Gescheiterte Verhandlungen: China und Russland blockieren Meeresschutz in der Antarktis

Das Meer vor der Antarktis soll besser kontrolliert werden. Doch die Verhandlungen für die Einrichtung von Schutzgebieten vor der Küste sind nun gescheitert. Drei Staaten wollen Beschränkungen für die Fischerei nicht hinnehmen.

Unersetzliche Landschaft: Antarkischer Ozean Fotos
John B. Weller

Hamburg/Hobart - China, Russland und die Ukraine haben die Verhandlungen über neue Meeresschutzgebiete in der Antarktis scheitern lassen. Die drei Staaten wollten Beschränkungen für die Fischerei nicht mittragen. Ein Treffen der Internationalen Kommission zum Schutz lebender Ressourcen in der Antarktis (CCAMLR), das seit zwei Wochen im australischen Hobart stattfand, musste damit ohne Ergebnis abgebrochen werden.

Bei der Konferenz in Hobart hätte eigentlich die Schaffung eines 1,6 Millionen Quadratkilometer großen Schutzgebietes im Ross-Meer auf den Weg gebracht werden sollen. Es liegt auf der Neuseeland zugewandten Seite der Antarktis. Nationen unter Führung der Europäischen Union und Australiens hatten zudem einen Schutzstatus für weitere 1,9 Millionen Quadratkilometer Küstengewässer im Weddellmeer vor der östlichen Antarktis gefordert.

Die Antarktis bietet Lebensraum für Pinguine, Seelöwen, Robben und zahlreiche weitere Tierarten. Die 1980 gegründete CCAMLR, der 24 Mitgliedstaaten und die Europäische Union angehören, erarbeitet derzeit die wissenschaftlichen Grundlagen für die Anlage mariner Schutzgebiete im Antarktischen Ozean.

Nächstes Treffen in Deutschland

Umweltschützer haben mit Verärgerung auf das Scheitern der Verhandlungen in der Antarktis reagiert. Die Antarctic Ocean Alliance, ein Zusammenschluss Dutzender Umweltschutzorganisationen, kritisierte das Scheitern am Freitag. Eine kleine Zahl von Ländern habe den Naturschutz in der Antarktis aktiv blockiert, sagte ihr Sprecher Steve Campbell.

Zahlreiche Prominente hatten sich den Forderungen nach der Einrichtung eines Schutzgebietes in der Region angeschlossen. Mehr als eine Million Menschen unterzeichnete bisher eine von Hollywood-Star Leonardo DiCaprio gestartete Petition, darunter zahlreiche Schauspieler, Unternehmer Richard Branson und die Bands Linkin Park und Maroon 5.

Im kommenden Juli soll ein erneutes CCAMLR-Treffen in Deutschland Fortschritte bringen. "Die Antarktis beherbergt einzigartige Ökosysteme", hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am Anfang der nun gescheiterten Tagung gesagt. "Deshalb wollen wir die internationalen Anstrengungen zum Schutz der Meeresgebiete in der Antarktis mit konkreten Maßnahmen aktiv unterstützen."

boj/AFP

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1. Wie die Südstaaten....
hesse 02.11.2012
Zitat von sysopDas Meer vor der Antarktis soll besser kontrolliert werden. Doch die Verhandlungen für die Einrichtung von Schutzgebieten vor der Küste sind nun gescheitert. Drei Staaten wollen Beschränkungen für die Fischerei nicht hinnehmen. CCAMLR-Verhandlungen zu Meeresschutzgebieten in Antarktis gescheitert - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/ccamlr-verhandlungen-zu-meeresschutzgebieten-in-antarktis-gescheitert-a-864898.html)
....in der EU mit ähnlichen Belangen! Und das soll funktionieren ?
2. Ist das so wie
wkilikidoo 02.11.2012
Ist das so wichtig wie das Kyoto Protokoll gegen die weltweite Erwärmung der Erde? Dieses wird ja von den USA verhindert oder?
3. Fisch gibt es doch auch anderswo!
blaq 02.11.2012
Warum fischen die Chinesen, Russen und Ukrainer (?) dann nicht einfach vor den afrikanischen Küsten, da sind doch unsere europäischen Industrie-Fischerboote auch unterwegs. Oder ist da etwa schon alles leergefischt?
4. jaja
martin-z. 02.11.2012
Zitat von sysopDas Meer vor der Antarktis soll besser kontrolliert werden. Doch die Verhandlungen für die Einrichtung von Schutzgebieten vor der Küste sind nun gescheitert. Drei Staaten wollen Beschränkungen für die Fischerei nicht hinnehmen. CCAMLR-Verhandlungen zu Meeresschutzgebieten in Antarktis gescheitert - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/ccamlr-verhandlungen-zu-meeresschutzgebieten-in-antarktis-gescheitert-a-864898.html)
was blockieren china und russland eigentlich angeblich nicht? an was auf der welt sind die eigentlich nicht schuld? zuerst blockieren sie die "friedliche" veränderung in syrien und jetzt blockieren sie auch noch den meeresschutz. einfach lächerlich dieses suendenbockgeplärre. ich kenne keinen westlichen staat von bedeutung, ausser neuseeland, der sich um den meeresschutz sonderlich verdient gemacht haette....
5. Man fasst es nicht, und doch war nichts anderes zu erwarten
Deify 02.11.2012
Ich kann meine Trauer und Verweiflung darüber, dass von immer denselben Ländern grundsätzlich deren egoistische, finanzielle und zerstörerische Sicht so viel Einfluss hat - auf den ganzen rest der Welt, Diese Macht steht ihnen einfach nicht zu! Wenn denen schon alles egal ist und nur der kurzfristige Gewinn zählt... muss der Rest der Welt etwas dageben tun. Wunschdenken? Vernunft? Ich fühle mich jedenfalls ganz persönlich durch diese Länder geschädigt, denn die Welt (Wasser, Luft, Tiere... u.v.a.m.) gehört allen.
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