Hirnschäden Hundevirus tötet Sibirische Tiger

Wilderer, schwindende Lebensräume und Umweltzerstörung: Der Amur-Tiger ist längst vom Aussterben bedroht. Jetzt bekommen es die Raubtiere auch noch mit einer Krankheit zu tun: Ein Hundevirus rafft die Großkatzen dahin.

Amur-Tiger (in einem Wildpark in China): Hundevirus bedroht Raubkatzen
AFP

Amur-Tiger (in einem Wildpark in China): Hundevirus bedroht Raubkatzen


Weniger als 500 Sibirische Tiger, auch als Amur-Tiger bekannt, gibt es noch in freier Natur. Wilderei, Schwinden der Beutetiere und Zersiedlung ihres Lebensraumes setzen den Raubkatzen hart zu. Doch das ist nicht alles: In den vergangenen Jahren sorgten Fälle für Aufsehen, in denen sich abgemagerte und offenbar völlig verwirrte Tiere ohne Scheu Menschen genähert hatten.

Jetzt haben Forscher offenbar den Grund dingfest gemacht: Panthera tigris altaica wird von einem vorwiegend bei Hunden verbreiteten Virus befallen. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 2010 mindestens ein Prozent der Tiger in freier Wildbahn am Hundestaupevirus zugrunde gegangen sind. Dies erkläre, warum manche Tiger in Russland durch Siedlungen oder über Straßen torkeln, schreiben die Wissenschaftler aus den USA und Russland im Fachblatt "mBio".

Verwirrte Tiere torkeln über Straßen

Die Forscher um die Pathologin Denise McAloose von der Wildlife Conservation Society in New York untersuchten die Gehirne von fünf wilden Tigern, die seit 2001 mit neurologischen Problemen gestorben waren. Zwei der Tiere seien am Caninen-b-Staupevirus (Canine distemper virus CDV) verendet, ein drittes sei infiziert gewesen, schreiben die Forscher. Im Gehirn entdeckten sie massive Schäden, die das seltsame Verhalten der Tiere erklären könnten.

Da das Virus bei Raubkatzen, die vor 2001 starben, noch nie gefunden wurde, glauben die Wissenschaftler, dass es erst seitdem unter Tigern verbreitet ist. "Der Verlust von einem Prozent einer bedrohten Art ist ziemlich bedeutend", sagt McAloose. "Und das sind nur die Todesfälle, von denen wir wissen. Ich gehe davon aus, dass es noch andere gibt, die wir nicht gesehen haben."

Sorge macht auch, dass die Tiere aus verschiedenen Regionen stammten. "Diese Krankheit ist über den gesamten Lebensraum des Sibirischen Tigers verbreitet", sagt McAloose. Sie vermutet, dass sich die Tiere beim Fressen erkrankter Hunde infizieren. Möglicherweise trügen aber auch Füchse oder Marderhunde das Virus.

"Das ist die erste bekannte Krankheit, die ein großes Risiko für das Überleben des Amur-Tigers ist", betont McAloose. Zudem könne der Erreger auch den Amur-Leoparden (Panthera pardus orientalis) gefährden, der ebenfalls im Osten von Russland lebt und auch vom Aussterben bedroht ist.

mbe/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
juttakristina 14.08.2013
1. Schuld des Menschen
Und wie kommt es dazu, dass die Tiger infizierte Hunde fressen können? Natürlich weil es unverantwortliche Halter gibt und damit auch in Russland ein Problem mit herrenlosen Streunern. Über die kann der Virus natürlich auch auf Füchse und Marder übergehen. Was natürlich nicht heißen soll, dass man sich des Problems durch das Töten von Streunern entledigen sollte. Die Tiere können auch nichts dafür. Wir - die Menschen - haben die Sache verbockt und haben die moralische Pflicht, den Tieren zu helfen. Übrigens habe ich gelesen, dass es wahrscheinlicher ist, von einem Rudel verwilderter Hunde statt von einem Rudel Wölfe angegriffen zu werden. Tiger sind wundervolle Tiere, sie sollten nicht von diesem Planeten verschwinden. Es mag ihnen zwar im Zuge der Evolution irgendwann beschieden sein, aber Ausrottung durch den Menschen hat nichts mit Evolution zu tun.
DianaSimon 14.08.2013
2. Dumme Frage von Tigerliebhaberin
Könnte man die Tiere nicht mit einem Pfeil impfen, analog zu den Betäubungspfeilen der Tierärzte und gleichzeitig einen Chip implantieren, damit man sie wiedererkennt?
strohkopf 14.08.2013
3. Oh oh
Bringt sowas jetz nicht die Supertierschützer in einen Gewissenskonflikt? Die armen liebenswerten Straßenhunde töten ist ja viel zu brutal und herzlos. Was also wäre eine (bezahlbare) alternative ebensolche dramatischen Auswirkungen der Überpopulation an verwilderten Haushunden zu verhindern? Eine Schande, Tiger sind so majestätische schöne Tiere und müssen wegen sowas zu Grunde gehen... (Nein ich bin kein Hundehasser, nur Realist)
AriadneMedea 14.08.2013
4. Und Sie sind also der Überzeugung...
...das uns die ganzen "niedlichen" Hunde und die ganzen exotischen Tier in Detuschland nichts ausmachen und auch keine Krankheiten bringen. So kinderfreundlich ist also Deutschland, zumal ja Hund eigentlich genauso wie Katze ans Haus aber nicht ins haus gehören. Vor allem nicht Kampfhunde. füher bekamen die Tiere eventuell Reste, heute wird aus Massentierhaltung auch noch das produziert. Sie spielen also auch international mit Nahrungsmitteln, Pestiziden, Tierfutter. Verbrecherischer können Menschen nicht sein. Ich verstehe wenn sie große Hunde aus beruflichen Gründen halten müssen, ansonsten verstehe ich nicht. Schon gar nicht, wen Leute die für das zu Hause bleiben auch noch bezahlt werden alle damit Nerven und einen riesigen Berg Müll in Form von Tierfutter produzieren. wir werden ihnen ihre Langeweile wieder abgewöhnen müssen. Pestizide, schlechtes Tierfutter. Und ich frage ich was sich die Leute denken, welche die Arbeitslosigkeit in der famlei von einer zur nächsten Generation vererben.
PH-sauer 14.08.2013
5. Kein gesunder Bestand einer Tierart
wurde jemals komplett durch eine Krankheit dahingerafft. Angeschlagene Bestände schon. Da man inzwischen 75% aller Tier- und Pflanzenarten als angeschlagen ansehen kann, muß man nach der Ursache suchen. Am Ende kann man nur lakonisch feststellen: es gibt einfach zuviele Menschen, die zuviel Lebensraum und Ressourcen in Beschlag nehmen. Etwas positives kann man dazu aber dann doch feststellen: Es wird niemals eine Seuche geben, die die Menschheit als Art auslöschen wird!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.