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Blutsauger: Hautbakterien ziehen Moskitos an

Die Mär vom süßen Blut hat ein Ende: Insektenforscher haben herausgefunden, welche Menschen von Stechmücken bevorzugt werden. Wer besonders viele Bakterien einer bestimmten Art auf der Hautoberfläche trägt, hat das Nachsehen.

Eine Stechmücke der Gattung Anopheles beim Blutsaugen: Auf die Bakterien kommt es an Zur Großansicht
CDC/ William Collins/ dapd

Eine Stechmücke der Gattung Anopheles beim Blutsaugen: Auf die Bakterien kommt es an

Wird man nachts von einem fiesen, hohen Summton geweckt, ist es oft schon zu spät: Die Mücke hat zugestochen und sich ihre Blutmahlzeit einverleibt. Und während man sich anderntags die juckenden Stiche aufkratzt, schmunzelt der Partner genüsslich, weil die Mücke sein Blut verschmäht hat.

Aber warum mögen Mücken das Blut mancher Menschen mehr, das anderer weniger? Die Mär vom süßen Blut führt hier nicht weiter. Der Grund ist an einer anderen Stelle zu finden: auf der menschlichen Haut, schreiben jetzt Insektenforscher um Niels Verhulst von der niederländischen Universität Wageningen im Fachjournal "PloS One".

Demnach bestimmt die Zusammensetzung der Bakterien auf der Haut, welche Menschen für die Mücke attraktiver sind. Diesen Zusammenhang fanden die Wissenschaftler zumindest bei Moskitos der Art Anopheles gambiae, deren Stiche besonders gefährlich sind, weil sie den gefährlichen Malariaerreger übertragen können.

Im Dienst der Forschung mussten 48 männliche Probanden freiwillig an sich saugen lassen. Um Einflüsse durch andere Geruchsfaktoren zu verhindern, durften die Teilnehmer kurz vor dem Experiment weder Alkohol trinken noch Knoblauch oder anderes scharf gewürztes Essen zu sich nehmen, sich nicht duschen oder parfümierte Kosmetika nutzen. Zusätzlich analysierten die Forscher das sogenannte Haut-Mikrobiom der Probanden. Gemeint ist damit die Erbsubstanz aller auf der Haut lebenden Mikroorganismen.

Auf die Mischung kommt es an

Ohne Bakterien wäre der menschliche Schweiß geruchlos, denn jeder Mikroorganismus setzt die vielfältigen Substanzen in der Flüssigkeit um. Die so entstehenden Stoffwechselprodukte sind flüchtig und sorgen bei jedem Menschen für einen einzigartigen Körpergeruch. Wie der Mückenstichtest bei den Probanden ergab, wurden neun der 48 Testpersonen von den Stechmücken auffallend gerne gepiesackt. Sieben waren bei den Moskitos dagegen weniger beliebt. Alle anderen Testpersonen wurden durchschnittlich oft gestochen.

Der Vergleich der Mikrobiome der verschiedenen Testpersonen zeigte: Je kleiner die Zahl der verschiedenen Bakterienarten auf der Haut des Menschen waren und je mehr Bakterien sich insgesamt auf ihr befanden, desto beliebter war die Testperson für die Moskitos.

Zudem waren es offenbar insbesondere Bakterien der Art Staphylococcus epidermidis, die für eine gesteigerte Attraktivität sorgten. Ihre Stoffwechselprodukte, so die Vermutung der Forscher, riechen für die Mücken besonders gut. Dagegen produzieren Bakterien der Art Pseudomonas aeruginosa eher Duftstoffe, die Mücken abschrecken. Beide Arten sind im Bakteriencocktail auf der menschlichen Haut vertreten. Es käme daher darauf an, schreiben Verhulst und seine Kollegen, wie häufig sie im Verhältnis zu den weiteren Bakterienarten vorhanden seien.

