Feuer und Fluten: Buch aus 16. Jahrhundert zeigt Endzeitphantasien

Von Isabell Prophet

Feuersbrunst, Flut und Himmelskrieger: Das "Wunderzeichenbuch" aus dem 16. Jahrhundert zeigt Szenen des Weltuntergangs. Es war jahrhundertelang verschollen und ist erst kürzlich wieder aufgetaucht. Jetzt wurde es als Druck herausgegeben. Seine Geschichte gibt Rätsel auf.

Die Sonne verfinstert sich, ein Sturm zerreißt das Land, Feuer, Steine und Blut regnen aus schwarzem Himmel, Erdbeben verschlucken Dörfer und Städte: Der Mensch ist kreativ, wenn er an das Ende der Welt denkt. Und das früher noch mehr als heute: Das Augsburger "Book of Miracles" (deutscher Titel: "Wunderzeichenbuch") zeigt, wie sich die Menschen von der Antike bis zur Renaissance das Ende aller Dinge vorstellten. In der Regel: furchterregend. Nur wenige positive Himmelserscheinungen stehen dazwischen.

"Das Buch hat etwas Seltsames an sich", sagt der Kunsthistoriker Joshua P. Waterman. Geschaffen wurde es 1552, vermutet er. Darauf deuten die Datierungen verschiedener Zeichnungen hin, außerdem häufig erwähnte Künstler wie Hans Burgkmair der Ältere.

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Hagel in Dordrecht (Originaltext aus dem Buch der Wunder): 1552 nach Christus, am 17. Mai, ist ein solch grausames Unwetter mit Hagel zu Dordrecht in Holland niedergegangen, dass die Leute gedacht haben, es käme der jüngste Tag. Und es hat etwa eine halbe Stunde gedauert. Etliche der Steine haben ihre schweren Pfund und 8 Lot. Und wo sie herabgefallen sind, haben sie grausam übel gestunken.

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Das Monster aus der bodenlosen Grube: Und wenn ihnen jemand Schaden tun will, so kommt Feuer aus ihrem Mund und verzehrt ihre Feinde; und wenn ihnen jemand Schaden tun will, so muss er getötet werden. Diese haben Macht, den Himmel zu verschließen, damit es nicht regne in den Tagen ihrer Weissagung, und sie haben Macht über die Wasser, sie in Blut zu verwandeln und die Erde zu schlagen mit Plagen aller Art, sooft sie wollen. Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, so wird das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, mit ihnen kämpfen und wird sie überwinden und wird sie töten. Und ihre Leichname werden liegen auf dem Marktplatz der großen Stadt.

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Himmlischer Reiter über Böhmen: Im 1533. Jahr, im Oktober, hat man in Böhmen und dem Vogtland, auch im Ascher Ländchen fliegende Drachen gesehen, auf dem Kopf eine Krone, ein Rüssel wie ein Schwein, und auch zwei Flügel. Es dauerte dann etliche Tage an, dass jeden Tag von ihnen mehr als vierhundert miteinander geflogen sind, sowohl große als auch kleine, wie hier gemalt ist.

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Himmlischer Schwertkämpfer, Himmelsburg und Kriegsheer über Straßburg: Im 1531. Jahr ist bei Straßburg und in anderen Gegenden ein blutiges Luftbild mit einem Schwert in seiner Hand gesehen worden, zudem eine feurige Burg und gegenüber ein berittener Heereszug, wie hier gemalt ist etc.

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Komet: Im 1506. Jahr erschien etliche Nächte ein Komet und wandte den Schweif Richtung Spanien. In diesem Jahr wuchsten viele Früchte und wurden von den Raupen oder Ratten völlig zunichte gemacht. Danach folgte im achten und neunten Jahr hierzulande und in Italien ein so gewaltiges und großes Erdbeben, dass zu Konstantinopel sehr viele Gebäude und Leute zu Grunde gingen.

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Goldene Kugel: Im Land der Römer hat man 73 Jahre vor Christi Geburt eine golden Kugel am Himmel gesehen, die dann auf die Erde herabgekommen und herumgerollt und wieder hinauf in die Luft geflogen ist, in Richtung des Aufgang der Sonne, sodass sie mit ihrer Größe die Sonne verdeckt hat. Danach folgte der große Römerkrieg.

