr Opfer mit einem Biss am Kopfansatz. Bewegt es sich nicht mehr, zieht sie ihre Beute aufs Trockene und beginnt ihr mehrstündiges Mahl.

Die Zoologen und Spinnenexperten Martin Nyffeler von der Universität Basel und Bradley Pusey von der University of Western Australia haben Beobachtungen von fischfressenden Spinnen auf der ganzen Welt gesammelt. Die Ergebnisse ihrer Suche stellen sie in der Zeitschrift "PLoS One" vor.

Zu dieser Art der Nahrungsbeschaffung sind natürlich nur größere Spinnenarten in der Lage. Doch so selten ist die Vorliebe für frisch gefangenen Fisch in der Spinnenwelt offenbar gar nicht. Die Forscher fanden Fischfresser in fünf unterschiedlichen Spinnenfamilien. Unter Laborbedingungen waren sogar noch Arten dreier weiterer Familien dazu in der Lage.

Wassergewandt und extrem giftig

Die fischfressenden Arten leben in der Regel bereits nahe am Wasser: Ihr Lebensraum sind Sümpfe oder die Uferbereiche von Flüssen und Teichen. Sie bringen beste Voraussetzungen für die Fischjagd mit, können schwimmen, tauchen und über die Wasseroberfläche spazieren. Außerdem sind sie extrem giftig. Ihre Neurotoxine und Enzyme können auch Opfer töten und verdauen, die ihnen an Größe und Gewicht deutlich überlegen sind. In der Regel überragt die Beute ihren Bezwinger sogar um das 2,2-Fache an Körperlänge. "Dass tatsächlich so viele Spinnenarten Fische fangen, ist neu", sagt Nyffeler. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Fisch zwar eine gelegentliche Beute ist, die aber für die Ernährung eine große Rolle spielt."

Auch wenn die entsprechenden Spinnenarten alles andere als wasserscheu sind - verzehren können sie ihren Fang nur an Land. Denn Spinnen pumpen ihre Beute mit Enzymen voll, die das Gewebe auflösen. Den so entstandenen Brei saugen sie anschließend durch die Mundöffnung auf. Das funktioniert nur auf dem Trockenen: Wasser würde diese Enzyme verdünnen und wirkungslos machen. Ein weiterer Grund für die Nahrungsaufnahme an Land könnte sein, dass die Spinne dem Fisch hier klar überlegen ist. Sollte doch noch Leben im Opfer sein, ist eine Flucht deutlich schwieriger als im Wasser.

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt

Bis so ein Fisch verdaut ist, vergehen mehrere Stunden. Immerhin ist die Biomasse eines Fisches im Schnitt 20- bis 200-mal größer als die eines regulären Beuteinsekts. Im Kaloriengehalt unterscheiden sich die beiden allerdings kaum: Sowohl Fisch als auch Insekt bringen es auf etwa 20 bis 24 Kilojoule pro Gramm Trockengewicht.

Mit Ausnahme der Antarktis kommen fischfressende Spinnen auf allen Kontinenten vor. Die meisten Sichtungen gab es bislang in Nordamerika. Hier leben in den Sümpfen Floridas halb-aquatische Spinnenarten, die oft dabei beobachtet werden können, wie sie kleine Süßwasserfische, zum Beispiel Koboldkärpflinge, aus dem Wasser angeln und fressen. Meist stehen auf dem Speiseplan dieser Spinnen jene Fische, die in ihrem Lebenraum häufig vorkommen. In Südamerika sind das die Salmlerartigen, eierlegende Zahnkarpfen, in Zentral- und Westafrika und in Australien die Regenbogenfische oder Gabelschwanz-Blauaugen.

Die meisten Opfer sind zwischen zwei und sechs Zentimetern groß. Dabei ist es den Spinnen egal, ob es sich um ausgewachsene Exemplare kleiner Arten handelt oder um Jungfische großer Arten. So wurden Spinnen beobachtet, die sich kleine Katzenwelse oder Regenbogenforellen schmecken ließen. Diese Arten können ausgewachsen zehn Kilogramm Körpergewicht erreichen.

Keine Chance für Wespen

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 19.06.2014
1. Das
Zitat von sysopPeter Liley/ Moffat Beach QueensSpinnen sind bekannt als Insektenjäger. Doch es gibt Arten, denen Krabbeltiere nicht genügen. Steht ihnen der Sinn nach Größerem, fangen sie Fische. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/biologie-spinnen-fressen-fische-a-975458.html
wird auch ein erster Hauptgrund sein, dass sich Wirbeltiere i.A. körperlich viel größer entwickelten als Insekten/Spinnen. Die Anatomie (Innenskelett) erlaubt das ja. Bin aus der Gefahrenzone raus und deswegen mag ich Spinnen :-)
hschmitter 19.06.2014
2. Ach was
"Die fischfressenden Arten leben in der Regel bereits nahe am Wasser".
schmusel 19.06.2014
3. optional
Interessant wäre noch zu wissen, wie oft eine angelnde Spinne selbst verschluckt wird, weil ein grosser Fisch vorbeischwamm.
Institutsmitarbeiter 19.06.2014
4. Größe von Insekten bedingt durch Atemorgane
Die Größe von Insekten/Spinnentieren ist eigentlich limitiert durch die Art der Atmung über ein Tracheensystem. Dabei ist die Effizienz der Atmung durch die Diffusionsgeschwindigkeit von Sauerstoff beschränkt. Vermutlich gab es größere Insekten zu Zeiten als die Luft zu 40 % aus Sauerstoff bestand im Gegensatz zu heute mit 21 %. Von daher muss man sich keine Sorgen um Riesenspinnen machen, die Menschen fressen können.
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