Artenschutz: Das Comeback der Kaimane

Von "National Geographic"-Autor Roff Smith

Vor 30 Jahren stand der Brillenkaiman wegen des lukrativen Marktes für Krokodilleder kurz vor der Ausrottung. Heute stehen die Tiere unter Schutz. Ein Erfolg in Bildern.

Wenn man sie sieht, erinnern sie an winzige Samenkörner. Doch sobald es dunkel wird über der entlegenen Lagune im Landesinnern von Brasilien, verschwinden die kleinen Punkte nach und nach im trüben Gewässer. Und die verschwörerische Stille über dem weitläufigen Feuchtgebiet verwandelt sich in einen quäkenden Chor.

Die winzigen Punkte sind die wachsamen Augen junger Brillenkaimane, einer Alligator-Art. Die Tiere sind gerade mal zwei Wochen alt und etwa so lang wie ein Bleistift. Am Tag verbergen sie sich in den Binsen vor Reihern und Störchen, die auf der Suche nach einem schnellen Imbiss hinunterschießen. Am Abend huschen sie davon und jagen Insekten und Schnecken. Wenn sie größer werden, wagen sie sich auch an größere Beute. Sind die Bedingungen günstig, erreichen sie nach acht bis 15 Jahren eine Länge von zweieinhalb Metern. Sie sind dann so stark, dass sie eines der vielen Wasserschweine überwältigen können - mit mehr als einem Meter Länge das größte Nagetier der Welt.

Aber dafür müssen sie erst noch wachsen. Im Moment befinden sich die Brillenkaimane am unteren Ende der Hackordnung. Und bemühen sich vor allem, unsichtbar zu bleiben.

In der Lagune lauern Hunderte, vielleicht Tausende frisch geschlüpfte Kaimane. Und im Pantanal gibt es viele Lagunen. Dieses riesige, mit Blüten übersäte Feuchtgebiet am Rio Paraguay im Südwesten Brasiliens ist nicht nur Heimat der vermutlich größten Panzerechsenpopulation der Welt, sondern auch Schauplatz einer erstaunlichen Erfolgsgeschichte des Naturschutzes.

Auch das brasilianische Feuchtgebiet ist bedroht

Vor 30 Jahren stand der Brillenkaiman wegen des lukrativen Marktes für Krokodilleder kurz vor der Ausrottung. "Niemand weiß genau, wie viele Brillenkaimane getötet wurden. Vermutlich mehrere Millionen", sagt der Biologe Cleber Alho von der brasilianischen Universität Anhanguera-Uniderp in Mato Grosso do Sul. In den achtziger Jahren, als die Wilderei am schlimmsten war, machte er viele seiner Feldforschungen im Pantanal.

Während der Trockenzeit fielen bewaffnete Banden ein und töteten unzählige Brillenkaimane, die sich an den kleiner werdenden Wasserlöchern drängten. "Sie häuteten die Tiere noch an Ort und Stelle und überließen die Kadaver den Geiern", erzählt Alho. "Immer wieder stieß ich an den Ufern auf Berge verwesender Brillenkaimane." Doch dann ging die brasilianische Regierung entschlossen gegen die Wilderei vor. 1992 wurde der Handel mit Wildkrokodilhäuten weltweit verboten. Diese Maßnahme reduzierte die Bedrohung für den geschrumpften Bestand. Und die Kaimane konnten sich wieder erholen. Heute leben in den Lagunen des Pantanal schätzungsweise zehn Millionen Brillenkaimane.

Doch noch ist die Art nicht in Sicherheit: "Der gesunde Bestand im Pantanal lenkt von den Problemen andernorts in Südamerika ab. Dort wird weiterhin gewildert, und die Populationen schrumpfen", sagt Alho. Auch das brasilianische Feuchtgebiet ist bedroht - durch Abholzung, Staudämme, Tourismus, Berg- und Hafenbau. Bald aber, hofft Alho, sind die Brillenkaimane wieder die Könige des Pantanal.

Gekürzte Fassung aus "National Geographic Deutschland", Ausgabe Juli 2013, www.nationalgeographic.de


Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter nationalgeographic.de/kaimane

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insgesamt 4 Beiträge
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1. sympathisch
shatreng 23.06.2013
Zitat von sysopVor 30 Jahren stand der Brillenkaiman wegen des lukrativen Marktes für Krokodilleder kurz vor der Ausrottung. Heute stehen die Tiere unter Schutz. Ein Erfolg in Bildern. Brillenkaimane steht heute unter Schutz: Ein Erfolg in Bildern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/brillenkaimane-steht-heute-unter-schutz-ein-erfolg-in-bildern-a-906976.html)
Ich weiß zwar nicht genau warum, aber irgendwie sind mir diese Tiere sehr sympathisch - wie sie da so im Wasser hängen und vor sich hintreiben =)
2. Die einzig vernünftige Lösung
Olaf53 23.06.2013
Nur so funktioniert das. Einmal ein abgegrenzetes Areal, das sich leicht überwachen lässt. Hier also der Pantanal. Dann ein weltweites Handelsverbot. Gute Frage: wozu braucht der Mensch echtes Krokodilleder? Es gibt ja Imitate aus Kunststoff, die auch schön aussehen. So kaufte ich einmal in Singapore einen Gürtel aus vermeintlichem "Krokodilleder". Ich weiß heute noch nicht, ob die Haut wirklich von einem Krokodil stammt. Es sieht nur so aus, und gerade Asiaten sind gut in der Nachahmung.
3. ZITAT: wozu braucht der Mensch echtes Krokodilleder?
wohlmein 23.06.2013
Zitat von Olaf53Nur so funktioniert das. Einmal ein abgegrenzetes Areal, das sich leicht überwachen lässt. Hier also der Pantanal. Dann ein weltweites Handelsverbot. Gute Frage: wozu braucht der Mensch echtes Krokodilleder? Es gibt ja Imitate aus Kunststoff, die auch schön aussehen. So kaufte ich einmal in Singapore einen Gürtel aus vermeintlichem "Krokodilleder". Ich weiß heute noch nicht, ob die Haut wirklich von einem Krokodil stammt. Es sieht nur so aus, und gerade Asiaten sind gut in der Nachahmung.
*Na, zum Angeben halt !* "Der Handtasche meiner Frau hab ich auch die Zähne gezogen", sagte der Zahnarzt...
4. Sehr schön!
caiman 24.06.2013
Zitat von sysopVor 30 Jahren stand der Brillenkaiman wegen des lukrativen Marktes für Krokodilleder kurz vor der Ausrottung. Heute stehen die Tiere unter Schutz. Ein Erfolg in Bildern. Brillenkaimane steht heute unter Schutz: Ein Erfolg in Bildern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/brillenkaimane-steht-heute-unter-schutz-ein-erfolg-in-bildern-a-906976.html)
Hasta la victoria siempre, Kumpels! ;-)
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