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China: Krieg und Klima-Umschwung fielen zusammen

Wenn es in Ostchina besonders kalt wurde, kam es zum Krieg: Dieses 1000-jährige Muster haben Historiker beim Vergleich von Klimadaten der Nord-Hemisphäre mit Berichten über historische Auseinandersetzungen gefunden - und sie prophezeien weitere Kriege.

Hongkong - 899 Kriege in Ostchina listet das Geschichtsbuch Tabulation of Wars in Ancient China für die Jahre 1000 bis zum Ende des Kaiserreichs 1911 auf. Kriegerisch wurde es immer dann, wenn sich das Klima änderte, zeigte nun ein Vergleich der ostchinesischen Kriegshistorie mit Temperatur-Aufzeichnungen aus dem selben Zeitraum.

Gletschersee in Tibet (2005): China leidet auch heute wieder unter den Folgen sich ändernden Klimas
AFP / Greenpeace

Gletschersee in Tibet (2005): China leidet auch heute wieder unter den Folgen sich ändernden Klimas

"Fast alle Höhepunkte kriegerischer Aktivitäten oder der Wechsel von Dynastien fielen mit Kälteperioden zusammen", berichtet das Team um den Informatiker David Zhang von der Universität Hongkong. Im Fachmagazin "Human Ecology" nennen sie den mutmaßlichen Grund für diesen Zusammenhang: Die Kälte ließ die Erträge in der Landwirtschaft und im Gartenbau zurückgehen; Nutzvieh, Weizen, Mais und andere Agrarprodukte wurden knapp - was bei den Menschen "ökologischen Stress" verursachte. Immerhin war die Mehrheit der Bevölkerung im Osten Chinas von der Agrarproduktion abhängig - gerade eine Gesellschaft mit begrenzten technologischen Möglichkeiten wie das vorindustrielle Reich der Mitte auf wohlwollende klimatische Bedingungen angewiesen.

In Kälteperioden, eben jenen ökologischen Krisen, seien Kriege oft das letzte Mittel gewesen, um die mageren Ressourcen umzuverteilen, schreiben die chinesischen Forscher. Historikern empfehlen sie deswegen, diesen Zusammenhang künftig bei ihrer Arbeit stärker zu berücksichtigen.

Zugleich warnten Zhang und seine Kollegen davor, dass nicht nur Kälteperioden ähnliche Spannungen oder gar kriegerische Auseinandersetzungen auslösen können - sondern auch die globale Erwärmung. Der derzeitige Klimawandel sorge für schwindende Wasser-, Energie-, Nahrungs- und Rohstoff-Vorräte, so die Forscher, und der absehbare Mangel an Süßwasser, Energie und Ackerland werde "sehr wahrscheinlich neue Kriege zwischen menschlichen Kulturen" zur Folge haben. Die Autoren fassen ihre Schlussfolgerung in ein Wortspiel: Dem "Global Warming" könnte ein "Global Warring" folgen.

fba/dpa

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