Census of Marine Life Erste Volkszählung in den Meeren beendet

Es ist eines der größten Projekte in der Geschichte der Wissenschaft: Der "Census of Marine Life". Nach einem Jahrzehnt akribischer Forschung ist die Volkszählung in den Ozeanen vorerst abgeschlossen. Der Katalog enthält eine Viertelmillion Arten - vollständig ist er damit längst nicht.

AFP / Census of Marine Life / Karen Gowlett-Holme

Die Erde, der blaue Planet, ist zu über 70 Prozent von Meerwasser bedeckt, wiederum etwa 70 Prozent der Ozeane liegen unterhalb von 800 Meter und werden der Tiefsee zugeschrieben. Erst ein Bruchteil dieses gigantischen Lebensraumes wurde bisher erforscht - weshalb Meereswissenschaftler gerne betonen, dass wir die Rückseite des Mondes besser kennen als diesen großen Teil der Erde.

Mit dem "Census of Marine Life", der Volkszählung in den Ozeanen, beschlossen im Jahr 2000 zunächst acht Forschergruppen, die gigantische Wissenslücke zu schließen. Immer mehr Wissenschaftler aus allen Teilen der Erde schlossen sich ihnen an, um zu erfassen, wie viele Arten in den Weltmeeren vorkommen, wie zahlreich sie sind und wo sie genau leben. Nach zehn Jahren und 540 einzelnen Expeditionen stellten die Forscher im Oktober ihre vorläufigen Ergebnisse vor.

Das Resultat kann sich sehen lassen: 120.000 verschiedene Spezies haben die Wissenschaftler identifiziert, darunter mehr als 1200 bisher unbekannte Arten. Insgesamt gehen die Forscher davon aus, dass etwa eine Million höhere Lebensformen in den Weltmeeren zu Hause sind. Dazu kämen noch bis zu eine Milliarde Mikrobenarten.

Inzwischen weiß man, dass selbst die Tiefsee mit ihren extremen Lebensbedingungen - kein Licht, sehr hoher Wasserdruck - reich besiedelt ist. Immer wieder begeisterten die Volkszähler die Weltöffentlichkeit mit Bildern dieser bizarren Lebensformen."Der Zensus hat die bekannte Welt größer gemacht", sagt Myriam Sibuet, Vizepräsidentin des wissenschaftlichen Steuerungskomitees der Untersuchung. "Wo immer wir hingeschaut haben, sind wir vom Leben in Erstaunen versetzt worden."

Dennoch mussten sich die Forscher eingestehen, dass der größte Teil der Weltmeere wohl auf immer unerforscht bleiben wird. "Der Ozean ist einfach zu groß", sagt Nancy Knowlton, die für den Zensus Korallenriffe untersucht hat. "Nach zehn Jahren harter Arbeit haben wir nur einen Schnappschuss dessen, was die See enthält."

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mah

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