Verräterisches Isotop: Atomtest-Spuren sollen gegen Wilderer helfen

Ein neues Verfahren könnte beim Kampf gegen die Wilderei von Elefanten helfen. Es erleichtert die Altersbestimmung von Elfenbein - und setzt auf ein Kohlenstoff-Isotop, das im 20. Jahrhundert durch oberirdische Atomtests entstand.

Wilderei: Isotopen-Analyse gegen Elfenbeinschmuggler Fotos
AP

Die umstrittenen oberirdischen Atomwaffentests in den vierziger bis sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts könnten einen verblüffenden Langzeiteffekt haben: die Möglichkeit, Wilderei besser aufzudecken. Wissenschaftler haben in einer Studie belegt, wie sich so zum Beispiel das Alter von Elfenbein genau bestimmen lässt, berichten sie im Fachmagazin "Proceedings of the National Acadamy of Sciences".

Die Methode basiert auf der Radiokarbondatierung, die unter anderem auch in der Archäologie genutzt wird. Sie basiert auf dem Zerfall des radioaktiven Kohlenstoff-Isotops C14. Es entsteht in der Atmosphäre und wird später von allen Lebewesen auf der Erde aufgenommen - entweder über die Luft oder über die Nahrungskette. Die oberirdischen Atomwaffentests haben die C14-Werte in der Atmosphäre heftig nach oben schnellen lassen, ab den sechziger Jahren fielen sie wieder ab. Im Ergebnis weisen Lebewesen aus den Jahren nach 1950 einen charakteristisch höheren C14-Wert auf.

Diesen Effekt machen sich die Wissenschaftler zunutze. Ganz neu ist die Idee nicht - zuletzt wurde das Prinzip sogar für die Hirnforschung eingesetzt. In der aktuellen Studie geht es um Materialproben von Pflanzenfressern aus den Jahren 1955 bis 2008. Das genaue Alter der untersuchten Proben war vorher bereits bekannt. Nun gelang es den Forschern, die Proben mit ihrer Methode recht exakt zu datieren - mit Abweichungen von maximal 14 Monaten. Nur wenn ein Tier erst jüngst starb, wurde es schwieriger. Hier ist die Methode ungenauer - und die möglichen Todesdaten liegen zum Beispiel zwischen 2010 und 2013.

Die Forscher schlagen vor, bei der Beschlagnahmung von Elfenbein künftig auch auf diese Form der Radiokohlenstoffdatierung mit Hilfe einer speziellen Massenspektrometrie zurückzugreifen. Dafür reiche eine minimale Probenmenge. In Kombination mit DNA-Analysen könne dann auch noch bestimmt werden, ob es sich um einen afrikanischen oder asiatischen Elefanten handelt. Wenn das Todesdatum eines Elefanten genau eingegrenzt werden könne, lasse sich auch sehen, ob der Handel mit Elfenbein zu diesem Zeitpunkt bereits verboten war, argumentieren sie.

Effekt in 15 Jahren nicht mehr messbar

"Zur Zeit werden jedes Jahr rund 30.000 Elefanten nur wegen ihrer Stoßzähne abgeschlachtet", sagt Kevin Uno von der Columbia University, der Erstautor der Studie. "Wir müssen das internationale Handelsverbot dringend besser durchsetzen und die Nachfrage reduzieren." Die Uno warnte im März, dass Afrikas Elefanten die Ausrottung durch Wilderei droht.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) regelt, dass Handel mit Elfenbein ab 1989 in der Regel verboten ist. Nach ersten Erfolgen steigt die Zahl der gewilderten Elefanten seit einigen Jahren wieder. Ende Mai prangerte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die zunehmende Wilderei an - vor allem in Zentralafrika. Rebellengruppen töteten dort Elefanten, um das Elfenbein gegen Waffen und Geld zu tauschen. Der illegale Handel mit Naturprodukten ist längst zum Milliardengeschäft geworden.

Die Cites-Artenschutzkonferenz einigte sich im März 2013 angesichts der rasant steigenden Wilderei darauf, Wildtierkriminalität künftig nicht mehr nur als Vergehen, sondern als Straftat einzustufen.

Die Forscher sehen in ihrer Methode eine neue Waffe gegen Wilderei. Dabei geht es nicht nur um Elefanten. Untersucht werden könnten auch Proben von Flusspferden, Nashörnern und anderen Wildtieren. Allerdings hat die Methode eine zeitliche Grenze: In rund 15 Jahren werden die C14-Werte wahrscheinlich wieder auf dem Level liegen, der vor den Atomversuchen herrschte. Dann gibt es keinen messbaren C14-Effekt der Atombomben mehr.

chs/dpa

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