Die Hoffnung der Forscher ist nun, mit Hilfe der Ergebnisse eines Tages maßgeschneiderte Antimückenmittel herstellen zu können. Das könne auch dazu beitragen, die Übertragung von Malaria einzudämmen.

cib

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Wozu Antimückenmittel produzieren?
gugugy 29.12.2011
Zitat von sysopDie Mär vom süßen Blut hat ein Ende: Insektenforscher haben herausgefunden, welche Menschen von Stechmücken bevorzugt werden. Wer besonders viele Bakterien einer bestimmten Art auf der Hautoberfläche trägt, hat das Nachsehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,806217,00.html
Die Bakterien, die Pseudomonaden, leben besonders gerne in Pfützen und auf abgestorbenen organischen Material. Wer sich vor Mücken schützen will, wäscht sich besser nicht und suhlt sich säuisch in einer Pfütze. Geld gespart! Gesundheit gerettet, denn kein Antimückernmittel schützt wirksam die Gesundheit; das Gegenteil ist eher der Fall.
2. Nee ...
Tom Joad 29.12.2011
Zitat von gugugyDie Bakterien, die Pseudomonaden, leben besonders gerne in Pfützen und auf abgestorbenen organischen Material. Wer sich vor Mücken schützen will, wäscht sich besser nicht und suhlt sich säuisch in einer Pfütze. Geld gespart! Gesundheit gerettet, denn kein Antimückernmittel schützt wirksam die Gesundheit; das Gegenteil ist eher der Fall.
Dann lieber ein Stück abgestorbenes organisches Material mit sich herumtragen (haben sogar einige in der Hirnschale liegen, ohne es zu ahnen). Aber vielen Dank, liebe Pseudomonas! Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die kaum gestochen werden. Das hat mir allerdings auch schon mal einen Urlaub mit meiner Freundin versaut: Sie hatte über dreißig Mückenstiche, ich null. Mann, war die sauer!
3.
gugugy 29.12.2011
Zitat von Tom JoadDann lieber ein Stück abgestorbenes organisches Material mit sich herumtragen (haben sogar einige in der Hirnschale liegen, ohne es zu ahnen). Aber vielen Dank, liebe Pseudomonas! Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die kaum gestochen werden. Das hat mir allerdings auch schon mal einen Urlaub mit meiner Freundin versaut: Sie hatte über dreißig Mückenstiche, ich null. Mann, war die sauer!
Jeder Mensch trägt mehr oder weniger abgestorbenes Material mit sich; abgestorbene Hautzellen nämlich. Wer sich nicht wäscht oder sich nicht abbürstet hat sicherlich mehr davon. Aber mit der Zeit verkäst der Hautmüll und Mensch müffelt entsetzlich. Da hilft auch kein Deo, denn darauf reagieren etliche auf der Haut lebende Bakterien mit der Absonderung von "Giftgas": Schweißgeruch. Je mehr man Deo verwendet, desto mehr stinkt man also. Wer parfümfrei lebt und sich regelmäßig wäscht, muss sich richtig anstrengen, um mal nach Schweiß zu riechen. Deo-Junkies aber locken Mücken an. Super wirken im Sommer auch Haarsprays. Die locken nicht nur Mücken, sondern auch eine Menge Fliegen an - und ein Misthaufen ist mit einem Mal verwaist. Und die meisten Anit-Mückenmittel enthalten Parfüme! Ein Super-Beschiss der chemischen Industrie! Und warum soll die Pharmaindustrie nicht auch von Mücken profitieren? Hähä.
4. Pseudom. aeruginosa, ein überaus eindeutiger und furchtbarer Gestank.
keats 29.12.2011
Zitat von Tom JoadDann lieber ein Stück abgestorbenes organisches Material mit sich herumtragen (haben sogar einige in der Hirnschale liegen, ohne es zu ahnen). Aber vielen Dank, liebe Pseudomonas! Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die kaum gestochen werden. Das hat mir allerdings auch schon mal einen Urlaub mit meiner Freundin versaut: Sie hatte über dreißig Mückenstiche, ich null. Mann, war die sauer!
Also "lieber" eine etwas angesäuerte weil von Mücken gestochene Freundin, als das die "Liebste" unerträglich nach Pseudomonas stinkt. Nicht nur das Pseudomonas aeruginosa einen übel, penetrant und widerlich stinkenden Schleim produziert, der dies Bakterium sehr effizient schützt, so ist Pseudomonas einer der sehr gefürchteten Problemkeime im Krankenhaus, er ist sehr infektiös und auch multiresistent gegen die meisten Antibiotika. Manchmal brauchen sie gar kein Erregernachweis mehr aus dem Labor, denn der spezifische Pseudomonas Gestank ist so eindeutig und offensichtlich, das jeder Mediziner weiss was Sache ist.
5. Arme Menschheit
filmforist 29.12.2011
Zu blöd sich gegen Insekten zu schützen - erbärmlich. Millionen Menschen sterben an Mückenstichen und es soll nicht möglich sein, sich gegen Mücken zu wehren? Die Mücke schlauer als der Mensch? Offensichtlich. Geld wird nicht investiert, fürchtet man Überbevölkerung in den Gebieten? Dann könnte man das Gegenmittel einfach sehr teuer machen, aber das wäre wieder viel zu weit gedacht.
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Risikogebiete: Das Malaria-Atlas-Project Zur Großansicht
REUTERS/ Malaria Atlas Project

