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CO2-Einsparungen: Milliardär will Schifffahrt zur Öko-Revolution verdonnern

Aus Cancún berichtet

Schifffahrt: Effizienzklassen für Ozeanriesen Fotos
REUTERS

Rund 90 Prozent des Welthandels werden per Schiff abgewickelt - um Klimaschutz hat sich die Branche bislang jedoch kaum gekümmert. Während die Politik an Lösungen scheitert, will nun eine private Initiative für Verbesserungen sorgen. Dahinter steckt ein prominenter britischer Milliardär.

Wer einen Kühlschrank ersteht, kennt das Prinzip: Ein Aufkleber verrät, ob das ausgewählte Gerät ein Öko-Musterschüler oder doch eher ein fieser Stromfresser ist. Ein gutes Gewissen können sich Käufer bei Energieeffizienzklasse A leisten, doch manche Geräte kommen auch mit einer weit schlechteren Note daher. Eine neue Datenbank, die auf dem Klimagipfel in Cancún vorgestellt wurde, soll dieses Prinzip nun auf die internationale Schifffahrt übertragen.

Etwa 90 Prozent des Welthandels werden über die Meere abgewickelt. Doch bisher hat sich die Branche wenig um den Klimaschutz gekümmert - unter anderem weil sie wegen ihres internationalen Charakters weder vom Kyoto-Protokoll noch vom EU-Emissionshandelssystem betroffen ist.

Nun soll die Reise zur See dennoch umweltfreundlicher werden. Egal ob Fähre, Containerfrachter, Öltanker oder Kreuzfahrtriese: In einer neuen Datenbank der britischen Organisation Carbon War Room ( www.shippingefficiency.org) finden sich die Angaben von insgesamt 60.000 Schiffen. Das ist immerhin gut die Hälfte von dem, was auf den Weltmeeren unterwegs ist.

Die Angaben basieren auf dem sogenannten Energy Efficiency Design Index, den die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) in London errechnet. Der Clou der Datenbank: Die Angaben jedes Schiffes werden mit den Informationen der direkten Konkurrenz in Beziehung gesetzt. Das Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2", zum Beispiel, bekommt auf diese Weise die Bestnote "A". Währenddessen muss sich das betagte Traumschiff "MS Deutschland" wegen des vergleichsweise hohen CO2-Ausstoßes mit einem "C" zufrieden geben.

Allerdings übten sich die Macher der Datenbank in den vergangenen Tagen noch im Feintuning. Die Benotung mancher Schiffe, etwa der "MS Deutschland" und des Luxusliners "Queen Mary 2", änderte sich nach einer Neuberechnung der Indizes. So hatte die "Queen Mary 2" anfangs nur ein "E", und das Traumschiff ein "D". Inzwischen sollen die Bewertungen aber stimmen, sagte ein Sprecher von shippingefficiency.org auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Der Schifffahrtssektor ist nach Angaben der IMO aktuell für knapp drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Und weil die Branche wächst, wird das Problem drängender: Bis zum Jahr 2050 könnte sich der CO2-Ausstoß demnach um den Faktor zwei bis drei erhöhen. Wäre die marine Transportindustrie ein Land, dann würde sie bereits jetzt an sechster Stelle der Treibhausgasproduzenten rangieren. Dazu kommen umweltgefährdende Emissionen an Schwefel- und Stickoxiden sowie Ruß.

Geld verdienen und CO2 einsparen

Bei den Internationalen Klimagesprächen wird zwar immer wieder darüber debattiert, Schiffsdiesel zu besteuern und so Geld für weltweiten Klimaschutz einzusammeln. Doch das Vorhaben kommt kaum vom Fleck. "Die Grundwidersprüche sind noch nicht ausgeräumt", beschreibt ein deutscher Klimadiplomat den aktuellen Stand der Verhandlungen.

Strittig ist zum Beispiel, ob Entwicklungsländer ebenfalls Steuern auf den Treibstoff zahlen müssten. Im Vergleich zu Flugzeugen oder Autos sind Schiffe zwar die effizienteren Transportmittel für Güter - aber viele von ihnen haben trotzdem ein dramatisches Optimierungspotenzial. Das liegt auch daran, dass Schiffseigentümer oft billigen Treibstoff mit besonders miesen Umweltwerten einsetzen - schließlich gibt es keine Strafsteuern.

Die Betreiber der Datenbank gehen trotzdem davon aus, dass die Schifffahrtsbranche ihre Energieeffizienz insgesamt um rund 30 Prozent steigern kann. Denn effizientere Schiffe böten auch größere Gewinnmöglichkeiten: "Die Schifffahrt ist einer der Bereiche, wo man gleichzeitig Geld verdienen und CO2 einsparen kann", sagt Peter Boyd vom Carbon War Room.

Hinter der Organisation steckt übrigens der britische Milliardär Richard Branson. Das mag auf den ersten Blick etwas anrüchig wirken, verdient der sein Geld doch unter anderem mit einer Fluggesellschaft.

Neue Generation von Schiffen

Die Luftfahrt gilt als wenig klimafreundlich, entsprechende Vorwürfe muss sich auch Bransons Firma, die Touristenflüge an den Rand des Weltraums veranstaltet, gefallen lassen. Doch der Brite, von der Queen geadelt, müht sich tatsächlich um eine bessere Welt: Er widmet sich nicht nur dem Kampf gegen Aids, sondern auch der Förderung regenerativer Energien.

Nun will er mit seiner Organisation also die Schifffahrtsindustrie aufmischen. "Die Schiffe von morgen werden sich sehr stark von den heutigen unterscheiden", sagt Peter Boyd. Bessere Anstriche sollen für weniger Reibung im Wasser sorgen. Und modifizierte Schiffsschrauben, eine computeroptimierte Routenführung und Segel wie das in Deutschland entwickelte Skysail könnten den Treibstoffverbrauch der weltweiten Flotten noch weiter senken.

John Kornerup Bang von der Reederei Maersk erklärt, dass sich in seinem Unternehmen bereits jetzt rund 100 Mitarbeiter mit der stetigen Nachrüstung der Flotte befassen. Die Firma habe außerdem gerade den CO2-Ausstoß ihrer rund 500 Schiffe unabhängig begutachten lassen. So ist gesichert, dass die Angaben in der Datenbank auch tatsächlich korrekt sind.

Schon jetzt gibt es erste Interessenten, die Daten des Carbon War Room auch praktisch anwenden wollen - im Kampf gegen schwimmende Dreckschleudern. So unterstützt der Hafen von Los Angeles das Projekt.

Und auch Papua Neuguineas Klimabeauftragter Kevin Conrad sagt auf dem Gipfel von Cancún: "Wir werden die Rankings nutzen, um unsere Hafengebühren anzupassen." Schmutzige Schiffe müssen dann also mehr bezahlen als Konkurrenten mit guten Öko-Werten.

Ein Problem bleibt freilich bestehen: Bereits jetzt ist der Schadstoffausstoß der internationalen Flotte sehr ungleich verteilt. Die dreckigsten 15 Prozent der Schiffe sorgen nämlich für die Hälfte der Emissionen. Mag sein, dass sich diese Schmutzfinken auch nicht von der neuen Datenbank beeinflussen lassen.

Mitarbeit: Holger Dambeck

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1. Energieeffizienzklasse Kühlschrank
phboerker 07.12.2010
"Ein gutes Gewissen können sich Käufer bei Energieeffizienzklasse A leisten, doch manche Geräte kommen auch mit einer weit schlechteren Note daher." Ahem, die aktuell *schlechtesten* Kühlschränke am Markt haben eine Energieeffizienzklasse "A", die besseren Geräte haben "A+", "A++" und ab 2011 "A+++", was die extrem industriefreundliche ursprüngliche Klassifizierung von "A" bis "G" unterstreicht, die auch wirklich kein Gerät mit dem Stigma des Energieverschwender belasten sollte... Geräte mit "B" oder schlechter gibt es faktisch am Markt nicht mehr.
2.
Hesekiel, 07.12.2010
Zwar bietet die Schifffahrt mit ihrem Schmuddelkraftstoff Schweröl (HFO) große Potentiale für Einsparungen an Emissionen, allerdings nicht ad hoc. Schiffsmaschinen für "grüne Kraftstoffe" werden kaum nachgefragt, sind somit geringer optimiert und verfügbar. Und wer eine solche Umrüstung doppelt, an der Ladentheke sowie an der Zapfsäule (aufgrund des steigenden Bedarfs höherwertiger Treibstoffe) bezahlt ist jawohl jedem klar. Clown Kunde. Nebenbei ist die Schifffahrt immer noch die Transportbranche mit der geringsten Umweltbelastung je transportierter Tonne Güter. Luftfahrt und LKW-Transport sind viel ineffizientere Systeme, auch unter dem Aspekt des Umweltschutzes.
3. Was nun?
wakaba 07.12.2010
Und dann wohin mit dem HFO? Stapeln? Das Zeugs fällt in den Raffinerien gigatonnenweise an.
4. ....
arne_zbl 07.12.2010
Zitat von phboerker"Ein gutes Gewissen können sich Käufer bei Energieeffizienzklasse A leisten, doch manche Geräte kommen auch mit einer weit schlechteren Note daher." Ahem, die aktuell *schlechtesten* Kühlschränke am Markt haben eine Energieeffizienzklasse "A", die besseren Geräte haben "A+", "A++" und ab 2011 "A+++", was die extrem industriefreundliche ursprüngliche Klassifizierung von "A" bis "G" unterstreicht, die auch wirklich kein Gerät mit dem Stigma des Energieverschwender belasten sollte... Geräte mit "B" oder schlechter gibt es faktisch am Markt nicht mehr.
Die Geräte mit "B" oder schlechter gabs am Anfang dieser Klassifizierung. In sofern hat es schon was gebracht, wenn diese mittlerweile vom Markt verschwunden sind. Generell ist es ein Schritt in die richtige Richtung, mehr kann man momentan eh nicht erwarten. Nur mal eine Beispielrechnung (korrigieren Sie mich, wenn ich was übersehen habe): in der Fotoshow wird von 122kg / Seemeile für die Oasis of the Seas gesprochen. Wie viele Passagiere fasst diese? Ich ging mal von 2.500 aus. Wären pro Passagier und Seemeile 48,8g CO2-Ausstoß. Auf einen Kilometer gerechnet sind dies (durch 1,85) etwa 27g. Also auch nicht mehr als bei einem vollbesetzten Auto. Ich finde diesen Wert sogar recht ok. Hätte mit mehr gerechnet.
5. Klimaschutz
Holzhausbau 07.12.2010
Zitat von sysopRund 90 Prozent des Welthandels werden per Schiff abgewickelt - um Klimaschutz hat sich die Branche bislang jedoch kaum gekümmert. Während die Politik an Lösungen scheitert, will nun eine private Initiative für Verbesserungen sorgen. Dahinter steckt ein prominenter britischer Milliardär. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,733283,00.html
Klimaschutz ist eine Sache. Umweltverschmutzung durch Schiff-Fahrt (ich hasse die neue Rechtschreibung)allgemein, wir überhaupt nicht beachtet. Keiner weiß was so alles verklappt wird auf hoher See und was da schnell mal entsorgt wird - sieht ja keiner. Plastikmüll, radioaktives Material, Öl, giftige Abfälle aller Art, Lärm-Emission .... Die Meere sind die Müllkippen der Welt! Leider sind sie auch die Speisekammern der Welt. Der Mensch - die "Krone der Schöpfung" ist an Dummheit nicht zu überbieten!
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Fotostrecke
Klimagipfel: Kampf um die grüne Lunge

