Brasilien: Richter stoppt Bau des Belo-Monte-Staudamms

Es sollte das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt werden, jetzt ist der Bau nach dem Urteil eines Richters bis auf weiteres gestoppt. Damit folgte er einer Klage eines lokalen Fischzuchtverbands. Aktivisten und Einheimische aus dem Amazonasgebiet jubeln - doch die Regierung droht mit juristischer Gegenwehr.

Aktivisten in São Paulo demonstrieren gegen den Staudamm: Umweltschäden befürchtetZur Großansicht
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Aktivisten in São Paulo demonstrieren gegen den Staudamm: Umweltschäden befürchtet

Belém - Es ist eines der prestigeträchtigsten Projekte der brasilianischen Regierung, seit Jahrzehnten versucht man es zu realisieren. Doch das juristische Tauziehen um den bereits begonnenen Bau des drittgrößten Wasserkraftwerks der Welt geht in eine neue Runde: Ein Gericht verfügte einen sofortigen Stopp der Arbeiten am Werk Belo Monte und folgte damit der Klage eines lokalen Fischzucht- und Exportverbands. Dieser sieht durch die geplante Umleitung des Flusses Xingu im Amazonasgebiet im Bundesstaat Pará die Existenz von tausend Fischerfamilien gefährdet.

Während Aktivisten und Einheimische aus dem Amazonasgebiet jubeln, kündigte die Regierung am Donnerstag Rechtsmittel gegen die Entscheidung an. Dennoch darf bis auf weiteres das Konsortium Norte Energia S.A. (Nesa) die Arbeiten nicht fortsetzen.

Richter Carlos Eduardo Castro Martins verhängte in seinem Urteil vom Mittwochabend (Ortszeit) mehrere Verbote: Dazu gehöre die Installierung von Häfen, Explosionen, den Bau von Dämmen, die Ausbaggerung von Kanälen sowie jede Arbeit, die den natürlichen Lauf des Xingu beeinträchtige und Veränderungen bei der Fischpopulation bewirken könnte. Die Ausbaggerung von Kanälen und der Dammbau könnten Schäden für die am Flussufer lebende Bevölkerung nach sich ziehen.

Hohe Strafen bei Verstößen

Allerdings dürfen Bautätigkeiten, die keine Auswirkungen auf die örtliche Fischerei haben, dem Gerichtsurteil zufolge fortgesetzt werden. Etwaige Verstöße gegen die Auflage würden mit einer Strafe von 200.000 Reais (81.000 Euro) pro Tag geahndet. Energieminister Márcio Zimmermann machte am Donnerstag klar, dass Norte Energia und die Regierung bereits die Vorkehrungen träfen, um gegen die einstweilige Verfügung zu klagen. Belo Monte wäre mit einer Leistungskapazität von 11.233 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem binationalen Itaipú-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay.

Allerdings wird mit einer weitaus geringeren Durchschnittsleistung von 4419 Megawatt gerechnet. Die Regierung in Brasília hält das Wasserkraftwerk rund 40 Kilometer von der Stadt Altamira entfernt zur Sicherung der Energieversorgung für notwendig.

Gegen das elf Milliarden Dollar (8,1 Milliarden Euro) teure Projekt laufen indianische Ureinwohner der Region und Umweltschützer seit langem Sturm. Sie fürchten dagegen, dass durch das Wasserkraftwerk zwischen 30.000 und 40.000 Menschen umgesiedelt werden müssen. Mehr als 500 Quadratkilometer Fläche müssen für die Staubecken überflutet werden. Damit würde der Bau des Damms, so die Kritiker, zur weiteren Zerstörung des Regenwaldes beitragen.

Das staatliche brasilianische Umweltinstitut (Ibama) hatte Ende Januar die Rodung von fast 240 Hektar Wald für das Projekt genehmigt. Die Behörde erlaubte dem Konsortium Norte Energia außerdem, Zugangsstraßen zu bauen, Areale für die Lagerung von Asphalt und Holz anzulegen, sowie Einebnungsarbeiten vorzunehmen.

