Blitz-Evolution Gift-Kröte hat jetzt längere Beine

In den USA attackieren religiöse Eiferer Darwins Evolutionstheorie, die Australier aber bekommen die Evolution derzeit live zu spüren. Die giftige Aga-Kröte, einst ausgesetzt als Schädlingsbekämpfer, mischt das Tierreich neuerdings auf längeren Beinen auf.


Sie kamen einst als Insektenjäger nach Queensland. Doch statt zu tun, was die Australier von ihnen erwarteten, wurden die Aga-Kröten selbst zur Landplage: Dick, giftig und hungrig verbreiten sie Furcht und Schrecken in der australischen Fauna. Die Amphibien sind für Forscher der lebende Beweis, dass der britische Naturforscher Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie richtig lag: Wie die Experten im Wissenschaftsmagazin "Nature" berichten, haben die vor 70 Jahren aus Venezuela herangeschafften Kröten inzwischen längere Hinterbeine entwickelt.

Mittlerweile können sie an einem einzigen Tag rekordverdächtige 1,8 Kilometer weit hopsen, schreibt das Team um Richard Shine von der University of Sydney. Mit gesegnetem Appetit ausgestattet und durch giftigen Schleim vor Fressfeinden geschützt, walzen sie weniger robuste einheimische Tiere buchstäblich platt.

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Terror im Tierreich: Der Aga-Kröte wachsen die Beine

Für ihre Untersuchungen hatten die Fachleute eine Beobachtungsstation dort aufgebaut, wo sie die Front der Kröten-Invasion verorten - etwa 60 Kilometer östlich der Stadt Darwin. Zehn Monate lang fingen sie die bis zu zwei Kilogramm schweren Froschlurche namens Bufo marinus. Einige der allesfressenden Amphibien wurden mit Peilsendern ausgestattet und wieder in die Freiheit entlassen.

Das Ergebnis war eindeutig: Die Aga-Kröten an der Spitze der Meute hatten längere Hinterbeine als Angehörige alteingesessener Populationen - ein klarer evolutionärer Vorteil. Die Studie erklärt nach Meinung der Experten auch, warum sich die Aga-Kröten in ihren ersten Jahren in Queensland nur um etwa zehn Kilometer jährlich ausbreiteten, mittlerweile aber um die 50 Kilometer pro Jahr schaffen. Mittlerweile dominieren die Kröten ein Gebiet von mehr als einer Million Quadratkilometern - dreimal so groß wie Deutschland.

Laut Shine sind die auch als Zuckerrohr-Kröten bekannten Tiere ein schlagendes Beispiel dafür, dass sogenannte invasive Arten so rasch wie möglich bekämpft werden müssten - "bevor der Eindringling Zeit hat, sich zu einem gefährlicheren Feind zu entwickeln".

Es ist im Übrigen nicht das erste Mal, dass die Aga-Kröte das Wirken der Evolution zeigt. Die Invasion der Amphibien hat auch der Entwicklung anderer Tiere gewaltig auf die Sprünge geholfen. Bereits vor einem Jahr hatte Shine zwei Schlangenarten entdeckt, die sich in nur 70 Jahren so weit verändert haben, dass sie die Giftkröte gefahrlos fressen und verdauen können.

Der simple Trick der Grünen Baumschlange und der Rotbäuchigen Schwarzotter: Sie haben ihre Köpfe verkleinert und ihre Körper vergrößert. Dadurch sind sie nur noch in der Lage, kleinere Aga-Kröten zu fressen, die einen geringeren Giftgehalt haben. Durch den längeren Körper können sie zudem das Gift besser verdauen. Zuvor waren Biologen davon ausgegangen, dass solche Veränderungen Jahrmillionen brauchen.

mbe/AFP

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