Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Chamäleon mit Superzunge: Schlurp

Brown University

Chamäleons schleudern ihre Zunge in irrem Tempo aus dem Mund. Nun gibt es einen neuen Rekord: Das Stachel-Zwergchamäleon beschleunigt von null auf hundert in einer hundertstel Sekunde.

Mit bloßem Auge kommt man bei diesen Tieren nicht weit: Chamäleons ernähren sich meist von Insekten wie Grillen. Um diese zu fangen, haben sie eine ausgeklügelte Fangtechnik entwickelt: Mit irrem Tempo schleudern sie ihre elastische Zunge dem Insekt entgegen und befördern diese in ihren Mund.

Christopher Anderson von der Brown University hat nun genauer untersucht, welche Zungenlänge und welches Tempo die Tiere dabei erreichen. Er setzte 55 Chamäleons, die zu 20 unterschiedlichen Arten gehören, vor eine Hochgeschwindigkeitskamera und lichtete sie mit 3000 Bildern pro Sekunde ab. So entstanden knapp 280 Zungenvideos von Tieren mit einer Körpergröße zwischen vier und 20 Zentimetern (ohne Schwanz).

Das kleinste Chamäleon kann am meisten

Das Ergebnis: Im Verhältnis zur Körpergröße schleuderten die kleinsten Chamäleons ihre Zunge mit der größten Beschleunigung aus dem Mund. Rekordhalter sind zwei knapp fünf Zentimeter große Stachel-Zwergchamäleons (Rhampholeon spinosus). Die Beschleunigung ihrer Zunge entspricht dem 264-fachen der Gravitation auf der Erde. Vergleichbar wäre das mit einem Auto, das von null auf hundert in einer hundertstel Sekunde beschleunigt, berichtet Anderson im Fachmagazin "Scientific Reports".

Das schnellste Tier im Versuch brauchte so gerade mal 18,3 Millisekunden, bis seine Zunge die Grille erreichte. Zum Vergleich: Das Video oben zeigt ein ungefähr doppelt so großes Helmchamäleon (Trioceros hoehnelii). Dessen Zunge brauchte zwischen 30 und gut 40 Millisekunden bis zur Beute.

Fotostrecke

4  Bilder
Stachel-Zwergchamäleon: Schneller geht's nicht
Auch bei der Zungenlänge hängt das Stachel-Zwergchamäleon die Konkurrenz ab, zumindest im Verhältnis zur Körpergröße. Im Versuch erreichte die Zunge eine Länge zweieinhalb mal so groß wie der Körper des Tieres. Das entspricht einer absoluten Länge von gut elf Zentimetern. Die Zungenlängen aller untersuchten Chamäleons reichten von knapp vier bis knapp 27 Zentimetern.

Der beinah beste Schleuderkünstler der Welt

Die Zunge der Stachel-Zwergchamäleons erzeuge die größte Beschleunigung, die von Körperteilen von Reptilien, Vögeln und Säugetieren bekannt ist, berichtet Anderson. Zudem sei sie die fast leistungsfähigste unter allen Wirbeltieren - lediglich ein Salamander schnitt besser ab. Zum Vergleich: Das Stachel-Zwergchamäleon erzeugt mit seiner Zunge eine gewichtsbezogene Leistung von gut 14 Kilowatt pro Kilogramm, der Salamander schafft rund 18.

Die Ergebnisse ergeben aus physikalischer und evolutionärer Sicht Sinn, erklärt Anderson. Alle Chamäleons besitzen demnach die gleiche katapultähnliche Vorrichtung, um ihre elastische Zunge aus dem Mund zu schleudern. Kleinere Chamäleons hätten vergleichsweise große Schleudervorrichtungen. Anderson: "Sie sind wie kleine Sportwagen mit relativ großen Motoren."

Zudem müssen Stachel-Zwergchamäleons wie alle kleinen Tiere im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr essen als größere Tiere. Eine ungewöhnlich schnelle und lange Zunge sichere ihnen die Nahrungszufuhr, so Anderson.

Der Autorin auf Twitter folgen

jme

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: