Chinesischer Flussdelfin Forscher finden keine Baijis mehr

Der Chinesische Flussdelfin existiert möglicherweise nicht mehr. Forscher haben den Jangtse 26 Tage lang nach Baijis abgesucht - und kein Exemplar gefunden. Sollte auch ein letzter Anlauf keinen Erfolg haben, wollen die Wissenschaftler den Säuger für ausgestorben erklären.


Vielleicht wird nie wieder jemand einen Chinesischen Flussdelfin, einen Baiji, zu sehen bekommen: Er ist wahrscheinlich bereits ausgestorben, mutmaßt ein Team von 30 Forschern. 26 Tage lang haben sie den weltweit seltensten Delfin gesucht, der nur im chinesischen Jangtse-Fluss vorkommt - und kehrten ohne ein Lebenszeichen eines Baijis zurück. Das berichtete August Pfluger, Chef von Baiji.org und Organisator der Suche.

Süßwasserdelfin: Von der seltensten Delfinart, der im Jangtse lebenden Baiji, fehlt seit über einem Jahr jede Spur
DPA

Süßwasserdelfin: Von der seltensten Delfinart, der im Jangtse lebenden Baiji, fehlt seit über einem Jahr jede Spur

Zuletzt hatte im vergangenen Jahr ein Fischer einen Baiji beobachtet. Sollte das Team auch bis zum Ende der Expedition keine Baijis (Lipotes vexillifer) entdeckten, will es die Art offiziell für ausgestorben erklären. "Es sieht schlecht aus", sagte Pfluger.

Letzten Schätzungen zufolge gab es weniger als 50 Baijis, was den Flussdelfin zum seltensten Säuger der Erde macht: Das bis zu 2,50 Meter lange Tier ist eine von weltweit nur einer Handvoll Süßwasserdelfin-Arten und durch Verschmutzung, Überfischung, Schiffsverkehr und Dammbauten gefährdet.

Ihre Suche nach den letzten Baijis hatten die Wal- und Delfin-Experten aus den USA, China und Japan vor knapp vier Wochen begonnen. Seitdem haben sie von zwei Schiffen aus einmal die gesamte Expeditionsroute von 1750 Kilometern zwischen der Stadt Yichang und der ostchinesischen Hafenmetropole Shanghai vergeblich mit Feldstechern und Unterwasser-Mikrofonen abgesucht. Der Schweizer PR-Manager Pfluger, der sich ehrenamtlich um Baijis kümmert, sieht einen Grund für den Misserfolg in den schlechten Wetterbedingungen. Die Sicht habe teilweise weniger als 150 Meter betragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Tiere verpasst wurden, sei "sehr groß".

Ein Männchen und ein Weibchen zu finden, würde Art retten

"Die Stimmung an Bord ist nicht die beste", sagte Pfluger. Das Team lege jede Hoffnung auf den letzten Teil der Suche von Shanghai zurück zum Ausgangspunkt der Mission in der zentralchinesischen Stadt Wuhan. Sollten noch Tiere gefunden werden, wollen chinesische Forscher sie später fangen und in ein Reservat bringen. Für den Fortbestand der Art reichten theoretisch zwei Tiere, sagte Pfluger. Den Baiji schon jetzt für ausgestorben zu erklären, hält jedoch selbst er für verfrüht: "Wir haben die ganze Wahrheit erst am Ende des Trips. Es ist möglich, dass wir auf dem Rückweg noch Baijis sehen."

Das meint auch der stellvertretende Leiter des hydrobiologischen Instituts an der chinesischen Akademie der Wissenschaften, Wang Ding: Aufgrund der bisherigen Expeditionsergebnisse könne nicht gesagt werden, dass der Chinesische Flussdelfin bereits ausgestorben sei, sagte er. Die Population der bedrohten Art sei aber in den vergangenen zehn Jahren dramatisch zurückgegangen. Bei einer Expedition im Jahr 1997 hatten die Forscher noch 13 Delfine ausmachen können. Jetzt könnten allenfalls noch 50 Exemplare leben, schätzen Wang und seine Kollegen - wegen der Verschmutzung und der intensiven Nutzung des Jangtse, des längsten chinesischen Stromes.

Auf der aktuellen Baiji-Expedition zählten Pfluger und seine Kollegen auch den Bestand einer Unterart der nur im Jangtse lebenden Glattschweinswale. Bislang haben die Forscher weniger als 300 Tiere gefunden. Das seien "alarmierend wenige", sagte Pfluger. Ihnen drohe das gleiche Schicksal wie dem Baiji.

fba/AFP/dpa



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