Bremen: Behörde lehnt Affenversuche erneut ab

Die umstrittenen Experimente an Affen in Bremen dürfen nicht fortgesetzt werden - das hat das Gesundheitsressort der Stadt beschlossen. Die Universität will die Entscheidung anfechten und notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Bremen - Im Streit um die Fortsetzung von Affenversuchen hat das Bremer Gesundheitsressort der Universität Bremen am Mittwoch erneut eine Absage erteilt. Das Institut für Hirnforschung hatte gegen den ersten Stopp der Experimente Widerspruch eingelegt, der 2008 von der SPD-geführten Behörde verfügt worden war.

Mit den teils Stunden dauernden Experimenten an den Makaken wollen die Wissenschaftler Funktionen des Gehirns erforschen. Die Grundlagenforschung soll der Heilung schwerer Gehirnschäden dienen. Für diese Tierversuche gebe es gegenwärtig keine Alternativen, betonte das Institut. Nach Meinung von Tierschützern sind die Versuche Quälerei.

Die Belastung der Makaken sei durch den zu erwartenden Nutzen ethisch nicht gerechtfertigt, teilte nun das Gesundheitsressort des Bremer Senats mit. Gegen den Bescheid will die Universität beim Verwaltungsgericht klagen. Sie betonte, notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen zu wollen.

Der Hirnforscher Andreas Kreiter experimentiert seit 1997 mit den Primaten. Bisher wurde alle drei Jahre die Erlaubnis dafür verlängert. Die Bremer Gesundheitsbehörde wies jedoch im Herbst 2008 den Antrag der Uni auf eine weitere Verlängerung aus ethischen Gründen zurück.

Die Tierversuche müssen nach einer früheren Entscheidung des Verwaltungsgerichts zwei Monate nach der Ablehnung des Widerspruchs enden. Die Forscher wollen aber eine einstweilige Anordnung beantragen, um ihre Arbeit bis zu einer endgültigen juristischen Klärung fortsetzen zu können.

Das Verwaltungsgericht hatte im Dezember erklärt, schwierige und bislang nicht abschließend geklärte Rechtsfragen müssten noch beantwortet werden. Bei dem Streit geht es um die Frage, welches Recht Vorrang hat - das Grundrecht auf Forschungsfreiheit oder der verfassungsrechtlich verbürgte Tierschutz.

lub/dpa

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1. So nicht!
der_durden 12.08.2009
Zitat von sysopDie umstrittenen Experimente an Affen in Bremen dürfen nicht fortgesetzt werden - das hat das Gesundheitsressort der Stadt beschlossen. Die Universität will die Entscheidung anfechten und notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,642093,00.html
Andreas Kreiter: "Die Makaken einschläfern zu müssen wäre eine Katastrophe." Für wen? Für die Makaken mit Sicherheit nicht! Nein, ich stelle das Tier nicht über den Mensch. Aber ich stelle den Menschen auch nicht in allen Fragen über das Tier. Versuche mit Affen, deren Gehirn offen liegt und schlimmeres gehören in jeder aufgeklärten Gesellschaft verurteilt. Wenn man ohne diese Versuche in der Grundlagenforschung nicht weiter kommt, dann muss man eben erst nach neuen Möglichkeiten forschen, so einfach ist das!
2. Der Mensch ist der Teufel.....
Dr. Baums Zimmer 12.08.2009
Der Mensch als religiöses Wesen richtet seinen Blick gen Himmel, um den Ratschluss seines Herrn, des Gottes, zu erwarten... Sein Plan, so der in den Weltreligionen vertretene allgemeine Glaube, ziele auf die Schaffung des Guten ab und dies mittels Seiner Güte und Gnade. Stelle man sich bitte vor, das Tier, nach der biblischen Überlieferung in die Obhut des Menschen gegeben- Genesis, Untertanmachen der Erde- könnte gedanklich erfassen, was sein Herr- der Mensch = sein Gott- mit ihm so Alles anstellt. Nur ein Schluss wäre für das Tier danach richtig: Der Mensch ist der Teufel und bringt die Hölle. Ich bitte dies alle Christen einmal zu überdenken, zu prüfen, wie dies mit dem Auftrag von Gott an den Menschen als Herr der Erde und der darin enthaltenen Pflicht zum rechten Gebrauch der Verantwortung übereinstimmt, dann, sich zu fragen, welches Prinzip man weiter zu unterstützen gedenkt. Den Wisenschaftler, welche ihre Forschung unbedingt über das Leid des Tieres stellen und sogar vor Gericht ziehen wollen, um das vielleicht nicht einmal notwendige Experiment doch durchführen zu können, sollten Christen, die bei klarem Verstand sind, jegliche Untestützung entziehen.
3. dieser Art forscher ist das Gefühl total abhanden gekommen
mainstream02 12.08.2009
früher haben gewissenhafte Forscher immer erst Selbstversuche gemacht, bevor sie was an anderen ausprobiert haben. Das sollte doch hier und heute auch so gemacht werden.
4. Skrupelos!
Mülheimer 12.08.2009
Zitat von sysopDie umstrittenen Experimente an Affen in Bremen dürfen nicht fortgesetzt werden - das hat das Gesundheitsressort der Stadt beschlossen. Die Universität will die Entscheidung anfechten und notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,642093,00.html
Forscher haben kein Gewissen. Sie quälen jahrelang Tiere, die sich nicht wehren können für irgendwelche fragwürdigen Studien ohne ein Zeichen von Schuld oder Scham. Diese Leute stehen in der Tradition von Josef Mengele. Eine Schande das so etwas in unserem eigentlich zivilisierten Land möglich ist.
5. adsf
problematix 12.08.2009
Zitat von sysopDie umstrittenen Experimente an Affen in Bremen dürfen nicht fortgesetzt werden - das hat das Gesundheitsressort der Stadt beschlossen. Die Universität will die Entscheidung anfechten und notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,642093,00.html
nüchtern betrachtet ist es ja fast nichts anderes als was die Nazis in KZs mit Menschen angestellt haben, nur mit "besserer" wissenschaftlicher Basis. Wenn se damit leben können... Man fragt sich allerdings vieleicht welche Erkenntnisse man nicht a) mit anderen(teureren) Methoden herauskriegen könnte (sind elekroden im Hirn nötig?) und b) warum kurzfristige Erkenntnisse/Entwicklungen (schnell einschläfern und dann sezieren) nicht auch anders getestet werden könnten, wenn sich Effekte derart schnell einstellen.
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