Granitfund Forscher entdecken Kontinentgestein im Südatlantik

Sind es die Reste eines versunkenen Kontinents? Im Südatlantik haben Forscher am Meeresgrund Granitgestein entdeckt - gewöhnlich besteht der Grund aus Basalt. Nun hofft das Team auf Hinweise auf den Urkontinent Gondwana.

REUTERS

Hamburg - 1500 Kilometer östlich von Brasilien haben Forscher im Südatlantik eine überraschende Entdeckung gemacht. Sie fanden Granitgestein am Meeresgrund. Normalerweise besteht der felsige Untergrund der Ozeane aus Basalt. Das leichtere Granit bildet die Sockel der Kontinente. "Vermutlich handelt es sich bei unserem Fund um einen versunkenen Kontinent", sagt Roberto Ventura vom Geologischen Dienst in Brasilien (CPRM).

Die brasilianischen Wissenschaftler waren zusammen mit japanischen Kollegen auf dem Forschungsschiff "Yokosuka" drei Wochen im Südatlantik unterwegs. Über dem Rio-Grande-Plateau, einer ausgedehnten Untiefe, ließen sie das bemannte U-Boot "Shinkai 6500" zu Wasser. Von dem Boot aus entdeckten die Forscher den Granit, in dem die Elemente Eisen, Mangan, Kobalt, Kupfer, Nickel, Niob und Tantal gesteckt hätten.

"Was macht dieses Gestein hier?", hätten sie sich gefragt, als das Gestein auf einer Expedition vor einem Jahr erstmals an Bord ihres Schiffes gehoben worden war, sagte Ventura. Dass es tatsächlich Granit war, habe man erst nach der aktuellen zweiten Expedition geglaubt. Weitere Daten stützen nun den Befund, dass es sich um kontinentales Gestein handelt: Messungen hätten gezeigt, dass das Rio-Grande-Plateau weniger Schwerkraft besitze - ein klarer Hinweis auf Granitgestein.

Die Forscher hegen eine Theorie, was es mit dem versunkenen Land auf sich hat: Vermutlich handele es sich um den Überrest einer gigantischen Kontinentspaltung. Vor hundert Millionen Jahren riss unter vulkanischem Getöse in der Region der Urkontinent Gondwana entzwei. Beiderseits des Risses drifteten Afrika und Südamerika auseinander, den stetig größer und tiefer werdenden Bruch füllte Meerwasser - der Atlantik. Offenbar sei der Granitblock ein Relikt von Gondwana-Land, meint Ventura. Erkundungen sollen zeigen, ob das Gestein Geheimnisse von Gondwana birgt.

boj

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
westenmax 09.05.2013
1. Ganz schön tief gesunken
Wenn man bedenkt, dass das Festland unserer Kontinente spätestens seit der Mondentstehung auf dicken Sockeln aus leichtem, vielleicht uraltem Sedimentgestein schwimmt, muss das tiefe Einsinken dieses Kontinentsplitters irgendwie heißen, dass dieser wohl eine ziemlich hohe Dichte hat, bzw bedeutend weniger Dicke aufweist, als der Rest von Afrika oder Südamerika. Vielleicht eine Art überhängende Kontinent-Nase die abgebrochen ist und tief in die Ozeankruste eingesunken ist. Was das auch interessant machen könnte ist, dass dort vielleicht noch Ölvorräte liegen, die niemand vermutet hätte. Wem würden die Bodenschätze denn gehören, wenn dieses Gebiet keine "Fortsetzung des eigenen Kontinentalsockels" ist, was oft angeführt wird? Kann Brasilien das Territorium einfach für sich reklamieren, oder muss es vielleicht zwischen Brasilien und Angola geteilt werden, da dies die Länder auf Ursprungskontinente für dieses Stückchen waren?
mitbestimmender wähler 09.05.2013
2. Bombastischer Fund
Wenn die Seychellen Insel auf ähnlichem Breitegrad aus Granit bestehen ist es naheliegend das vor Brasilien Granit wenn nicht als Insel so auf Meeresgrund liegt.
artusdanielhoerfeld 09.05.2013
3. Gondwana?
Quatsch, natürlich handelt es sich um die Überreste von Atlantis!
Layer_8 09.05.2013
4. lol
Zitat von westenmaxWenn man bedenkt, dass das Festland unserer Kontinente spätestens seit der Mondentstehung auf dicken Sockeln aus leichtem, vielleicht uraltem Sedimentgestein schwimmt, muss das tiefe Einsinken dieses Kontinentsplitters irgendwie heißen, dass dieser wohl eine ziemlich hohe Dichte hat, bzw bedeutend weniger Dicke aufweist, als der Rest von Afrika oder Südamerika. Vielleicht eine Art überhängende Kontinent-Nase die abgebrochen ist und tief in die Ozeankruste eingesunken ist. Was das auch interessant machen könnte ist, dass dort vielleicht noch Ölvorräte liegen, die niemand vermutet hätte. Wem würden die Bodenschätze denn gehören, wenn dieses Gebiet keine "Fortsetzung des eigenen Kontinentalsockels" ist, was oft angeführt wird? Kann Brasilien das Territorium einfach für sich reklamieren, oder muss es vielleicht zwischen Brasilien und Angola geteilt werden, da dies die Länder auf Ursprungskontinente für dieses Stückchen waren?
Dann haben vielleicht alle Länder am Pazifikrand auch Gebietsansprüche auf dem Mond ;-)
joachim_m. 09.05.2013
5. Da haben wir wohl mal wieder auf dem Schlauch gestanden
Na ja, es wird nicht gleich ein versunkener Kontinent sein, den man da gefunden hat, und garantiert auch nicht Atlantis, wie jetzt wahrscheinlich einige Jünger der Atlantistheorie vermuten werden. Granit schwimmt zwar oben auf, aber nicht auf Wasser sondern auf anderem Gestein, weil sein spezifisches Gewicht leichter ist als das von anderen Gesteinsarten, bspw. Basalt. Und wenn die Trägerschicht absinkt, sinkt auch der Granit mit; das ist so ähnlich wie mit Eis in der Badewanne: lässt man ein Teil des Wassers abfließen, bleibt das Eis nicht auf gleicher Höhe sondern sinkt mit dem Wasserspiegel nach unten, auch wenn es nach wie vor an der Wasseroberfläche schwimmt. Und da Steine, egal woraus sie bestehen, in der Regel schwerer als Wasser sind, kommt der Granit natürlich auch unter Wasser, wenn das andere Gestein, auf dem er schwimmt, absinkt. Insoweit steht zu erwarten, dass es so etwas häufiger gibt, nur wie so oft, man muss erst auf die Idee kommen, danach gezielt zu suchen, damit man häufiger fündig wird. Außerdem ist es durchaus denkbar, dass der Granit auch von dicken Sedimentschichten im Laufe der Zeit bedeckt wird, so dass das Finden erschwert wird. Nichtsdestotrotz finde ich es schon fazinierend, dass es bei allem Wissen, dass die Menschheit heute hat, selbst auf der Erde noch vieles neues zu entdecken gibt, wobei man sich nach mancher Entdeckung nur fragen kann: Wieso ist da noch niemand auf die Idee gekommen, dass es dies auch gibt, ja geben muss und hat gezielt danach gesucht? Eigentlich lag es ja auf der Hand, dass es Granit auch auf dem Boden der großen Ozeane örtlich geben muss, nur ist keiner auf die Idee gekommen, dass dem so sein muss; die ganze Menschheit hat also sprichwörtlich auf dem Schlauch gestanden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.