Elfenbeinhandel: Thailand stiftet Verwirrung bei Artenschutztreffen

Elefanten-Wilderei: Töten für Stoßzähne Fotos
AP/ Boubandjida Safari Lodge

Jedes Jahr schlachten Wilderer Tausende Elefanten ab, um an deren Stoßzähne zu kommen. Als Drehscheibe des internationalen Handels gilt Thailand. Dessen Regierung will nun offenbar Gegenmaßnahmen ergreifen - stiftete aber auf der Artenschutzkonferenz in der eigenen Hauptstadt Verwirrung.

Bangkok - Afrikanische Elefanten haben kaum Feinde, abgesehen vom Menschen. Zu den größten Bedrohungen der Dickhäuter gehören die Zerstörung ihrer Lebensräume und zunehmend auch die Wilderei. Die Preise für Elfenbein sind in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Die Folge: Allein 2012 wurden Schätzungen zufolge rund 12.000 Elefanten in Afrika abgeschlachtet und ihre Stoßzähne über die Grenzen geschmuggelt - hauptsächlich nach Asien.

Thailand gilt als Drehscheibe des internationalen Elfenbeinhandels, denn dort ist der Handel mit heimischem Elfenbein erlaubt. Eingeschmuggeltes Rohmaterial wird als thailändisches ausgegeben, verarbeitet und dann legal weiterverkauft, vor allem nach China. Dem will die thailändische Regierung nun offenbar einen Riegel vorschieben, stiftete mit widersprüchlichen Ankündigungen allerdings Verwirrung.

Premierministerin Yingluck Shinawatra stellte zum Auftakt der Cites-Artenschutzkonferenz in Bangkok am Sonntag zunächst ein Verbot des Elfenbeinhandels in Aussicht: Man werde daran arbeiten, "die nationalen Gesetze mit dem Ziel zu ändern, dem Elfenbeinhandel ein Ende zu setzen", sagte Yingluck Shinawatra in ihrer Eröffnungsrede.

Ihr Umweltminister betonte später jedoch, man wolle den Handel mit legalem heimischem Elfenbein nicht generell verbieten. Die Regierung plane vielmehr, alle Elefanten und Händler zu registrieren. Die rund 4000 Zuchttiere sollen fotografiert und ihre DNA festgestellt werden, sagte Rohstoff- und Umweltminister Preecha Rengsomboonsuk vor der Presse. Dann lasse sich bei jedem Elfenbeinprodukt prüfen, ob es tatsächlich aus heimischen Beständen stamme.

Rund 2000 Delegierte der 178 Unterzeichnerstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) beraten in Bangkok bis zum 14. März, welche Tiere und Pflanzen besser geschützt werden sollen und bei welchen das Handelsverbot gelockert werden kann. 35.000 Arten unterliegen derzeit Handelsbeschränkungen. Bei drei Prozent davon ist der Handel völlig verboten. Dazu gehören Tiger, Nashorn und Orchideenarten. Deutschland setzt sich dafür ein, dass der Handel mit bestimmten Haien und Mantarochen reguliert wird.

Menschenaffen-Handel stark gestiegen

Mitarbeiter des Uno-Umweltprogramms (Unep) warnten zudem vor einem starken Anstieg des illegalen Handels mit Menschenaffen. Mehr als 22.000 Tiere seien seit 2005 von Wilderern aus Wäldern in Afrika und Asien gestohlen worden. 64 Prozent waren Schimpansen, heißt es in dem Bericht, den die Unep am Montag in Bangkok vorlegte. Danach fallen dem illegalen Handel jedes Jahr rund 3000 Menschenaffen zum Opfer.

Unep und die Mitgliedsländer der "Great Apes Survival Partnership" (Grasp) haben in der Zeit von 2005 bis 2011 fast 2000 Fälle von Menschenaffen-Wilderei dokumentiert. "Das ist nur die Spitze des Eisbergs", heißt es in dem Bericht. "Das Ausmaß der Wilderei zeigt, dass die internationale Gemeinschaft und Organisationen, die gefährdete Arten schützen, auf der Hut sein müssen, um denen, die von diesen illegalen Aktivitäten profitieren, einen Schritt voraus zu sein", sagte Unep-Exekutivdirektor Achim Steiner.

Die Menschenaffen stehen im Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) im Anhang I. Damit ist jeglicher Handel verboten. Dennoch werden die Tiere dem Bericht zufolge von zwielichtigen Zoos und Touristenveranstaltern gekauft. An Mittelmeerstränden werden sie demnach für Fotos mit Touristen benutzt, in asiatischen Safariparks treten sie beim Schauboxen an. Neureiche schmückten sich gerne mit exotischen Haustieren. Seit 2007 seien allein aus Guinea 130 Schimpansen und zehn Gorillas mit falschen Papieren nach Asien geschafft worden. 2006 habe ein Safaripark in Thailand eingeräumt, dass er auf Borneo und Sumatra 54 Orang-Utans gekauft hat.