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Das Meerungeheuer und die Bestie mit zwei Hörnern wie ein Lamm: Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht. Und ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet, und seine tödliche Wunde wurde heil. Und die ganze Erde wunderte sich über das Tier, und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier gleich und wer kann mit ihm kämpfen?

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Brennende Fackel: Im 1009. Jahr nach der Geburt Christi wurde die Sonne verfinstert und der Mond ganz blutig gesehen und es geschah ein großes Erdbeben und es fiel eine brennende Fackel wie eine Säule oder ein Turm mit lautem Lärm und Getöse vom Himmel. Darauf folgte ein großes Sterben und eine Teuerung in Deutschland und Italien. Es starben mehr Leute, als am Leben blieben.

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Tibermonster: 1496 nach Christi Geburt, im Monat Januar, zu der Zeit, als der Tiber hoch und weit bei Rom über die Ufer getreten ist: welch Wundertier zeigte sich tot aufgefunden dort, wo das Wüten und die Kraft des Wassers des Tiber nachgelassen hatte, und ist in dieser Gestalt und Form gewesen, wie es da gemalt ist.

Derartig wertvolle Bücher habe es damals vor allem zu religiösen Themen gegeben, oder für Familien und ihre Wappen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Till-Holger Bochert hat Waterman das Faksimile herausgegeben und kommentiert. Auf 167 Seiten zeigt das Augsburger "Wunderzeichenbuch" Illustrationen dieser Ängste. Im Begleitband erzählen die Autoren die Geschichte der Wunderzeichnungen.

Und in dieser Geschichte, weiß Waterman zu berichten, gibt es noch einige Fragezeichen. Das Buch tauchte 2008 auf, das Münchner Auktionshaus Ruef verkaufte es nach London. Schlussendlich kaufte es ein amerikanischer Sammler.

Wer es einst in Auftrag gab, wer es dann malte und wo es zwischendurch war, das sind die Unbekannten in dieser Geschichte. Das Auktionshaus hält sich bislang bedeckt, und so endet die Spur des Buches in München.

Blitzeinschläge, Kometen und das Unbekannte an sich galten als Strafe Gottes, oder als Omen für schlimmeres Urteil. Schon das alte Testament lehrt dies, angefangen bei der Sintflut, später das Erdbeben bei der Kreuzigung Jesu. Die Sonne wird in Finsternis verwandelt, der Mond in Blut, so kündigt es die Bibel an. Hungersnöte, Seuchen, Heuschreckenplagen, und die Sterne fallen vom Himmel. Viele dieser Zeichnungen wurden als Flugblätter verteilt. Und viele Phänomene soll es tatsächlich gegeben haben, sagt Waterman. Das zehnköpfige Monster mit Hörnern und Krone aber wohl eher nicht.

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insgesamt 59 Beiträge
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1.
neu_ab 16.02.2014
Zitat von sysopFeuersbrunst, Flut und Himmelskrieger: Das "Wunderzeichenbuch" aus dem 16. Jahrhundert zeigt Szenen des Weltuntergangs.
Wird das jetzt die neue Bibel aller Erderwärmungsfürchtigen?
2. Tut es wirklich Not
yggdra 16.02.2014
in einem auf Deutsch geschriebenen Artikel für ein deutsches Magazin ein in Deutschland auf Deutsch geschriebenes altes Buch als "book of miracles" zu bezeichnen?
3. Stern?
IchbinDu 16.02.2014
Zitat von sysopJetzt wurde es als Druck herausgegeben.
Hat´s der STERN veröffentlicht - wie damals die "Tagebücher" eines gewissen Herrn?
4. @neu_ab
Darknessfalls 16.02.2014
Ein klares Nein, aber man wird den Briten und ihrer Inseln verlustig gegangenen Maledivenbewohnern sagen können: abgesoffen? Alles verloren? Regt euch nicht auf, macht nicht so viel Wind - das ist doch alles schon mal dagewesen. Guckt nur, hier, in diesem uralten Schmöker... also, Klappe halten und untergehen!
5. Fälschung ?
Ishibashi 16.02.2014
Bei einem Buch von Galileo Galilei hat es Jahre gedauert bis fetgestellt wurde, dass es sich um eine Fälschung handelt. Bei so einem so ungewöhnlichen Fund würde ich erst mal auch von einer Fälschung ausgehen bis eindeutig das Gegenteil bewiesen ist.
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