Chile Gletschersee in den Anden spurlos verschwunden

Ungewöhnliche Vermisstenmeldung aus Chile: Im Süden des Landes ist ein See abgetaucht. Die Ranger eines Nationalparks fanden einen klaffenden Krater, wo bis vor kurzem Schmelzwasser glänzte. Nun soll eine Expedition klären, wie zwei Hektar Wasserfläche verschwinden konnten.


Santiago de Chile - Kann ein See von ehemals zwei Hektar Wasserfläche sich in Luft auflösen? In einem chilenischen Nationalpark scheint genau das passiert zu sein. Ein 30 Meter tiefer Krater prangt jetzt dort, wo bis vor kurzem das tiefblaue Schmelzwasser eines Gletschers seinen Platz hatte.

"Der See ist einfach verschwunden", sagte Juan José Romero, der Leiter des staatlichen Forstamtes der Region Magallanes. "Niemand weiß, was passiert ist." Der See lag im Nationalpark Bernardo O'Higgins in den südlichen Anden, rund 2000 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago.

Noch im März war dort alles in Ordnung. Ende Mai fanden Ranger des Nationalparks dann den Krater vor. Fotos vom gestrigen Mittwoch zeigen Forstarbeiter am Grund des ehemaligen Sees stehen. Im Hintergrund sieht man die eisigen Enden eines Gletschers.

Übrig waren bloß mehrere große Eisbrocken, die ursprünglich an der Wasseroberfläche schwammen. Nun soll ein Geologen-Team Richtung Bernardo-O'Higgins-Nationalpark geschickt werden, um dem seltsamen Verschwinden auf den Grund zu gehen.

Das Wasser könnte in Risse am Seeboden in unterirdische Spalten verschwunden sein. Für diesen Fall sei aber völlig unklar, was die Spalten verursacht hätte, da es in letzter Zeit keine Erdbeben in der Region gegeben habe, sagte Romero.

stx/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.