Biomoleküle Meteoriten könnten Schlüssel zur Entstehung des Lebens sein

Mit gewaltiger Wucht zum Biomolekül: Japanische Wissenschaftler haben simuliert, was in einem Ur-Ozean auf der Erde geschehen wäre, wenn ein Meteorit einschlägt. Das Ergebnis ist verblüffend: Allein durch Wucht, Hitze und wenige Grundzutaten entstanden Vorläufersubstanzen allen Lebens.


Es ist eines der Lieblingsargumente der Verfechter eines göttlichen Willens als Quell des Lebens auf der Erde: Die komplexen organischen Moleküle, die Grundlage allen Lebens sind, könnten doch nicht einfach so entstanden sein. Der Lösungsvorschlag Verfechter eines aktiv eingreifenden Weltenschöpfers lautet: "intelligent design" - irgendwann hat irgendwer ein paar Atome neu zusammengefügt, so dass Leben entstehen konnte.

Einschlag im Ur-Ozean (Zeichnung): Gewaltige Energien, große Hitze - Ursprung des Lebens?
NASA / Don Davis

Einschlag im Ur-Ozean (Zeichnung): Gewaltige Energien, große Hitze - Ursprung des Lebens?

Wissenschaftler von der Tohuko-Universität in Sendai, Japan, haben nun einen alternativen Vorschlag gemacht und auch experimentell gestützt: Meteoriten, die in der Frühzeit des Planeten in großer Zahl auf der Erdoberfläche aufschlugen, könnten die nötige Energie geliefert haben, dass sich komplexere chemische Bausteine bilden. Die seien dann wiederum die Grundlage für sich selbst replizierende Moleküle - Leben eben - gewesen.

Viele der Zutaten zu den ersten Lebewesen waren auf der frühen Erde zweifellos vorhanden. Unklar ist nur, wie sich diese Zutaten zu den Grundbausteinen des Lebens zusammentaten. Yoshihiro Furukawa und seine Kollegen setzten nun auf Wucht: Sie simulierten mit einer Art Miniaturkanone den Aufprall eines Meteoriten aus Kohlenstoff, Nickel und Eisen in einem Ur-Ozean aus Wasser und Ammoniak. Die Arbeitshypothese der Arbeit, die das Team nun im Fachblatt "Nature Geoscience" veröffentlichte, lautete: "Der Großteil der organischen Moleküle, die für die Entstehung des Lebens notwendig waren, wurden bei ozeanischen Einschlägen außerirdischer Objekte erzeugt, die metallisches Eisen und festen Kohlenstoff enthielten."

Der Druck, den die Forscher in ihrer Apparatur erzeugten, entsprach ihren Angaben zufolge etwa dem, den ein Meteorit entfaltet hätte, der mit einem Tempo zwei Kilometern pro Sekunde auf der Ur-Erde aufgeprallt wäre. Durch die dabei freigesetzten Energien wurde das Substanzgemisch auch extrem erhitzt - auf etwa 2600 bis 4700 Grad Celsius. Nach dem simulierten Aufprall habe man chemische Verbindungen wie Fettsäuren und die Aminosäure Glycin nachweise können - Grundbausteine heutiger Lebewesen.

In den Ozeanen der Vorzeit seien solche Ereignisse, wie man sie nun simuliert habe, sehr häufig und mit teils ungleich höherer Wucht aufgetreten, so Furukawa und seine Kollegen. Oft seien dabei vermutlich große Pilzwolken aus Staub und Flüssigkeit entstanden, "mit großen Mengen Ausgangsmaterial und unterschiedlichen Temperatur-, Druck- und Gaszusammensetzungen".

Daher hätten sich bei den natürlichen Einschlägen vermutlich organische Verbindungen von "größerer Vielfalt, Variationsbreite und Komplexität gebildet, als in den hier vorgestellten Experimenten". Zudem hätten durch weitere Einschläge aus einfacheren Molekülen noch komplexere werden können.

Das Bombardement der jungen Erde aus dem All, so die Schlussfolgerung des Teams, könne also dafür gesorgt haben, dass "sich Biomoleküle und ihre Vorläufer bilden, die notwendig für den Ursprung des Lebens sind".

Die Verfechter der These vom "intelligent design" allerdings wird auch diese Arbeit vermutlich eher nicht überzeugen.

cis/dpa

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