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Chinas Appetit auf seltene Tiere: Schlangendip und Bärenbraten

Von Thilo Thielke, Bangkok

Auf chinesischen Speisekarten stehen Tigersud und Leopard süß-sauer, gebratener Affe und Pangolin - und deshalb boomt in Burma der Export von Wildtieren. Jetzt schlagen Tierschützer Alarm: China bringe mit seiner Gier nach "Buschfleisch" viele seltene Arten in Gefahr.

Der kleine Makake hat schlimme Zeiten hinter sich, doch das Übelste steht ihm womöglich erst bevor. Ahnungsvoll springt er in seinem winzigen, verrosteten Käfig neben dem Feinschmeckerrestaurant hin und her und kreischt. Auf seiner Stirn eitert eine Platzwunde, die Augen sind groß und rund und weit aufgerissen. Eine Gruppe hungriger chinesischer Gäste ist soeben eingetroffen und nimmt - nur einen geschmacklosen Meter vom Affen entfernt - Platz.

Nein, dieses Mal haben sie kein Affengericht bestellt. Die Kunden lachen, und dann stürzen sie sich gierig auf ein Wildmenü und schmatzen. Es ist irgendeine Mischung aus Schlangen- und Antilopenfleisch, die gerade in ihren Mägen verschwindet. Nachgegossen wird mit Tsingtao-Bier - es wird nach deutschem Reinheitsgebot gebraut.

Neben dem Makakenäffchen zischelt eine Kobra in ihrer Kiste, auch sie ist noch einmal davongekommen. In der Natur sind die beiden die ärgsten Feinde, doch hier teilen sie ein ähnliches Schicksal: sie enden als "Buschfleisch" für Chinesen.

Die Restaurants in Mong La, einer Casino- und Bordellstadt im Norden Burmas, gerade an der chinesischen Grenze gelegen, sind berühmt für ihre Speisekarten mit traditionellen chinesischen Gerichten. Nach Herzenslust kann der Grenzgänger aus dem Reich der Mitte hier bestellen, was ihm in seiner Heimat mittlerweile verwehrt ist: Elefantensteak und Kragenbär-Braten, Geschnetzeltes vom Affen und Leopard süß-sauer, Tigersud und Schlangendip und Pangolin mit Chilisoße. Es gibt kaum eine Delikatesse, die hier nicht serviert wird. Hauptsache, sie kommt frisch aus der Wildnis - je weniger Tiere es von einer Art noch gibt desto besser.

Der Schweizer Artenschützer und Naturfotograf Karl Ammann, 59, ist zum vierten Mal in Mong La. Seit 15 Jahren beobachtet er den Wildtierhandel im Goldenen Dreieck, einer der abgelegensten Gegenden der Welt und ehedem Hauptanbaugebiet für Opium. "Viel hat sich nicht geändert, seit ich das erste Mal kam", sagt Ammann, "nur die Preise für die Tiere steigen von Jahr zu Jahr - weil es immer weniger werden." Gerade bietet ihm eine Händlerin auf dem Tiermarkt einen Tigerknochen an. Er liegt auf einer Decke zwischen einigen Tierpenissen und Fellen, Gallenblasen und Stücken getrockneter Elefantenhaut, Affenschädeln und Schlangenhäuten. 1200 amerikanische Dollar will sie für das Stück, das den Chinesen als wirksam gegen Arthritis und rheumatische Beschwerden gilt und deshalb zu Pulver zerrieben oder zu Sud zerkocht wird.

Drogen-, Waffen- und Tierhandel

Es ist kein Wunder, dass der Knochen so kostbar ist: Gerade einmal 150 der Großkatzen sollen in Burma noch in freier Wildbahn zu finden sein, weltweit sind es gerade einmal 5000 bis 7000 Stück. Vor zwei Jahren boten Händler in der Nähe eine komplette Tigerhaut für 15.000 und einen Tigerpenis für 1500 Dollar an. Ein komplettes Tier, also Knochen, Penis, Fell und Fleisch, dürfte es dann auf rund 35.000 Dollar bringen - viel Geld für einen hungrigen Burmesen, aber nicht zu viel für reiche chinesische Geschäftsleute.

Der sagenhafte ökonomische Aufstieg des chinesischen Riesenreichs gefährdet die Tierwelt mittlerweile weltweit. Im sudanesischen Khartum boomt nach einer Studie der britischen Tierschutzorganisation "Care for the Wild" der Handel mit Elfenbein wie zu Zeiten des Mahdi, seit Chinas Emissäre ins Land strömen, um die Ölquellen auszubeuten. Die gestiegene Nachfrage bekommen Waldelefanten bis in die tiefsten Wälder des Kongobeckens oder der Zentralafrikanischen Republik zu spüren. Und auch in den asiatischen Anrainerstaaten wird derzeit alles gejagt, was den Schützen vor die Flinte kommt und sich zu Geld machen lässt.

Die von keinerlei Sinn für den Erhalt der Artenvielfalt getrübte Gier nach seltenen Spezies erinnert an das längst überwunden geglaubte Gebaren skrupelloser Kolonialherren. Schon jetzt rangiert der Handel mit gefährdeten Tieren auf Rang drei der illegalen Handelsgüter - gleich hinter dem Drogen- und dem Waffenhandel. Sechs Milliarden Euro sollen damit Jahr für Jahr umgesetzt werden.

