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Bizarrer Tiersex: Seebär fällt über Pinguin her

Schwule Giraffen, lesbische Delfine, mit Samen handelnde Schnecken: Das Tierreich treibt es bunt, so viel ist seit langem klar. Jetzt aber haben Forscher einen Akt gefilmt, der selbst abgebrühte Biologen staunen lässt.

45 Minuten lang dauerte der Angriff, den Nico de Bruyn von der University of Pretoria miterlebt hat: Ein junger antarktischer Seebär verging sich an einem Königspinguin. "Zuerst dachten wir, der Seebär will den Pinguin töten", sagte der Forscher der Web-Seite BBC News. Das bizarre Ereignis spielte sich auf der Marion-Insel ab, die der Antarktis vorgelagert ist und zu den Prinz-Edward-Inseln gehört. Es könne sich entweder um eine spielerische oder mit dem Jagen verbundene Aggression gehandelt haben, die sich in einen sexuellen Angriff gewandelt habe, schreiben Bruyn und seine Kollegen im Fachblatt "Journal of Ethology".

Passt das wirklich zusammen? Flossenfüßer und Pinguin
AFP; REUTERS

Passt das wirklich zusammen? Flossenfüßer und Pinguin

Die Wissenschaftler wollten gerade an einem Strand der Marion-Insel Seebären untersuchen, als sie ein etwa 100 Kilogramm schweres männliches Jungtier bemerkten, das einen 15 Kilogramm leichten Königspinguin bedrängte. Der Vogel habe versucht, zu fliehen - jedoch vergeblich. Der Flossenfüßer habe Bewegungen ausgeführt, die keinen Zweifel daran ließen, dass er Sex wollte, sagte Bruyn der britischen BBC. Nach 45 Minuten habe der Seebär aufgegeben und sei eine Runde schwimmen gegangen - ohne den Pinguin, der offenbar unverletzt blieb, weiter zu beachten.

Sexuelle Nötigung komme im Tierreich öfter vor, sagte Bruyn, allerdings meist bei Arten, bei denen die Männchen den Weibchen körperlich deutlich überlegen seien. Auch sexuelle Annäherungen zwischen einander nahestehenden Arten seien schon beobachtet worden, etwa zwischen verschiedenen Robben. Es handle sich aber um die erste wissenschaftlich dokumentierte sexuelle Handlung eines Säugers mit einem Wirbeltier einer anderen Klasse - also Vögeln, Fischen, Reptilien oder Amphibien.

Die Natur ist ohnehin toleranter als mancher Mensch, wenn es um Sex geht. Es müssen nicht immer ein Männchen und ein Weibchen einer Art zusammenfinden. Schnecken-Zwitter etwa tauschen Sperma. Auch homosexuelle Beziehungen sind möglich. Für Schlagzeilen sorgte etwa ein schwules Pinguinpärchen aus dem New Yorker Zoo, dem Pfleger sogar ein Ei unterschoben, das ein anderes Paar nicht ausbrüten wollte. Das Kinderbuch über die rührende Geschichte zweier Papas löste einen Streit über den generellen Umgang mit dem Thema Homosexualität aus.

Dass Tiere vor allem Spaß wollen, zeigte Ende 2006 auch eine Ausstellung im Naturkundemuseum Oslo. Die Schau erzählte die Geschichten von schwulen und lesbischen Giraffen, Walen und Delfinen.

Zoologen sind freilich nicht immer angetan von homosexuellen Wesen. Als der Bremerhavener Zoo vor einigen Jahren ankündigte, sechs schwule Humboldtpinguine weiblichen Reizen aussetzen zu wollen, hagelte es wütende Proteste homosexueller Menschen. Der Zoo erklärte dagegen ungerührt, der Test diene dem Artenschutz.

hda

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