CO2-Emissionen Das Problem Öl erledigt sich von selbst

Die ausgehenden Ölvorräte tragen dazu bei, dass die schlimmsten Klimaszenarien womöglich nicht eintreten werden. Diesen Schluss ziehen Nasa-Forscher aus Emissions-simulationen bis zum Jahr 2100. Die Hauptbedrohung fürs Klima geht demnach von der Kohleverbrennung aus.


385 Teilchen pro eine Million (ppm) - so hoch ist derzeit die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre. Vor Beginn des Industriezeitalters lag der Wert bei 220 ppm. Seitdem hat die Menschheit Millionen Tonnen Kohle, Erdöl und Gas verbrannt - und so die Konzentration des Klimakillers nach oben getrieben. Wenn die Menschheit so weiter macht wie bisher, drohen ppm-Werte über 500 und eine dramatische Erwärmung.

CO2-Werte der Atmosphäre bis 2100: Nur bei "Business as usual" (BAU) wachsen die Werte ungehemmt, bei allen anderen Szenarien fallen sie bis 2080 unter 450 ppm
NASA / Kharecha and Hansen

CO2-Werte der Atmosphäre bis 2100: Nur bei "Business as usual" (BAU) wachsen die Werte ungehemmt, bei allen anderen Szenarien fallen sie bis 2080 unter 450 ppm

Nasa-Forscher haben nun untersucht, wie sehr die zur Neige gehenden Öl- und Gasvorräte der Erde den Klimawandel beeinflussen. Pushker Kharecha und James Hanson vom Goddard Institute for Space Studies in New York kommen dabei zu einem verblüffenden Ergebnis. Öl und Gas reichen kaum aus, um die CO2-Konzentration auf jene Werte zu heben, die als besonders kritisch für das Weltklima gelten. Dies berichten die Forscher im Fachblatt "Global Biogeochemical Cycles".

"Selbst wenn wir von den höchsten Schätzungen und keinerlei Emissionsrestriktionen für konventionelles Öl und Gas ausgehen, dann reichen die vorhandenen Vorräte nicht aus, um die Schwelle von 450 ppm zu überschreiten", sagte Kharecha. Beide Forscher verweisen auf frühere Studien, die ergeben hatten, dass der Klimawandel besonders drastisch ausfällt, wenn der Wert von 450 überschritten wird.

Kharecha und Hanson haben mehrere Szenarien entwickelt, um die Auswirkungen von Peak Oil zu untersuchen. Als Peak Oil wird der absolute Höhepunkt der jährlichen Ölförderung bezeichnet, der bislang noch nicht erreicht wurde. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Ölproduktion weltweit kontinuierlich gestiegen. Ausgebeutete Ölfelder und die immer aufwendigere Förderung werden eines Tages dazu führen, dass die geförderte Ölmenge zurückgeht - darüber sind sich Experten einig. Die Frage ist nur, wann Peak Oil erreicht wird.

In den Szenarien nehmen Kharecha und Hanson an, dass der Höhepunkt der Ölförderung spätestens bis 2040 erreicht ist. In einer der fünf Modellrechnungen gehen sie von einem unveränderten Ansteigen der Emissionen aus ("Business as usual"), in anderen Rechnungen werden Reduktionen des CO2-Ausstoßes bei der Kohleverbrennung berücksichtigt und ein früheres Eintreten von Peak Oil angenommen.

Ergebnis: Beim Modell "Business as usual" würde die CO2-Konzentration ab dem Jahr 2035 die Grenze von 450 ppm überschreiten - und danach weiter wachsen (siehe Diagramm). Bei allen anderen vier Szenarien erreichte der Kohlendioxidausstoß irgendwann einen Höhepunkt, sank jedoch bis spätestens 2080 auf Werte unterhalb der Marke von 450 ppm.

Die Forscher ziehen den Schluss, dass die massenhaft verfügbare Kohle das eigentliche Problem für das Klima der Erde ist. Die Vorräte reichen anders als bei Öl und Gas noch für Jahrhunderte. Kharecha und Hanson empfehlen deshalb, die Emission von CO2 aus der Kohleverbrennung mehr und mehr zu reduzieren. Dies sei mit bereits verfügbarer und noch zu entwickelnder Technologie möglich.

hda



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