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Ausbruch des Chaitén-Vulkans: Forscher löst Rätsel um grünen Blitz

Aus San Francisco berichtet

Sensation in Aschewolke: Ausbruch des Chaitén Fotos
imago/ Carlos Gutierrez

Das Foto vom Ausbruch des Chaitén-Vulkans in Chile zeigt eine Sensation. Ein grüner Blitz schoss an der Aschewolke vom Boden empor. Jetzt liefert ein Wissenschaftler eine Erklärung für das einzigartige Naturwunder.

Zeugen von Vulkanausbrüchen berichten gelegentlich, ihnen hätten sich die Haare aufgestellt. Kein Wunder: Begleitet wird das Rumpeln, Donnern und Grollen einer Eruption manchmal vom elektrischen Knistern zuckender Blitze. Als Anfang Mai 2008 der chilenische Vulkan Chaitén explodierte und die gleichnamige Stadt verwüstete, bot sich in der Aschewolke ein ganz besonderer Anblick: ein grüner Blitz erstaunte Wissenschaftler. Er schoss am Rand der Aschewolke vom Boden aus in die Höhe.

"Was ging da vor sich, habe ich mich gefragt", erzählt der Atmosphärenforscher Arthur Few von der Rice University in Houston, USA. "Warum sehen wir so etwas nicht bei Gewitter?" Auf der Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union AGU in San Francisco hat er nun eine Erklärung präsentiert.

Es beginnt mit einem elektrischen Tanz wie in einem Gewitter: In Gewitterwolken laden sich Eiskristalle mit unterschiedlicher Ladung auf, weil Hagelkörner sich an Eiskristallen reiben, wobei sich positive von negativen Ladungen trennen. Kleine Teilchen laden sich positiv auf, Aufwinde peitschen sie in die Höhe.

Bald schweben in zehn Kilometern Höhe vor allem Teilchen mit positiven Ladungen, während die Wolke in flacheren Gefilden negativ geladen ist. Am Boden werden dadurch positive Ladungen angezogen - in der Luft kann sich eine Spannung von Hunderten Millionen Volt aufbauen. Wird die elektrische Spannung zu groß, löst sie sich mit einem Schlag - es blitzt.

Wie Polarlicht

Auch bei Vulkanausbrüchen reiben sich Partikel: Ascheteilchen schießen mit hundert Metern pro Sekunde aneinander vorbei - sie laden sich dabei elektrostatisch auf. Schwere Partikel werden negativ geladen, sie werden aufgrund ihrer Masse nicht so hoch katapultiert wie leichte Ascheteilchen, die positive Ladung tragen. Wird die Spannung in der Aschesäule zu groß, blitzt es.

So weit meinten Forscher, das Phänomen bereits verstanden zu haben. Aber warum glimmte es grün in der Asche des Chaitén?

Es handle sich anscheinend um sogenannte Streamer, meint Few: positiv geladene Blitze, die von unten nach oben schießen - im Gegensatz zu den negativ geladenen weißen, die vom Himmel zucken. Die Streamer würden Sauerstoffatome elektrisch anregen, so dass sie grün leuchteten. Ähnliches geschehe, wenn Sonnenwind grüne Polarlichter erzeuge: Positiv geladene Teilchen treffen dabei auf Sauerstoffpartikel, regen sie zum grünen Leuchten an.

Die grünen Blitze gebe es demnach wohl auch in Gewittern, meint Few. In Zonen größter Turbulenzen würden sie an Eiskristallen gen Himmel schießen - allerdings verborgen in dicken Wolken. Auf der Eruptionswolke des Chaitén hingegen raste die Asche auch am Rand so schnell, dass es blitzen konnte. Nach außen sichtbar. In Grün.

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