Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Biolumineszenz: Forscher finden sieben neue Leuchtpilze

Diese Pilze haben es in sich. Zwar haben sie keine berauschende Wirkung wie manche ihrer Artgenossen, doch faszinierend sind sie allemal - denn sie leuchten. Amerikanische Biologen haben sieben neue solcher lumineszierender Pilze entdeckt. Warum sie leuchten, darüber rätseln die Forscher noch.

Biolumineszenz: Pilze, die im Dunkeln leuchten Fotos
Cassius V. Stevani

Sie leuchten rund um die Uhr. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Doch das erkennt man erst, wenn es dunkel wird. Dann schimmern sie kräftig neongrün und wirken wie seltsame, stänglige Lichterscheinungen mit winzigen Hütchen. Sobald es aber hell wird, ist es mit dem auffälligen Gebaren vorbei. Kaum einem Vorbeiwandernden würden diese unscheinbaren Pilze auffallen.

Sieben neue Arten solcher Leuchtpilze haben amerikanische Forscher nun entdeckt und im Fachblatt " Mycologia" vorgestellt. Pilze, die in der Nacht leuchten, sind bei Weitem kein neues Phänomen. Schon in der Antike erwähnten die Philosophen Aristoteles und Plinius "leuchtendes Holz". Bisher waren Botanikern 64 Arten von Leuchtpilzen bekannt, mit ihren Entdeckungen haben Dennis Desjardin und Kollegen von der San Francisco State University diese Zahl auf 71 erhöht.

Bei vier der Glühpilze handelt es sich sogar um noch undokumentierte Pilzarten. Die neuen Arten sind winzig: Ihre Stängel sind nur wenige Zentimeter hoch, die Kappen haben je nach Art nicht mehr als 18 Millimeter im Durchmesser.

Die Forscher haben die Leuchtpilze in allen Teilen der Welt gefunden - in den Wäldern von Belize, der Dominikanischen Republik, Jamaica, Malaysia und Puerto Rico. Zwei der neuen Spezies benannten sie in Anlehnung an Mozarts Requiem Mycena luxaeterna ("ewiges Licht") beziehungsweise Mycena Luxperpetua ("immerwährendes Licht"). Bis heute hat Desjardin mehr als 200 neuer Pilzarten und fast ein Viertel aller lumineszierenden Pilze entdeckt. "Es ist ungewöhnlich, dass wir so viele leuchtende Pilzarten gefunden haben", sagt der Biologe, "Normalerweise können nur zwei bis fünf Prozent der gefundenen Arten leuchten." Deshalb ist sich Desjardin sicher, dass es noch viel mehr solcher Pilze gibt, die bisher noch unentdeckt sind.

Als Biolumineszenz bezeichnen Wissenschaftler die Fähigkeit von Lebewesen, eigenständig Licht zu erzeugen. Oft erzeugen sie es in speziellen Leuchtorganen, in denen bestimmte biochemische Reaktionen ablaufen. Die dabei freiwerdende Energie wird direkt in Form von Licht abgegeben. Warum die jetzt entdeckten Pilze neongrün leuchten, wissen die Forscher bisher nicht. Sie vermuten aber, dass die Pilze damit Insekten anlocken und dadurch ihre Sporen verbreiten können. Mit Hilfe der biochemischen Reaktion könnten aber auch aggressive Radikale abgefangen werden.

Auch manche Meeresbewohner sind in der Lage zu leuchten. Es gibt beispielsweise Feuerwürmer, die Biolumineszenz zum Anlocken ihrer Partner, aber auch zur Verteidigung nutzen. Vor kurzem hatten Forscher den Mechanismus dieser dafür notwendigen chemischen Reaktion entschlüsselt.

cib

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: