Bohrkern-Analyse Menschen unschuldig am CO2-Anstieg in der Steinzeit

Seit 6000 Jahren erhöht sich langsam der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre. Bislang galten Brandrodungen und Ackerbau als Ursache. Nun haben Forscher den Menschen entlastet, allerdings nur für den Zeitraum bis zur Industrialisierung.

Mammut-Nachbau in Oberhof (Thüringen, Archivbild): Als die Giganten ausstarben, war der CO2-Gehalt der Atmosphäre bereits leicht angestiegen
DPA

Mammut-Nachbau in Oberhof (Thüringen, Archivbild): Als die Giganten ausstarben, war der CO2-Gehalt der Atmosphäre bereits leicht angestiegen


London - Der Mensch beeinflusst das Klima, kaum ein Wissenschaftler bezweifelt das noch. Aber haben schon die Steinzeitbewohner ihren Teil dazu beigetragen, dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre in den vergangenen Jahrtausenden gestiegen ist?

Forscher der Universität Bern und des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven geben nun Entwarnung. Hinter dem steinzeitlichen CO2-Anstieg stecken nicht Brandrodung und Ackerbau, sondern vermutlich Prozesse in den Ozeanen, schreiben Thomas Stocker und seine Kollegen im Fachjournal "Nature". "Nach unserer Untersuchung sind Thesen, wonach der frühe CO2-Anstieg auf den Menschen zurückzuführen ist, unhaltbar", erklären die Forscher.

Ihre Informationen entnehmen sie Eisbohrkernen aus der Antarktis, welche über Jahrtausende winzige Luftbläschen eingeschlossen haben und es so ermöglichen, die Zusammensetzung der Atmosphäre in verschiedenen Zeitperioden zu rekonstruieren. In der eingeschlossenen Luft haben die verschiedenen Elemente des Kohlenstoffkreislaufes wie Landnutzung, die Biosphäre oder die Ozeane eine eindeutige Spur aus Kohlenstoffisotopen hinterlassen. Isotope sind Atome des gleichen Elements mit unterschiedlicher Masse.

Je nachdem, welche Prozesse den Kreislauf zu einer bestimmten Zeit dominierten, speichert das Eis der Polarregionen unterschiedlich zusammengesetzte Gase. Mit hochsensiblen Messgeräten können die Forscher diese bestimmen und so die Klimageschichte über Tausende von Jahren rekonstruieren.

Pflanzen speicherten große Kohlenstoffmengen

Stockers Team untersuchte die Atmosphärenzusammensetzung des Holozäns - dem Zeitalter seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren - anhand eines Bohrkerns, den die Wissenschaftler in 100 bis 400 Metern Tiefe aus dem antarktischen Eis gezogen hatten. Ihre Resultate bestätigen, dass die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre zwar zunächst sank, aber seit 6500 Jahren bis in die Neuzeit leicht und kontinuierlich anstieg. Die Industrialisierung vor rund 200 Jahren markiert den Zeitpunkt, ab welchem der Kohlendioxidgehalt in größerem Maße zunimmt.

Die sich ausdehnende Biosphäre nach der letzten Eiszeit sei für die leichte CO2-Abnahme zu Beginn des Holozäns verantwortlich, berichten die Wissenschaftler. Als sich damals die Polkappen und Gletscher zurückzogen, konnten Pflanzen immer größere Gebiete erobern und Kohlenstoff speichern. Dadurch sank der CO2-Gehalt der Atmosphäre. Die Forscher vermuten, dass Prozesse in den Meeren die CO2-Konzentration 5000 Jahre später wieder ansteigen ließen. Sie wollen nun genauere Modelle dieser Prozesse entwickeln, um die Daten besser auswerten zu können.

hda/ddp

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