Neu entdeckter Krake Huhu, Casper!

Acht Arme, Knopfaugen - und eine ziemlich geisterhafte Erscheinung: Meeresbiologen haben vor Hawaii einen Kraken gefunden, den sie für den Angehörigen einer bisher unbekannten Art halten.

NOAA

Wenn man heute Casper sagt, dann dürften die meisten jüngeren Menschen an den Indierock-Rapper aus Ostwestfalen denken. Doch der hat seinen Namen ja auch nur geborgt - und zwar von einem kleinen freundlichen Geist. Der ist zunächst vor allem in den USA bekannt geworden, durch Comics und Cartoons, ab Mitte der Neunziger dann weltweit als Film. Nun muss das kleine Gespenst wieder einmal als Namenspatron herhalten - für einen Kraken.

Über den berichten Wissenschaftler der US-Behörde für Wetter und Ozeanografie (NOAA) in einem Blogbeitrag zur aktuellen Fahrt ihres Forschungsschiffs "Okeanos Explorer". Das umgebaute Marineschiff ist derzeit in den Gewässern vor Hawaii unterwegs. Und in der Nähe der unbewohnten Vulkaninsel Necker Island machten die Forscher Ende Februar einen ungewöhnlichen Fund. Dabei half ihnen das unbemannte und ferngesteuerte Forschungs-U-Boot "Deep Discoverer".

Eigentlich ging es um eine geowissenschaftliche Frage: Hängen die Insel und ein gleichnamiger unterseeischer Rücken unter Wasser zusammen? Das wäre vor allem deswegen interessant, weil sich dieser sogenannte Necker Ridge auch in Meeresgegenden hinausschiebt, die sich derzeit außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone der USA befinden. Wenn das Land eines Tages das Uno-Seerechtsübereinkommen unterzeichnet, könnte das vielleicht interessant für Gebietsforderungen sein.

Fotostrecke

32  Bilder
Census of Marine Life: Inventur in den Tiefen der Meere
Um Antworten zu finden, wollten die Wissenschaftler auch Materialproben sammeln. Also ließen sie ihren Forschungsroboter über ein flaches Felsplateau am Ozeangrund schweben - und entdeckten dort, in 4290 Metern Tiefe, das weiße, beinahe geisterhafte Tier, das sie später Casper tauften. Einigermaßen unbeteiligt saß das Tier da, vermutlich geblendet von den hellen Scheinwerfern des Roboters.

Publikation in Vorbereitung

Aus Sicht der Forscher sieht der achtarmige Krake nicht aus wie irgendeine bekannte Art. Womöglich sei sogar die Gattung neu, schreibt der Meeresbiologe Michael Vecchione im Blog-Eintrag zum Fund. Um das endgültig zu belegen, bräuchten die Forscher am besten ein Exemplar, vielleicht sogar mehrere. Die haben sie allerdings bisher nicht.

Sogenannte Cirren-tragende Kraken kommen auch in Wassertiefen jenseits von 5000 Metern vor. Sie verfügen neben zwei Flossen hinten am Kopf auch über die namensgebenden Cirren an ihren Armen - das sind kleine, bewegliche Körperanhänge. Doch Casper hat all das nicht. Die Kraken, zu denen er offenbar gehört, leben normalerweise nicht in den Meerestiefen, in denen ihn die Forscher nun angetroffen haben. Jedenfalls dachte man das bisher.

Auch deswegen fasziniert der Krake die Forscher. Und natürlich, weil der Kopffüßer über keinerlei Pigmentierung verfügt. Das verleiht ihm seine geisterhafte Erscheinung. Vecchione berichtete, er habe bereits seine irische Kollegin Louise Allcock von der National University of Ireland in Galway und seinen deutschen Kollegen Uwe Piatkowski vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel kontaktiert. Man sei sich einig, es hier mit etwas ganz Besonderem zu tun zu haben. Nun denke man darüber nach, den Fund zusammen mit Beobachtungen von einem deutschen Forschungsschiff aus dem östlichen Pazifik in einem Fachartikel zusammenzufassen.

chs



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.