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Blinde Passagiere: Pinguine am falschen Ende der Welt

Alaska statt Antarktis - einzelne Pinguine tauchen plötzlich am falschen Ende der Welt auf. Forscher haben die kuriosen Berichte analysiert, und schließen eine natürliche Verirrung aus. Ihr Verdacht lautet: Kidnapping.

Das hatte Fischer Guy Demmert noch nicht gesehen: In seinem Fangnetz strampelte ein Humboldt-Pinguin. Doch im US-Bundesstaat Alaska, wo der Fischer seine Netze auswirft, gibt es eigentlich gar keine Pinguine. Nicht einen einzigen. Pinguine leben auf der Südhalbkugel.

Humboldtpinguine (im Bremerhavener Zoo): Wie kommt der Südhemisphären-Bewohner nach Alaska?
DDP

Humboldtpinguine (im Bremerhavener Zoo): Wie kommt der Südhemisphären-Bewohner nach Alaska?

Doch das kleine schwarz-weiße Tierchen hatte es irgendwie geschafft, von seiner Heimat, der peruanischen Küste aus, Tausende Kilometer weit nach Alaska zu kommen. Der Humboldt-Pinguin wirkte gesund und munter, als er Demmert im Juli 2002 über den Weg lief. Der Fischer machte ein Foto und ließ den possierlichen Vogel wieder frei. Biologen hingegen fingen an zu rätseln: Wie war er in die nördliche Hemisphäre gelangt? War er all die Kilometer von Peru hierhin geschwommen? War er aus einem Zoo ausgebüchst? Wohl kaum.

Wissenschaftler an der der Universitiy of Washington haben nach langem Grübeln nun gefolgert, dass nur eine Erklärung plausibel ist: Der Pinguin wurde auf einem Fischerboot mitgenommen und dann an Land freigelassen - möglicherweise kein Einzelfall. "Die Crew hatte die Pinguine als kleine Haustiere an Bord. Menschen mögen die Pinguine, weil sie so niedlich sind", sagte Amy van Buren, Biologin an der University of Washington. Demnach wären die Vögel weniger blinde Passagiere als Kidnapping-Opfer.

Die Wissenschaftlerin Dee Boersma, Expertin für Pinguine, an derselben Universität, berichtet nun in dem Fachmagazin "Wilson Journal of Ornithology", dass Pinguine allerdings wenig Chancen hätten, in der nördlichen Hemisphäre zu überleben. Grund sei nicht die Kälte, sondern natürliche Feinde wie der Bär.

Fehlgeschlagene Einbürgerung nach Skandinavien

Der Humboldt-Pinguin ist einer von 17 Arten seiner Gattung. Er wird oft auch Peruanischer Pinguin genannt. Die meisten Arten leben im Süden etwa zwischen dem 45. und dem 60. Breitengrad. Die größte Individuenzahl findet sich um die Antarktis und auf nahegelegenen Inseln. Der einzige Pinguin, der nördlich des Äquators lebt, ist der Galapagos Pinguin. Seine bevorzugte Brutstätte liegt auf Isabella Island, etwas nördlich des Äquators.

Dennoch gab es immer wieder Versuche, Pinguine auf die nördliche Halbkugel zu bringen. In Skandinavien, so berichten die Washingtoner Pinguin-Experten, wurden Pinguine in der Mitte des 20. Jahrhunderts ausgesetzt. Sie alle starben aber nach einem Jahrzehnt aus. Krankheiten oder Übergriffe von größeren Tieren rafften die kleinen Tierchen dahin. Und einige Male wurden auch Pinguine sehr weit nördlich gesichtet. 1975 berichten lokale Zeitungen in Vancouver Island, dass ein Humboldt-Pinguin gesichtet wurde. Auch Fischer Guy Demmert hatte bereits früher schon einmal eine Pinguin-Erscheinungen in Alaska. Er berichtet von einem "braunen Exemplar".

Der Humboldt-Pinguin in Alaska, schließen die Wissenschaftler in ihrer Analyse, könnte auch einer sein, der in den siebziger Jahren, von einem Zoo-Transport-Boot gehüpft sei. Pinguine könnten bis zu 30 Jahre in freier Wildbahn leben. Mittlerweile werden Tier-Transporte allerdings mit einem Chip gekennzeichnet - damit wird immerhin die anonyme Reise gefangener Pinguine ein Ende haben.

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