Bloombergs Pläne für New York Windkrafträder auf Wolkenkratzern

Werden sich auf den Hochhäusern Manhattans bald Windräder drehen? New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hat genau dies vor, um die Stadt umweltfreundlicher zu machen. Doch Experten warnen: Wolkenkratzer halten solche Lasten gar nicht aus.

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New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hat einen Traum. Er will New York City in Eco City verwandeln: Windkraftwerke auf Wolkenkratzern, Brücken und an den Küsten der Metropole sollen in Zukunft die Energie liefern, die die Stadt, die niemals schläft, in Massen benötigt.

"Wenn es um sauberen Strom geht, müssen wir New York zur Nummer eins in der gesamten Nation machen", sagte Bloomberg bei einer Rede während des Nationalen Clean-Energy-Gipfels in Las Vegas.

Welche Wolkenkratzer und Brücken Bloomberg als künftige Standorte für die Windkraftanlagen im Blick hat, wollte er noch nicht sagen - zunächst müssten die Behörden zusammen mit den Eigentümern erörtern, welche Gebäude sich am besten für die Installation der Windkraftanlagen eignen würden. Für die Küsten-Standorte habe man jedoch schon Abschnitte der Stadtteile Queens, Brooklyn und Long Island ausgeguckt.

Bloombergs erklärtes Ziel: In den nächsten zehn Jahren sollen zehn Prozent des Stroms für die Stadt aus erneuerbaren Energien stammen. Er will damit auch das strapazierte New Yorker Stromnetz entlasten, das immer wieder für spektakuläre Ausfälle sorgte.

Der Zeitpunkt des Bürgmeister-Vorschlags dürfte kaum Zufall sein: Im Januar 2010 endet seine zweite und letzte Amtszeit. Somit bleiben ihm noch 18 Monate Zeit, seine Windkraft-Roadmap in Gang zu bringen.

Und Bloomberg gibt Gas. Er hat Firmen aufgerufen, bis zum 19. September ihre Ideen einzureichen, wie man New York bis zum Jahr 2030 ökologischer machen kann.

"Hochhäuser sind für diese Lasten nicht ausgelegt"

"Wir wollen ihre besten Ideen für kleine und große Projekte zum Wohle der New Yorker", sagte Bloomberg. Die "New York Times" berichtet, Bloomberg habe sich bereits mit dem Ölmagnaten Boone Pickens getroffen, der die weltgrößte Windkraftfarm in Texas bauen will.

Windkraft-Experten halten Bloombergs Pläne freilich für unrealistisch: "Heutige Windenergieanlagen der Megawattklasse haben einen Rotordurchmesser bis zu 126 Metern", sagte Peter Quell, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bei der Repower Systems AG im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Solch eine Anlage rufe hohe dynamische Reaktionskräfte hervor. "Brücken und Hochhäuser sind für diese hochdynamischen Lasten nicht ausgelegt, daher ist es eher unwahrscheinlich, dass diese Bauwerke diese großen Turbinen tragen können."

Rohit Aggarwala, Direktor des New Yorker Langzeitplanungsbüros, sieht das anders. Der "New York Times" sagte er, dass Turbinen auf Gebäuden kleiner ausfallen würden als Offshore-Anlagen. Verschiedene Unternehmen würden bereits mit Modellen experimentieren, die aussähen wie Schneebesen und die man gut in die Gebäude integrieren könne. "Man kann sie so klein machen, dass die Leute sie für einen Teil des Designs halten", sagte Aggarwala.

"Wenn überhaupt, wären nur wesentlich kleinere Anlagen vorstellbar, die allerdings signifikant weniger Leistung erbringen", bestätigt auch Repower-Experte Quell. Seiner Einschätzung nach würden die Offshore-Pläne Bloombergs mehr Sinn ergeben: "Üblicherweise stehen größere Windenergieanlagen auch gar nicht im Stadtgebiet, sondern dort, wo die Windverhältnisse günstig sind, ausreichend Platz für die Anlagen ist und man sie auch sicherheitstechnisch ohne Bedenken errichten kann", so Quell.

Freiheitsstatue soll umweltfreundlich leuchten

Was die Offshore-Windanalgen angeht, will der New Yorker Planer Aggarwala bis zu 30 Kilometer weit ins Meer bauen. "Man würde die Anlagen vom Land aus dann auch nicht mehr sehen können."

Der saubere Strom New Yorks soll aber auch von der Sonne und aus der Erde kommen: Firmen sollen Dächer mieten können, um dort Solarpanels zu installieren. Den produzierten Strom dürfen sie verkaufen. Auch Erdwärme soll einen Teil der Energie liefern. Am wertvollsten jedoch ist der Strom, den man erst gar nicht verbraucht: Mit Gesetzen und Regulierungen will Bloomberg Hausbesitzer zum Energiesparen verdonnern. "Die Neuregelungen werden auch effektive Umrüstungen bereits bestehender großer Bauten beinhalten."

Bloombergs ehrgeizige Windkraftpläne könnten freilich nicht nur an der technischen Realisierbarkeit, sondern auch an der Bürokratie scheitern - oder zumindest stark verzögert werden: Die Errichtung der Kraftwerke könnte Jahre dauern, weil dafür zahlreiche Genehmigungen von Bundes- und Staatsbehörden erforderlich sind. Manche Abschnitte der Küstenlinie New Yorks sind Eigentum des Bundes. Firmen, die dort Kraftwerke bauen wollen, brauchen entsprechende Zugangsgenehmigungen.

Bloomberg trat 2007 aus der Republikanischen Partei aus. Mit Themen wie Waffenkontrolle, autofreien Samstagen und Klimawandel profilierte er sich als politischer Querdenker. Nun hat er die Energiekrise zu seinem Thema erkoren, die seiner Ansicht nach schmählich von den Politikern vernachlässigt wird. Dabei sei sie das drängendste Problem der USA. Das Land habe Nachholbedarf, so Bloomberg. Laut Schätzungen wird es bis zu 60 Milliarden US-Dollar kosten, 20 Prozent des Stroms der USA mit Windkraft zu erzeugen.

Bloombergs Traum: Die Fackel der Freiheitsstatue soll neuen Einwanderern stets leuchten - gespeist mit umweltfreundlichem Strom aus Ozean-Windparks.

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