Bodensee Stand-up-Paddler stören Wasservögel

Der Stehpaddler ist noch weit weg, doch schon ist ein ganzer Trupp Kolbenenten aufgescheucht. Laut einer Studie irritiert die Trendsportart Stand-up-Paddling Wasservögel erheblich.

Stand-up-Paddler mit Möwen (Symbolbild)
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Stand-up-Paddler mit Möwen (Symbolbild)


Millionen Wasservögel rasten im Winterhalbjahr auf bayerischen Gewässern und dem Bodensee. Seit einigen Jahren treffen sie dort immer häufiger auf Sportler, die auf einer Art Surfbrett stehen und übers Wasser paddeln. Nun liefert eine Studie Hinweise, wie sehr Stand-up-Paddler (SUP) Wasservögel negativ beeinflussen.

Durch Stehpaddler gestörte Vögel fliegen demnach bereits auf, wenn der Sportler noch weit entfernt ist. "Die höchste nachgewiesene Fluchtdistanz durch SUP gab es am Bodensee", sagt Matthias Bull, der im Auftrag des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) eine Masterarbeit über das Thema geschrieben hat. Dort habe ein Stehpaddler aus 1,5 Kilometern Entfernung einen ganzen Trupp Kolbenenten aufgeschreckt. Noch stärker würden die Tiere nur von Motorbooten gestört.

Für die Untersuchung wertete Bull Protokollbögen von Vogelbeobachtern und Kameraaufnahmen aus. Insgesamt wurden so 104 Störungen durch SUP und 260 durch andere Wassersportarten dokumentiert. Die Fallzahlen erscheinen klein, es gibt aber bisher kaum Daten zu den Auswirkungen des Stehpaddelns auf die Tierwelt. Dabei gibt es den Trendsport inzwischen fast an jedem Gewässer. Christian Hahn von der Stand Up Paddle Association schätzt, dass es mehr als 500.000 Bretter in Deutschland gibt.

Bull hat vor allem das Verhalten der Tiere in Bayern während der Winterhalbjahre in den vergangenen zwei Jahren untersucht - genauer, jeweils den Zeitraum zwischen September und April. Denn etwa von November an landen große Wasservogeltrupps auf den Gewässern im Freistaat. Sie kommen aus dem Norden und Nordosten, um zu überwintern oder weiter nach Süden zu ziehen. Laut LBV tummeln sich an einem durchschnittlichen Dezembertag mehr als 150.000 Vögel auf den Seen und Flüssen des Freistaats.

"Es gab auch Störungen außerhalb des Auswertungszeitraumes", sagt der 28-Jährige. So habe etwa ein Höckerschwan im Sommer sein Gelege aufgegeben, als Stehpaddler am Seehammer See mit einem Hund zu einer Insel fuhren, auf der der Schwan brütete.

Das Aufschrecken der Tiere sei aber auch im Winter ein Problem. Wenn die Tiere zu viele Fettreserven verbrauchen, kehren sie geschwächt in ihre Brutgebiete in Island, Skandinavien oder Sibirien zurück. Unter den durch SUP gestörten Vögeln waren auch gefährdete Arten wie Samtente, Eistaucher oder Zwergschwan. Zwar seien im Winter deutlich weniger Paddler unterwegs als im Sommer, sagt Bull. Dank Neopren-Anzügen sei der Sport aber auch bei Kälte möglich.

Warum Stehpaddler die Tiere mehr stören als andere Sportler, wissen die Naturschützer noch nicht genau. Sie vermuten, die aufrechte Haltung könnte besonders bedrohlich auf die Vögel wirken. "Außerdem hat der Fahrer etwas Langes in der Hand", sagt LBV-Vogelkundler Thomas Rödl, der Bulls Arbeit betreut hat. Für die Vögel könnten sie wirken wie Jäger." Vielleicht reagieren die Vögel auf die Stand-up-Paddler auch so sensibel, weil die Sportart noch relativ neu ist und die Tiere noch nicht gelernt haben, dass die Paddler ungefährlich sind.

Das sollten Stand-up-Paddler vermeiden

Die meisten Probleme gab es in Ufernähe, weil sich die Sportler oft an den Seerändern orientieren, sagt Bull. Gleichzeitig suchen viele Vögel in seichtem Gewässer nach Nahrung. "Störereignisse gab es vor allem im südbayerischen Raum - an Starnberger See, Ammersee, Bodensee, Chiemsee, aber auch im fränkischen Seenland sowie an den Flussstaustufen von Lech und Donau", sagt Bull. An vielen Seen überschritten Wassersportler zudem die Grenzen von Naturschutzgebieten.

Verteufeln will Bull SUP nicht. "Es sollte aber naturverträglich sein", fordert er. "Viel zu viele Menschen betrachten die Natur nur als Kulisse. Sie ist aber mehr. Daher ist es wichtig, dass jeder, der rausgeht, weiß, dass er eine Verantwortung trägt." Helfen könne eine bessere Information der Sportler - etwa über die Verleiher. Denn die wenigsten Stehpaddler sind in Vereinen organisiert - anders als Ruderer oder Segler. Auch ein Schein ist für den Sport nicht nötig.

"Die meisten Störungen passieren unabsichtlich", sagt Bull. Mit Aufklärung könne man daher viel erreichen. Mindestens 300 Meter Abstand müsse ein Stehpaddler zu einem Trupp Wasservögel einhalten. Auch die Beschilderung und Markierung von Naturschutzgebieten müsse besser werden. Eindeutig gegen das Stehpaddeln spricht sich Bull während der Nacht aus - Nachtpaddeln sei etwa am Bodensee ein Trend.

koe/dpa



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