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Reptilien mit Knochenkamm: Forscher entdecken neue Flugsaurierart

Flugsaurier: Ausgewachsene Exemplare präsentierten einen auffälligen Knochenkamm Zur Großansicht
DPA/ UFRJ/ Museu Nacional

Flugsaurier: Ausgewachsene Exemplare präsentierten einen auffälligen Knochenkamm

Sie trugen auffällige Knochenkämme auf dem Schädel und lebten wahrscheinlich in größeren Gemeinschaften. In Südbrasilien haben Forscher zahlreiche Exemplare einer bisher unbekannten Flugsaurierart entdeckt.

In einem Vorort von Cruzeiro do Oeste im südbrasilianischen Bundesstaat Paraná haben Forscher Hunderte versteinerte Knochen entdeckt. Aus ihnen setzten sie 47 Exemplare einer bisher unbekannten Flugsaurierart zusammengesetzt. Unter den Funden seien vor allem Jungtiere, berichten die Forscher im Fachmagazin "Plos One". Wahrscheinlich ließen sich aus den Skelettteilen noch weitere Exemplare zusammenbasteln.

Die neu entdeckte Art gehört zu den Flugsauriern oder Pterosauriern, von denen bereits zahlreiche Arten bekannt sind. Die Reptilien lebten über einen Zeitraum von 170 Millionen Jahren. Einige Arten erreichten enorme Größen - darunter der bereits 1971 entdeckte Quetzalcoatlus, der es auf eine Flügelspannweite von schätzungsweise zwölf Metern brachte. Andere Arten waren so klein wie Tauben.

Kopfschmuck für jedes Alter

Caiuajara dobruskii, die nun von Paulo Manzig von der Universidade do Contestado und Kollegen entdeckte Art, liegt da im Mittelfeld. Die Flügelspanne der kleinsten Tiere lag bei 65 Zentimetern, die größten Tiere konnten ihre Flügel auf 2,35 Meter aufspannen. Wie viele ihrer Verwandten trugen die Saurier, die in der Kreidezeit lebten, einen auffälligen Knochenkamm auf dem Schädel.

Die Größe des Kamms veränderte sich mit dem Alter. Bei Jungtieren war er noch klein und lag näher am Kopf, die adulten Tiere trugen wesentlich größere Kämme, die in einem Winkel von bis zu 90 Grad steil aufgerichtet waren.

Schneller als die Kämme entwickelten sich die Flügel: Schon die ganz kleinen waren offenbar in der Lage zu fliegen; ihre Skelette unterschieden sich kaum von denjenigen der älteren Tiere. Vermutlich seien die Tiere Nestflüchter gewesen, berichten die Forscher. Einige anatomische Merkmale von Caiuajara dobruskii deuten darauf hin, dass die Art zur zahnlosen Gattung der Tapejaridae gehört.

Leben in Kolonien

Manzig und Kollegen gehen davon aus, dass die Pterosaurier an einer Oase inmitten einer Wüstenlandschaft gelebt haben. Nach ihrem Tod seien die Überreste an den Grund eines Sees dort gespült worden, wo sie von Sediment überlagert wurden und versteinerten. Woran sie starben, wissen die Forscher nicht.

Denkbar seien unter anderem Sandstürme oder Dürren. Dass die Tiere in mehreren Ablagerungsschichten zu finden waren, lässt die Forscher vermuten, dass nicht alle auf einen Schlag starben. Vermutlich lebten die Pterosaurier für längere Zeit in der Region oder kamen regelmäßig auf Wanderungen an diesen Ort.

Die meisten bisher entdeckten Flugsaurierarten sind nur durch ein einziges komplett erhaltenes Exemplar bekannt. Dass in diesem Fall 47 Tiere auf einem Haufen gefunden wurden, ist ungewöhnlich. Die Forscher schließen daraus, dass die Tiere in großen Kolonien lebten.

Brasilien ist bekannt für seine Vorkommen an Flugsaurierknochen, allerdings stammen die meisten aus dem nordöstlichen Teil des Landes. Der aktuelle Fund sei der derzeit südlichste Fund von Pterosauriern überhaupt.

anf/dpa/AFP

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1. Sie waren auch die ersten, die festlegten, dass eine Siedlung
haltetdendieb 14.08.2014
nicht mehr als 6.000 Mitglieder haben darf, weil sonst die Kommunikation und das Gemeinschaftsleben leidet.
2.
taglöhner 14.08.2014
Aerodynamisch sind die Dinger auf den ersten Blick ziemlich Panne. Selbst durch sexuelle Selektion entstehende Bildungen solcher Größe sind bei heutigen Fliegern sämtlich ganz hinten angeordnet und einfaltbar.
3. extrem extravagant
cassandros 14.08.2014
Zitat von taglöhnerAerodynamisch sind die Dinger auf den ersten Blick ziemlich Panne. Selbst durch sexuelle Selektion entstehende Bildungen solcher Größe sind bei heutigen Fliegern sämtlich ganz hinten angeordnet und einfaltbar.
och ja, nun ... wenn ich diese Flugsaurier mit diesen modernen Vögeln - http://www.tierchenwelt.de/rackenvoegel/840-nashornvogel.html - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Malayan_black_hornbill_%28Anthracoceros_malayanus%29_-London_Zoo.jpg vergleiche, sieht das nicht mehr so arg extrem aus.
4.
reuanmuc 16.08.2014
Zitat von taglöhnerAerodynamisch sind die Dinger auf den ersten Blick ziemlich Panne. Selbst durch sexuelle Selektion entstehende Bildungen solcher Größe sind bei heutigen Fliegern sämtlich ganz hinten angeordnet und einfaltbar.
Das waren bestimmt die Vorgänger der brasilianischen Karnevalskostüme! Die Natur ist sehr phantasievoll bis schrill und pfeift auf Zweckmäßigkeit. Hauptsache den Damen oder Herren gefällt's, je nachdem. Sind da nicht gewisse Parallelen zur heutigen Modewelt? Mal ehrlich, lieber schrille Mode zum Anschauen als abgeschlagene Köpfe. Hätten wir noch Säbelzahntiger, dann könnten die jungen Männer daran ihren Mut beweisen, wenn sie Langeweile oder zuviel Testosteron haben.
5.
taglöhner 16.08.2014
Zitat von reuanmucDas waren bestimmt die Vorgänger der brasilianischen Karnevalskostüme! Die Natur ist sehr phantasievoll bis schrill und pfeift auf Zweckmäßigkeit. Hauptsache den Damen oder Herren gefällt's, je nachdem. Sind da nicht gewisse Parallelen zur heutigen Modewelt? Mal ehrlich, lieber schrille Mode zum Anschauen als abgeschlagene Köpfe. Hätten wir noch Säbelzahntiger, dann könnten die jungen Männer daran ihren Mut beweisen, wenn sie Langeweile oder zuviel Testosteron haben.
Pfeift auf Zweckmäßigkeit ist etwas übers Ziel hinausgeschossen. Eine mechanisch eher ungünstige Bildung ist ja zweckmäßig, wenn sie beim anderen Geschlecht, den Damen in der Regel, Eindruck macht. Wie weit die Phantasie ausgelebt werden kann, begrenzen dann andere Faktoren, die davon nicht über ein gewisses Maß hinaus beeinträchtigt sein dürfen, um überhaupt am Leben zu bleiben, mobil zu sein etc. Sind die Saurier in dem Merkmal sexualdimorph, ist der Fall klar.
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