Tierische Selbstverteidigung Wie ein Käfer um sein Leben pupst

Was tun, wenn man von einem Fressfeind verschlungen wurde? Manche Insekten haben da eine ganz eigene Methode. Appetitlich ist sie nicht. Aber effektiv.

Kröte (li.) und Bombardierkäfer (re.) - das gibt gleich Ärger
DPA / Shinji Sugiura / Universität Kobe

Kröte (li.) und Bombardierkäfer (re.) - das gibt gleich Ärger


Käfer gehören zu den Lieblingsspeisen von Kröten. Doch manche Bombardierkäfer setzen sich kräftig zur Wehr - und zwar nachdem sie gefressen wurden. Das schreiben die beiden japanischen Wissenschaftler Shinji Sugiura und Takuya Sato von der Universität Kobe im Fachjournal "Biology Letters".

Bombardierkäfer gibt es auch ein Europa, so um die 50 Arten. Die Wissenschaftler haben sich aber eine japanische Art angesehen, Pheropsophus jessoensis. Das Tier verfügt über die Fähigkeit, eine heiße Chemikalie auszustoßen, nachdem es von einer Kröte verschluckt wurde. In vielen Fällen würgten die Kröten ihre Beute dann wieder aus.

"Diese Art von Käfer ist in Japan schon seit 100 Jahren bekannt, man wusste jedoch bislang nicht, gegen welchen Feind die chemische Selbstverteidigung wirksam ist", so Forscher Sugiura. Im Labor fanden er und sein Kollege nun heraus, dass der Bombardierkäfer bei einem Angriff durch die beiden Krötenarten Bufo japonicus und Bufo torrenticola vom Bauch aus die heiße Chemikalie ausspritzt.

Die ausgestoßene Chemikalie habe die Kröten dazu gezwungen, sich zu erbrechen, schreiben die Forscher. Mitentscheidend für eine erfolgreiche Flucht der Bombardierkäfer sei das Größenverhältnis zwischen Jäger und Beutetier. Große Käfer hätten häufiger die Fressattacke überstanden als kleine Käfer. Gleichzeitig würgten kleine Kröten die Käfer häufiger aus als große Kröten.

Start der Explosion durch Enzyme

Zwar hätten während der Experimente alle Kröten die Käfer verschlungen. 43 Prozent von ihnen würgten ihre Beute aber nach einer Zeit von 12 bis 107 Minuten wieder aus. Sämtliche erbrochenen Käfer seien putzmunter wieder herausgekommen.

Bombardierkäfer sind dafür bekannt, dass sie Feinde mit einem bis zu 100 Grad heißen Gasgemisch aus ihrem Hinterteil beschießen können - wenn nötig auch mehrmals hintereinander. Forscher um den Thermodynamik-Experten der University of Leeds in Großbritannien hatten bereits vor mehr als zehn Jahren den Mechanismus der "Brennkammer" im Inneren des Käfers nachbauen können, in der es zu der explosiven Reaktion kommt.

Die Tiere mixen in der Kammer zwei reaktionsfreudige Chemikalien und bringen sie mit Enzymen zur Explosion. Das mit einem Knall ausgestoßene ätzende Gas kann Ameisen töten und größere Tiere wie Frösche in die Flucht schlagen. Chemiker an der Universität im schweizerischen Zürich haben auf Basis dieser Technik ein System zum Schutz von Geldautomaten entworfen.

chs/dpa



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