Weniger CO2 durch Emissionshandel
Kohlendioxid-Reduktion
AP
Die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls wollen den Ausstoß von Klimagasen reduzieren. Die Europäische Union etwa hat sich verpflichtet, ihre Gesamtemissionen in den Jahren 2008 bis 2012 gegenüber dem Stand des Jahres 1990 um acht Prozent zu senken. Deutschland will bis 2012 rund 21 Prozent weniger CO2 ausstoßen als noch 1990.

Durchschnittlich wollen die Kyoto-Vertragsstaaten zunächst bis 2012 durchschnittlich 5,2 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als im Durchschnitt des Jahres 1990. Sechs Treibhausgase werden in einem Zusatz zum Protokoll genannt: Kohlendioxid, Methan, halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs), Perfluorkohlenwasserstoffe (PFCs), Lachgas (Distickstoffmonoxid) und Schwefelhexafluorid.
Verschmutzung nach Ländern
AP/ NASA
Über den Handel mit Abgasrechten sollen Industrie und Energieerzeuger zu Einsparungen beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) gezwungen werden. Dafür wurde EU-weit das European Trading Scheme (ETS) eingeführt. Darin wird auch festgelegt, welche Regierungen wie viele Verschmutzungsrechte verteilen dürfen.

Die nationalen Regierungen teilen Energiesektor und Industrie diese Abgasrechte für jeweils eine Handelsperiode zu. In Deutschland erfolgte dies bislang gratis, künftig wird ein Teil der Zertifikate auch versteigert. Firmen, die mehr CO2 ausstoßen als erlaubt, müssen Strafe zahlen. Verkehr, Haushalte, Gewerbe, Handel und der Dienstleistungssektor müssen an dem System bislang nicht teilnehmen.
Verknappung und Handel
AFP
Fehlende Berechtigungen müssen an der Börse gekauft oder der CO2-Ausstoß muss über Modernisierungen entsprechend reduziert werden. Wer viel Treibhausgas einspart, kann mit dem Verkauf von Zertifikaten Geld verdienen.

Die geplanten Zuteilungen werden in Deutschland im sogenannten nationalen Allokationsplan (NAP) zugewiesen. Der erste NAP deckte die Handelsperiode von 2005 bis 2007 ab. Der NAP II läuft von 2008 bis 2012. Pro Jahr werden der Energiewirtschaft und der Industrie Emissionsrechte für 453 Millionen Tonnen CO2 zugestanden.

Kritiker fordern, dass die Zertifikate höchstbietend versteigert und nicht verschenkt werden sollen. Ebenso wird gefordert, weitere Quellen von Klimagasen in das System einzubeziehen, beispielsweise den Flugverkehr.

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