Risikogebiete: Das Malaria-Atlas-Project


Malaria
Die Krankheit
AP
Malaria zählt zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt: Statistisch gesehen stirbt allein in Afrika etwa alle 30 Sekunden ein Kind an der Krankheit. Pro Jahr fallen ihr insgesamt mindestens eine Million Menschen zum Opfer, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren. Der Erreger der Malaria tropica, der einzellige Parasit Plasmodium falciparum, wird durch den Stich weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles von bereits infizierten Menschen auf gesunde übertragen.
Schutzmaßnahmen
Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es derzeit nicht. Deshalb gilt es, eine Ansteckung von vornherein zu vermeiden, indem man sich in moskitosicheren Räumen aufhält, mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze benutzt und langärmlige Kleidung trägt.
Chemische Vorbeugung
Prophylaxe-Medikamente bieten keinen absoluten Schutz vor einer Malaria, erhöhen aber die Sicherheit. Über die Art der Malaria-Prophylaxe muss individuell der Arzt entscheiden, anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Reisedauer und des Reisestils. Dabei müssen Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten sowie Besonderheiten bei der Medikamenteneinnahme beachtet werden. Bei Reisen in Gebiete mit hohem Malaria-Risiko ist eine Chemoprophylaxe empfehlenswert. Wenn in Gebieten mit niedrigem oder mittlerem Malaria-Risiko keine regelmäßige Chemoprophylaxe durchgeführt wird, sollte ein Reservemedikament mitgeführt werden. Es sollte nur bei verdächtigen Symptomen, fehlender ärztlicher Versorgung und nur im Notfall eingenommen werden ("Standby").
Schutz vor Malaria
Möglichkeiten
Noch existiert kein Impfstoff gegen Malaria. Die Möglichkeiten zur Vorbeugung der Erkrankung umfassen die Expositionsprophylaxe und die Chemoprophylaxe.
Expositionsprophylaxe
Ein wirksamer Schutz ist die Vermeidung von Mückenstichen. Dazu rät das Robert Koch-Institut Folgendes:

- Aufenthalt in moskitosicheren Räumen (Klimaanlage, Fliegengitter)
- Moskitonetze, am besten imprägniert mit Insektiziden
- das Tragen langärmliger Kleidung
- die Anwendung von Repellents
Chemoprophylaxe
Prophylaxe-Medikamente bieten keinen absoluten Schutz vor einer Malaria, erhöhen aber die Sicherheit. Über die Art der Malariaprophylaxe muss individuell der Arzt entscheiden, anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Reisedauer und des Reisestils. Dabei müssen Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten sowie Besonderheiten bei der Medikamenteneinnahme beachtet werden.

Bei Reisen in Gebiete mit hohem Malariarisiko ist eine Chemoprophylaxe empfehlenswert. Wenn in Gebieten mit niedrigem oder mittlerem Malariarisiko keine regelmäßige Chemoprophylaxe durchgeführt wird, sollte ein Reservemedikament mitgeführt werden. Es sollte nur bei verdächtigen Symptomen, fehlender ärztlicher Versorgung und nur im Notfall eingenommen werden ("Standby").


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