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Bonn: Klimakonferenz endet ohne Ergebnis

Die Zeit wird knapp, aber die Verhandlungen stocken: Erneut ist eine Klimaschutz-Konferenz der Vereinten Nationen ohne konkretes Ergebnis geblieben. Die Uno warnt inzwischen vor einem "globalen Desaster", sollte nicht spätestens im Dezember in Kopenhagen eine Einigung gelingen.

Bonn - Vier Monate vor dem Klimagipfel in Kopenhagen ist eine Vorbereitungskonferenz in Bonn erneut ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen. "Dieses Treffen hat uns nur wenig weiter gebracht", sagte Yvo de Boer, Chef des Uno-Klimasekretariats, am Freitag zum Abschluss der Verhandlungen.

Yvo de Boer, Chef des Uno-Klimasekretariats: Warnung vor "globaler Katastrophe" Zur Großansicht
dpa

Yvo de Boer, Chef des Uno-Klimasekretariats: Warnung vor "globaler Katastrophe"

Die Industrieländer müssten sich auf eine stärkere Reduzierung von Emissionen verpflichten, so de Boer. Sie müssten zudem deutlich machen, welche finanziellen und technologischen Mittel sie den Entwicklungsländern für nachhaltiges Wachstum und für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels zur Verfügung stellen könnten. Internationale Kooperation sei nötig, damit ärmere Länder nicht von Technik und finanziellen Mittel ausgeschlossen würden.

Seit Anfang der Woche hatten nach Uno-Angaben etwa 2400 Experten über den Verhandlungstext für die Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember beraten. Dort soll ein Nachfolge-Abkommen für die Ende 2012 auslaufende erste Phase des Kyoto-Protokolls beschlossen werden. Wegen des oft jahrlangen Ratifizierungsprozesses in den Unterzeichnerstaaten ist eine rasche Einigung nötig. Bis zum Kopenhagener Gipfel finden weitere Verhandlungsrunden in Bangkok und Barcelona statt.

Warnung vor "globalem Desaster"

Die Delegationen haben insgesamt nur noch 15 Verhandlungstage Zeit für eine Einigung, sagte de Boer."Wenn wir in dieser Geschwindigkeit weitermachen, schaffen wir es nicht." Ein Scheitern könnte nach seiner Überzeugung "den Weg zu einem globalen Desaster" bedeuten. Auch Jonathan Pershing, Leiter der US-Delegation, bezeichnete die Fortschritte als gering. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass eine Einigung erreicht werden könne.

Die Organisation Germanwatch sieht die Verhandlungen in einer kritischen Phase. Die angekündigten CO2-Reduktionsziele der Industrieländer blieben weit hinter dem zurück, was notwendig wäre. Auch habe man nicht die notwendigen Signale für Finanzzusagen an die Schwellen- und Entwicklungsländer gegeben, sagte Germanwatch-Mitarbeiter Christoph Bals. "Damit sich die Schwellenländer auf eigene ambitionierte Klimaschutzleistungen festlegen, sind die Zusagen der Industrieländer dringend notwendig."

Laut Antje von Broock, Expertin für Internationale Klimapolitik der Umweltorganisation Bund, kämen nach dem jetzigen Verhandlungsstand nur 13 bis 20 Prozent CO2-Reduktion bis 2020 zusammen. Notwendig für den weltweiten Klimaschutz seien aber 40 Prozent. Unklar ist bislang auch, welche rechtliche Form das Kopenhagen-Dokument zum Jahresende haben soll. Gegen rechtlich bindende Festlegungen sperrt sich eine Reihe von Staaten wie etwa China und Indien.

mbe/AP/AFP

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