Im April hatte die Interamerikanische Menschenrechtskommission Brasilien aufgefordert, das Bauprojekt so lange auf Eis zu legen, bis die Ureinwohner konsultiert und über die Folgen des Baus aufgeklärt worden seien. Auch die Justiz des Bundesstaates Pará war gegen das Projekt vorgegangen und hatte es als "Affront gegen Umweltgesetze" bezeichnet. Doch im Juni hatte die Regierung dem Baukonsortium die Lizenz zum Bau des Belo-Monte-Staudamms erteilt.

cib/dpa/AFP

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insgesamt 6 Beiträge
sukowsky 30.09.2011
Bischof Kräutle aus dieser Region wird sich freuen. Jahrzehntelang hat er sich mit seinen Mitstreitern für den erhalt der natürlichen Resourcen dieser Gebiete eingesetzt. Auch das Weltklima mit dem Bau dieses riesigen Staudammes [...]
Bischof Kräutle aus dieser Region wird sich freuen. Jahrzehntelang hat er sich mit seinen Mitstreitern für den erhalt der natürlichen Resourcen dieser Gebiete eingesetzt. Auch das Weltklima mit dem Bau dieses riesigen Staudammes wird stark gebeutelt. Zu hoffen ist, dass die bewundernswerten brasilianischen Richter standhaft bleiben. Wer hätte das zu wagen gehofft. Allerdings die Macht des Geldes wird weiterhin mit Lobbyarbeit korrumpierend ihr Unwesen treiben.
carahyba 30.09.2011
Seit 10 Jahren hat es unzählige Gerichtsbeschlüsse und einstweilige Verfügungen gegeben. Die Schlacht vor den Gerichten geht weiter und die Interessen sind übermächtig. Meine Sympathie gilt den Indio-Völkern, ausserdem dem [...]
Zitat von sukowskyBischof Kräutle aus dieser Region wird sich freuen. Jahrzehntelang hat er sich mit seinen Mitstreitern für den erhalt der natürlichen Resourcen dieser Gebiete eingesetzt. Auch das Weltklima mit dem Bau dieses riesigen Staudammes wird stark gebeutelt. Zu hoffen ist, dass die bewundernswerten brasilianischen Richter standhaft bleiben. Wer hätte das zu wagen gehofft. Allerdings die Macht des Geldes wird weiterhin mit Lobbyarbeit korrumpierend ihr Unwesen treiben.
Seit 10 Jahren hat es unzählige Gerichtsbeschlüsse und einstweilige Verfügungen gegeben. Die Schlacht vor den Gerichten geht weiter und die Interessen sind übermächtig. Meine Sympathie gilt den Indio-Völkern, ausserdem dem einzigartigen ökologischen Habitat am Xingu-Bogen, der dann verloren gehen würde. Dieses Habitat war einmal die Lebensgrundlage einer vorkolumbischen Kultur, die nach Schätzungen von Archäologen mehrere Hunderttausend Einwohner umfasste, aber schon Ende des 16.Jahrhunderts vollkommen erloschen war und das Gebiet Menschenleer. Die jetzigen Indio-Völker sind erst in der Folge in dieses Gebiet eingewandert, vom Alto-Xingu her.
felisconcolor 30.09.2011
Brasilien ist ja sowas von umweltfreundlich. Ich hoffe für die Bewohner das sie nicht doch eines Tages den Kürzeren ziehen werden. Und jedem Grünen der sich immer noch auf Wasserkraft versteift nem halben Meter hoch [...]
Brasilien ist ja sowas von umweltfreundlich. Ich hoffe für die Bewohner das sie nicht doch eines Tages den Kürzeren ziehen werden. Und jedem Grünen der sich immer noch auf Wasserkraft versteift nem halben Meter hoch desselbigen im Keller.
review 30.09.2011
Für den Abbau von Kohl oder Uran wurden noch nie Menschen umgesiedelt?
Zitat von felisconcolorBrasilien ist ja sowas von umweltfreundlich. Ich hoffe für die Bewohner das sie nicht doch eines Tages den Kürzeren ziehen werden. Und jedem Grünen der sich immer noch auf Wasserkraft versteift nem halben Meter hoch desselbigen im Keller.
Für den Abbau von Kohl oder Uran wurden noch nie Menschen umgesiedelt?
Juri 30.09.2011
Oder gar Landschaften und Biotope zerstört?
Zitat von reviewFür den Abbau von Kohl oder Uran wurden noch nie Menschen umgesiedelt?
Oder gar Landschaften und Biotope zerstört?
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  • Freitag, 30.09.2011 – 09:52 Uhr
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Geplantes Wasserkraftwerk

Fläche: 8.514.877 km²

Bevölkerung: 196,526 Mio.

Hauptstadt: Brasília

Staats- und Regierungschefin: Dilma Rousseff

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