"Menschenaffen sind wichtig für die Gesundheit der Wälder", sagte Grasp-Koordinator Doug Cress. "Wenn nur 10 oder 20 Tiere aus einem Gebiet gestohlen werden, hat das riesige Auswirkungen auf die Artenvielfalt." Die Ermittler haben es laut dem Bericht immer öfter mit organisierten Verbrecherbanden zu tun, die auch Waffen und Drogen schmuggeln und Geld in großem Stil waschen. In Kamerun wurde ein lebender Schimpanse eingequetscht in einer Ladung zwischen Marihuana-Säcken entdeckt.

Die Banden seien raffiniert, heißt es in dem Bericht weiter. Nur 27 Verdächtige wurden zwischen 2005 und 2011 in Afrika und Asien festgenommen. Die Gewinnspannen der Mittelsmänner lägen bei bis zu 400 Prozent. Orang-Utans brächten 1000, Gorillas 400.000 Dollar ein.

mbe/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Mal wieder so tun als ob.
Altesocke 04.03.2013
"Dem will die thailändische Regierung nun offenbar einen Riegel vorschieben, stiftete mit widersprüchlichen Ankündigungen allerdings Verwirrung. " Da haengt viel zuviel Geld dran, und viel zu viele einflussreiche Thais mit drinn. Das ist aehnlich zu sehen, wie diese haeufigen Zerstoerungen von Faelschungen. In der naechsten Strasse, auf dem naechsten Markt, werden weiter Kopien an verkauft. Klasse auch haeufig bei den werbewirlksamen Photoshootings: Die verwendeten Sonnenbrillen sind aus der 'zerstoerten Masse' des letzten Events. Wie auch ein Teil der kurz danach in Umlauf gebrachten Ware.
2. Was heißt da Wilderer?
unbestechlicher 04.03.2013
Es sind einfach Jäger. Ich kenne auch Jäger die Stoßzähne rumstehen haben. Woher die kommen kontrolliert doch niemand richtig. Für etwas Bakschisch kriegen die alle Dokumente. Der Abschuss muss grundsätzlich für alle Tiere verboten werden. Wer glaubt denn den Unsinn das kontrollierte Jagd die Natur in diesen Ländern schützen würde. Völliger Unsinn. Die Jagdveranstalter sind aus dem Westen und die Jäger ebenfalls. Die Abgaben landen in dunklen Kanälen korrupter Regierungsbeamter. der geringste Teil geht tatsächlich in Naturschutzprojekte. Bei den Abschussgebühren müßten die sonst im Geld schwimmen wenn man sich die ganzen Jagdtourismusangebote ansieht.
3. Gehen ...
emeticart 04.03.2013
... sie mal, in den entsprechenden Ländern, auf einen Markt. Dann wird auch dem dümmsten Optimisten klar, dass nichts, aber auch gar nichts zu regulieren ist. Es muss ganz klar, ein totales Jagdverbot für alle Tiere her. Anders ist die Natur nicht zu retten. Aber das, ist und bleib eine reine Utopie und meine Kinder, werden ihren Kindern, nur noch Zootiere zeigen können und dazu erzahlen, dass früher solche Tiere in der frein Natur leben. Der Mensch, ist halt das dümmste, verlogenste und gewalttätigste Lebewesen auf diesem Planeten. MfG
4.
thanks-top-info 05.03.2013
kaum zu glauben das man zig Jahre an einem Elefanten fürs Elfenbein züchtet. Sieht mir ganz nach Ablenkung aus, so das das sonstige gehandelte EBein nicht gleich auffällt
5.
der_namenslose 05.03.2013
Zitat von unbestechlicherEs sind einfach Jäger.
Nein, es sind Wilderer. Sie töten die Tiere ohne Abschusserlaubnis. Jäger kaufen eine solche für teuer Geld. Dann kennen Sie aber seeehr reiche Jäger... Oder die Zähne sind uralt. Die Einfuhr nach Europa wird sehrwohl sehr streng kontrolliert. Und wie soll man dann Überpopulationen begegnen? In D klappts doch auch sehr gut. Nur sind es nicht westliche Jäger, die in Naturschutzgebieten wildern. Es sind Einheimische, die den vorwiegen asiatischen Markt beliefern. Möglich. "in Geld schwimmen" ist immer Relativ. Mir währe auch ein riesiger Jagdtourissmus unbekannt, die Zeit der großen Safaries ist vorbei.
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