Handelsbeschränkungen: Fünf Haiarten sollen geschützt werden

Erlegter Hai vor New York, USA: Zahl mancher Arten extrem geschrumpft Zur Großansicht
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Erlegter Hai vor New York, USA: Zahl mancher Arten extrem geschrumpft

Die internationale Artenschutzkommission hat beschlossen, den Handel mit fünf bedrohten Hai- und zwei Mantaarten streng zu regulieren. Umweltverbände sind voll des Lobes - auch für die Bundesregierung. Bis Donnerstag ist allerdings noch Einspruch möglich.

Bangkok/Hamburg - So manche Delikatesse wird selten: Der internationale Handel mit fünf bedrohten Haifischarten ist künftig nur noch erlaubt, wenn die Bestände nicht gefährdet sind. Das beschloss eine Zweidrittelmehrheit der Unterzeichner des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites). Die Entscheidung, die in 18 Monaten umgesetzt werden müsste, ist noch vorläufig. Gegner können bis zum Ende der Konferenz am Donnerstag eine neue Abstimmung im Plenum erzwingen.

"Wenn dieser Beschluss im Plenum durchgeht, wird er helfen, den internationalen Handel mit Haifischflossen, dem jährlich bis zu 100 Millionen Tiere zum Opfer fallen, besser zu regulieren", sagt Ralf Sonntag, Meeresbiologe des Internationalen Tierschutz-Fonds IFAW. Auch der Riesenmanta und der Riffmanta werden dem Beschluss zufolge künftig geschützt. Asiatische Heiler pulverisieren das Kiemengewebe als Heilmittel, was die Bestände deutlich dezimiert hat.

Alle sieben Fischarten sollen künftig im Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) stehen. Dann dürfen sie nur noch mit Fanglizenzen gefischt werden. Lizenzgeber müssen in dem Fall nachweisen, dass das Überleben der Art dadurch nicht gefährdet wird. Die Europäische Union stellt 1,2 Millionen Euro bereit, um Staaten bei der Umsetzung der Bestimmungen zu helfen. Die Regeln treten in 18 Monaten in Kraft.

Mit 92 zu 42 Stimmen sprachen sich die Unterzeichnerstaaten dafür aus, den Handel mit dem Weißspitzen-Hochseehai zu regulieren. Mit 91 zu 39 Stimmen fiel die Entscheidung für die Überwachung des Handels mit drei Hammerhaiarten aus. Für eine Handelskontrolle beim Heringshai stimmten 93 Staaten, 39 waren dagegen. Einige Staaten enthielten sich jeweils.

"Bittersüßer Beigeschmack"

Mit der Entscheidung, die Haiarten auf den Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens zu setzen, dürfen die Haie nur noch mit Fanglizenzen gefischt werden. Länder, die Lizenzen ausgeben, müssen nachweisen, dass die erlaubte Menge das Überleben der Fischart nicht gefährdet.

Umweltverbände zeigten sich sehr zufrieden. "Dies ist ein Erfolg der Bundesregierung, die einen langen Atem hatte und hervorragend mit anderen Ländern und den Artenschutzverbänden zusammenarbeitete", sagt Sandra Altherr von ProWildlife. Der Artenschutz habe über kulinarische Begehrlichkeiten und wirtschaftliche Interessen gesiegt, ergänzt Volker Homes vom Umweltverband WWF. "Jetzt konnte sich endlich die Stimme der Vernunft durchsetzen, die alten Scheinargumente haben offensichtlich ausgedient."

Die Entscheidung könnte "ein Wendepunkt" sein, glaubt Glenn Sant, Leiter des Verbands Traffic. Andererseits habe die Entscheidung einen "bittersüßen Beigeschmack": Nur weil die Zahl der Haie mittlerweile extrem geschrumpft sei, seien die strikteren Richtlinien beschlossen worden.

Die Bestände der Haie sind in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Meeresräumen um bis zu 90 Prozent zurückgegangen - vor allem durch den Appetit der Europäer auf Haisteak. Mit wachsendem Wohlstand in Asien ist nun aber die Nachfrage nach Haifischflossen rasant gestiegen. Es gibt nach Angaben des Cites-Sekretariats mehr als 1000 Haifischarten. Die Bestände der meisten sind umfangreich. "73 Hai-Arten sind aber bedroht", sagt der Deutschlanddirektor von der Tierschutz-Organisation IFAW, Ralf Sonntag. "Eigentlich müssten sie alle im Anhang II gelistet werden."

China und Japan hatten alle Vorschläge abgelehnt. "Manchmal macht eine Listung die Arten teurer, was illegale Fischerei nur anheizt", meinte der Delegierte aus Japan. China machte geltend, dass es schwer ist, den Umfang der Populationen festzustellen. Das sei aber eine Voraussetzung, um Fanglizenzen zu erteilen. Die Listung komme einem Handelsverbot gleich. Zudem sei es praktisch unmöglich, die Flossen dieser fünf Haiarten in einer Ladung mit tausenden Flossen verschiedener Arten zu erkennen.

boj/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Das ist endlich ein längst...
michaelkaloff 11.03.2013
überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Jetzt wäre eigentlich der Rote Thunfisch/Blauflossenthunfisch dran. Und eine Menge Wirbelloser. Auch wenn Sie nicht dem Kindchenschema entsprechen, kein Fell haben und wirtschaftliche Interessen berührt werden.
2. Weltweites Fangverbot!
labrador2002 11.03.2013
Da Ich definitiv kein Fischesser bin. Sollte man Meere für den Fischfang komplett sperren. Fischer sollten in abgegrenzten Meeresstellen die Erlaubniss haben zu fischen. Zudem sollte man Fischfarmen erzeugen und die Weltweiten Fischpreise künstlich hinaufbeschwören. Dann verdienen Fischer auch deutlich mehr. Und die chinesische Regierung müsste doch nur das Gerücht verbreiten, dass in Haifischen tödliche Stoffe erhalten und schwups. Kein Chinese brauch mehr die Flossen von irgendeinem Hai essen.
3. Fischfarmen (Aquakultur) sind gut...
michaelkaloff 11.03.2013
wenn die Fische Pflanzenfresser sind, bei den allermeisten kultivierten Arten handelt es sich aber um Raubfische, die ihrerseits Fischfresser sind. Das ist dann so, als würde man im Wald Rehe schießen, damit dann Löwen im Zoo füttern um die Löwen schließlich zu essen...
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