Brasilien Regenwald-Tod lässt Malaria-Risiko steigen

Wenn Regenwälder verschwinden, hat das nicht nur dramatische Folgen für das Klima und die Artenvielfalt: Auch das Malaria-Risiko steigt deutlich, haben Forscher herausgefunden. Wo einst riesige Bäume standen, können nun gefährliche Mückenschwärme in Tümpeln heranwachsen.

Abholzung im Amazonas (Archivbild): "Ökologischer Faktor für eine Malaria-Epidemie"
DPA

Abholzung im Amazonas (Archivbild): "Ökologischer Faktor für eine Malaria-Epidemie"


Washington - Die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes hat dramatische Folgen: Der Lebensraum für zahllose Arten verschwindet, ein wichtiger Kohlenstoffspeicher obendrein. Nun haben US-Forscher herausgefunden, dass durch die Entwaldungen auch die Malaria-Gefahr steigt.

Die Studie von US-Wissenschaftlern der Universität von Wisconsin zeigt für die brasilianische Amazonas-Region einen Anstieg der Malaria-Erkrankungen um bis zu 50 Prozent. Das Ausmaß der Rodungen wurde dabei mit Satellitenfotos festgestellt und in Zusammenhang mit Malaria-Infektionen in 54 brasilianischen Gesundheitsbezirken gebracht. "Es scheint, dass Entwaldung einer der auslösenden ökologischen Faktoren für eine Malaria-Epidemie ist", sagte Sarah Olson, Co-Autorin der Studie.

Der in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "Emerging Infectious Diseases" veröffentlichten Untersuchung zufolge schafft die Urwaldrodung gute Bedingungen für eine Verbreitung der Anopheles-Mücke. Sie überträgt die Malaria-Erreger auf den Menschen. "Die entwaldete Landschaft mit offenen Flächen und teils sonnenbeschienenen Tümpeln scheint der ideale Lebensraum für die Mücke zu sein", sagte Olson. Die Zahlen sind beeindruckend: Ein Rückgang des Regenwaldes um vier Prozent hatte demnach einen Anstieg der Malaria-Infektionen um 48 Prozent zur Folge.

Die Wissenschaftler untersuchten einen Streifen des Amazonas-Gebiets in der Nähe von Peru. Die Ergebnisse der Studie legen aber nahe, dass auch in anderen Regionen abgeholzte Regenwälder zu einem Malaria-Anstieg führen könnten. Zwischen 1997 und 2006 erkrankten schätzungsweise 500.000 Brasilianer jährlich an der gefährlichen Infektionskrankheit. Die Geschwindigkeit der Regenwald-Abholzung in Brasilien schwankt. Unrühmliches Rekordjahr war 2007 als 27.000 Quadratkilometer gerodet wurden. Bis zum Jahr 2020 will Brasilien die Abholzung auf etwa 4000 Quadratkilometer im Jahr begrenzen.

chs/AFP

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