Nur Kleinigkeiten haben sich im Vergleich zu früheren Zeiten verbessert. "Man findet die Tische mit den runden Löchern in der Mitte jetzt nicht mehr, in denen früher die Affen fixiert wurden, damit man den lebenden Tieren das Gehirn aus dem zertrümmerten Schädel löffeln konnte", sagt Ammann. "Affen werden jetzt gebraten." Den Tierschützer, der im kenianischen Nanyuki lebt und dort selber zwei Schimpansen großzieht, tröstet das kaum. Ammann gilt als einer der weltweit engagiertesten Kämpfer gegen den Handel mit Tieren, die unter Artenschutz stehen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 55 Beiträge
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1. Gehts noch plumper?
Hador, 03.08.2009
Vielleicht sollte auch der Spiegel mal lernen, dass China ein großes Land ist und es nicht nur DIE Chinesen gibt. Ich denke nicht, dass der Durchschnittschinese sich jeden Tag ein Bärensteak mit Schlangendip bestellt. Wäre dies der Fall, dann wären jene Tierarten schon seit Jahren ausgerottet. Richtig ist, dass es in China einige Regionen gibt in denen die Speisekarte derartige Gerichte kennt, diese sind AFAIK vor allem im Süden und Südwesten des Landes zu finden und dort werden sicherlich von entsprechenden Leuten entsprechende Preise für solche Gerichte gezahlt. Natürlich sollte man sich dafür einsetzen, solche Praktiken zu unterbinden, aber dieser Artikel strotzt nun wirklich nur so vor europäischer Kolonialarroganz. Vielleicht sollte sich der Autor mal überlegen warum es seit mehr als 150 keine Bären mehr gibt und wie es dem letzten Bären, der gewagt hatte einen Fuß nach Deutschland zu setzten erging. Man kann ja kritisieren, aber doch bitte nicht so pauschal und plump wie in diesem Artikel.
2. ich hoffe Sie verrecken dran....
franky70 03.08.2009
Der Umgang mit Tieren hier in Europa ist zwar auch mehr als fragwürdig! Aber was da abläuft, ich hoffe Sie verrecken dran.... ...."Guten Appetit"!
3. Mir wird übel
snickerman 03.08.2009
Das sind die Folgen, wenn alte, längst überholte Gewohnheiten und Aberglauben mit hemmungslosem Kapitalimus zusammentreffen. Die Armut der Menschen ausnutzend wird alles verschleudert, was nur irgendwie ein paar Dollar/Euro/Yüan usw. bringt, ohne jede Rücksicht darauf, dass oft schon nach wenigen Jahren diese "Quellen des Reichtums" versiegen und die Not der Einheimischen noch größer werden wird. So sterben die letzten sibirischen Tiger, werden für den Küstenschutz benötigte Mangrovenwälder für Krabbenfarmen abgeholzt und die Meere zu blauen Wüsten leergefischt. Wenn nichts mehr zu holen ist, ziehen die Nutznießer weiter- dumm nur, dass die Erde nicht unerschöpflich ist... Vorhaltungen wegen "Kolonialarroganz" u.Ä. sind hier völlig fehl am Platze, chinesische Unternehmen und reiche Bürger zeigen da nämlich oft genau dieselben Attitüden wie Europäer und Amerikaner a´la: "Was lacostet die Welt? Geld spielt keine Rolex!" Aufgrund der rapide schwindenden Resourcen läuft uns aber die Zeit davon, nochmal Jahrzehnte warten und auf einen Wechsel der Einstellung zu hoffen bedeutet den Untergang zahlloser Arten und wichtiger Ökosphären.
4. wies da wirklich so zugeht steht hier
poiuyt 03.08.2009
http://allmyanmar.com/new allmyanmar.com/myanmar restaurants.htm und auf anderen seiten der website, wie z.B. snakes. Mit gigantischen fotos. Eigentlich störts niemand vor ort, nur ein paar westler die nicht durchblicken das die tiere schon immer teil der ernärung waren aber da es einen westler merkwürdig vorkommt das einer eine schlange isst denkt der sogenannte westen das kann nicht gut sein. ist zwar alles unsinn und falsch, aber erklär das mal einen west gutmenschen !!! die sind so zu und borniert und haben keinerlei respekt vor anderen kulturen das es ein graus ist.
5. Ich vergaß, WIR sind ja schuld an Allem...
snickerman 03.08.2009
Zitat von poiuythttp://allmyanmar.com/new allmyanmar.com/myanmar restaurants.htm und auf anderen seiten der website, wie z.B. snakes. Mit gigantischen fotos. Eigentlich störts niemand vor ort, nur ein paar westler die nicht durchblicken das die tiere schon immer teil der ernärung waren aber da es einen westler merkwürdig vorkommt das einer eine schlange isst denkt der sogenannte westen das kann nicht gut sein. ist zwar alles unsinn und falsch, aber erklär das mal einen west gutmenschen !!! die sind so zu und borniert und haben keinerlei respekt vor anderen kulturen das es ein graus ist.
Ich habe den Unfug, den sie gepostet haben, einfach mal übersetzt. Sie sind also der Meinung, egal ob die Welt zugrunde geht, Hauptsache die bösen Westler sind an allem schuld. Selber keine Ahnung, aber es anderen vorwerfen! ICH werde von ihrem unerträglichen Geschwafel jedenfalls nicht auf die Menschen dort schließen, DAS haben die nämlich nicht verdient!
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Affenfleisch süß-sauer: Delikatessen für Chinesen
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