Jahrhundertentdeckung Biologen finden neue Delfinart

Zum ersten Mal seit rund hundert Jahren haben Forscher eine neue Art von Süßwasserdelfinen entdeckt. Die Tiere leben in Brasilien - und haben eine höchst ungewisse Zukunft vor sich. Womöglich gibt es nur noch tausend Exemplare.

Flussdelfine in Brasilien: Hier sind Rosa Flussdelfine zu sehen, nicht die neue Art
REUTERS

Flussdelfine in Brasilien: Hier sind Rosa Flussdelfine zu sehen, nicht die neue Art


Manaus - Forscher haben im brasilianischen Amazonasbecken eine neue Flussdelfinart entdeckt. Umweltschützer sprachen von einer "sensationellen Entdeckung". Der neue Delfin (Inia araguaiensis) wurde von Forschern der staatlichen Amazonas-Universität (Ufam) in Kooperation mit dem Nationalen Amazonas-Forschungsinstitut (Inpa) im Rio Araguaia identifiziert. An den Fluss erinnert auch der Name der neuen Art, die von den Wissenschaftlern auch im Fachmagazin "PLoS One" beschrieben wurde.

Der neue Araguaia-Delfin gilt als stark gefährdet: Die Forscher gehen davon, dass die Population nicht über tausend Exemplaren liegt. Viele der Delfine leben in der Nähe eines Wasserkraftwerk-Staudammes im Bundesstaat Pará.

"Seit fast hundert Jahren wurde keine neue Süßwasserdelfinart entdeckt", sagte Roberto Maldonado, Lateinamerikareferent vom WWF Deutschland. Zwar sei bekannt gewesen, dass es in den Flüssen Araguaia und Tocantins im Osten des Amazonasbeckens Zahnwale gebe. Allerdings sei man bislang davon ausgegangen, dass es sich um Exemplare des in Südamerika stärker verbreiteten Rosa Flussdelfins (Inia geoffrensis) handelt.

Beliebter Köder bei Fischern

Diese Tiere sind allerdings auch in Gefahr, weil ihr fettreiches Fleisch von Fischern als Köder zum Fang von Welsen eingesetzt wird. Das Amazonas-Forschungsinstitut beobachtet die Tiere gezielt in einem bestimmten Flussabschnitt - und zwar seit 17 Jahren. Seit Beginn der Beobachtungen falle die Delfin-Population dort jedes Jahr um rund sieben Prozent, so das Fazit der Forscher.

Die neue Art unterscheidet sich von ihren Verwandten durch einen längeren Schädel und weniger Zähne. Die hat sich nach Schätzungen der Wissenschaftler von rund zwei Millionen Jahren von der Verwandtschaft im Amazonas abgespalten.

Flussdelfine leben im Amazonas, aber auch im Ganges, Mekong oder Jangtse. Mit Ausnahme des Indus-Delfins, der offenbar von einem Fangverbot profitiert, schrumpfen die Bestände nach Auskunft von Umweltschützern seit Jahrzehnten rapide. Immer mehr Dämme, Überfischung, Umweltverschmutzung sind Gründe dafür, dass der Baiji-Flussdelfin in China sogar als ausgestorben gilt.

chs/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
sidTW 24.01.2014
1.
Dass die Flussdelphine in China ausgestorben sein sollen, wie am Ende des Berichtes behauptet, wundert mich gar nicht. Da ist schon so manch andere Tierart zu kurz gekommen. Die Chinesen essen alles was sich bewegt und nicht nach Flugzeug schmeckt.
taglöhner 24.01.2014
2.
Zitat von sidTWDass die Flussdelphine in China ausgestorben sein sollen, wie am Ende des Berichtes behauptet, wundert mich gar nicht. Da ist schon so manch andere Tierart zu kurz gekommen. Die Chinesen essen alles was sich bewegt und nicht nach Flugzeug schmeckt.
Kann man auch weniger beleidigend ausdrücken. Und ja, auch in China gibt es viele Menschen, die sich um Artenschutz bemühen und versucht haben diese Tiere vor Ausrottung durch Gleichgültigkeit zu retten.
michaelkaloff 24.01.2014
3. Die größte Gefahr.....
für die Flussdelfine Amazoniens ist, neben den erwähnten Staudämmen, die Einleitung von Schadstoffen, insbesondere von Quecksilber für die Goldgewinnung. Die Anrainer im Verbreitungsgebiet respektieren die Tiere, im Gegensatz zu den gern gefangenen Seekühen, überwiegend. Von kleinen, ländlichen Gemeinden profitieren die Tiere eher.
ehFrank 25.01.2014
4.
Zitat von sysopREUTERSZum ersten Mal seit rund hundert Jahren haben Forscher eine neue Art von Süßwasserdelfinen entdeckt. Die Tiere leben in Brasilien - und haben eine höchst ungewisse Zukunft vor sich. Womöglich gibt es nur noch tausend Exemplare. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/brasilien-forscher-entdecken-neue-delfinart-a-945430.html
Wo bin ich hier gelandet? In Ökomenistan? Was soll der plumpe Unsinn von "nur noch tausend Exemplare"? Waren es "vorher" mehr? Selbst die kleinste Meldung wird noch mit Propaganda versetzt.
Steuerzahler0815 25.01.2014
5.
Da gibt es doch eine Menge wichtige Forschungen durchzuführen beispielsweise ob ihr Fleisch essbar ist oder was passiert wenn man diese Delfine harpuniert Ich bin mir sicher Isländer Norweger und Japaner sind bereit
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