Kältewelle "Bomben-Zyklone" zieht über Nordamerika

Schnee in Florida, Kälterekorde im Norden und nun auch noch eine "Bomben-Zyklone" an der US-Ostküste - ist das noch Winter?


Es ist ein ungewöhnliches Bild: Entlang der gesamten US-Ostküste zieht sich derzeit ein Streifen von Schnee und Sturm. In Florida schneite es auf Palmen - das erste Mal seit fast 30 Jahren. In New York wurden Tausende Flüge gestrichen, allein in Massachussetts waren 24.000 Haushalte ohne Strom. Mehrere US-Bundesstaaten haben inzwischen den Notstand ausgerufen, viele Schulen bleiben geschlossen. Bereits seit Weihnachten sorgen Eiseskälte und anhaltender Schneefall in den USA für Chaos.

Nun warnen US-Meteorologen auch noch vor einer "Bomben-Zyklone". Die entsteht, wenn der Luftdruck im Zentrum eines Tiefdruckgebiets ungewöhnlich schnell abfällt - und zwar um mindestens 24 Millibar in nur 24 Stunden. Dadurch entwickeln sich die Tiefdruckgebiete geradezu explosiv. Es entstehen starke Winde. Das Wetterphänomen wird auch als "Wetterbombe" oder "explosive Zyklogenese" bezeichnet.

Bomben-Zyklone: Klingt beängstigend, aber mit einer Bombe hat das aktuelle Wetter wenig zu tun. Meteorologen benutzen den Begriff schon seit Jahrzehnten für Winterstürme. Doch die aktuelle Bomben-Zyklone wird nicht so explosiv werden, wie sein Name vermuten lässt.

"Nichts wird explodieren"

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"Bomben-Zyklone": Kälte-Explosion

Der Begriff Bomben-Zyklone verbreitete sich rasant nach einem Bericht in der "Washington Post" vom Dienstag. Der Hashtag #bombcyclone mache sich in den sozialen Netzwerken eben besser als Zyklogenese, sagt US-Meteorologe Ryan Maue. "Die Auswirkungen werden aber nicht im Mindesten einer Bombe entsprechen", betont er. "Es wird nichts explodieren oder detonieren."

Der Sturm dürfte sich am Donnerstag und Freitag vor allem über dem Wasser austoben, aber eisige Winde und Böen ins Land schicken. Dazu kommt die Gefahr von Blizzards, warnen Meteorologen. "Alles, was bei diesen Temperaturen herumliegt, wird durch die Gegend geblasen werden", fürchten Stadtvertreter. Für einige Küstenabschnitte wurden Sturmflutwarnungen herausgegeben. Der US-Wetterdienst warnt, die arktische Luft werde sich noch mindestens bis Ende der Woche in zwei Dritteln des Landes halten.

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Bomben-Zyklone sind nicht ungewöhnlich, meistens gebe es an der Nordostküste der USA einen pro Jahr, sagt der US-Meteorologe Jeff Masters dem Wissenschaftsmagazin "Scientific American". Im März 2017 hatte eine Bomben-Zyklone heftige Schneefälle im Nordosten der USA ausgelöst und Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Laut Masters könne der Druck im Inneren der aktuellen Bomben-Zyklone jedoch auf unter 960 Millibar sinken. "Ich kenne keinen Sturm aus den vergangenen zehn Jahren, bei dem das so war. Dieser wird also ungewöhnlich intensiv werden, und massive Auswirkungen auf die Küste mit sich bringen", sagt Masters.

In gewisser Weise sei der Sturm mit einem Hurrikan zu vergleichen. Die Struktur und die Energiequelle seien zwar verschieden, aber die Größe und die Winde ließen sich durchaus mit einem Wirbelsturm vergleichen. Er rechnet auch nach dem Sturm mit besonders tiefen Temperaturen.

Schuld an dem Sturm sei auch der Jetstream, ein Band aus Höhenwinden, das von Westen nach Osten über die mittleren Breiten zieht. Der Jetstream mache derzeit einen großen Knick, sagt Masters. Dadurch gerate sehr warme Luft auf der Ostseite nach Norden. Wenige Hundert Kilometer westlich davon werde arktische Luft nach Süden gezogen. Dadurch entstünden Luftmassen mit sehr gegensätzlichen Temperaturen - und genau an dieser Grenze entwickle sich nun die Bomben-Zyklone.

koe/dpa/AP

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