Klimaschutz-Rangliste 17 Konzerne senken Treibhausgas-Ausstoß deutlich

BMW, Daimler, Bayer: Die Konzerne stoßen große Mengen Treibhausgase aus - und landen doch an der Spitze einer Umwelt-Rangliste für Deutschland, Schweiz und Österreich. Der Wettbewerb soll Klimaschutzmaßnahmen belohnen.

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Werk der Bayer AG im Chemiepark in Leverkusen: "Emissionsverringerungen und Umweltschutz-Reformen belohnen"
DPA

Werk der Bayer AG im Chemiepark in Leverkusen: "Emissionsverringerungen und Umweltschutz-Reformen belohnen"


Hamburg/München - Die Umweltorganisation CDP hat 350 börsennotierte Unternehmen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich auf ihre Klimaschutz-Maßnahmen getestet. Bewertet wurde, wie effektiv sich Firmen bemühen, ihren Ausstoß an Treibhausgasen zu senken und wie bereitwillig sie Auskunft geben über ihre Aktivitäten zum Umweltschutz.

Am besten schnitten paradoxerweise Konzerne mit zumeist hohen Kohlendioxid-Emissionen (CO2) ab: Chemieriese Bayer, die Autobauer BMW, Daimler und der Energiekonzern EnBW landeten unter den ersten Fünf, zusammen mit der Commerzbank (siehe Tabelle unten).

"Mit dem Climate Performance Leadership Index wollen wir Emissionsverringerungen und Umweltschutzreformen belohnen", sagt Susan Dreyer von CDP (Carbon Disclosure Project). Entscheidend für den Index sei folglich nicht, wie viel CO2 eine Firma erzeugt, sondern ob sie ihren Ausstoß verringert.

Detaillierte Pläne erstellt

Bayer etwa wolle bis 2020 Energie zehn Prozent effizienter nutzen und seine Treibhausgasemissionen um ein Fünftel gegenüber 2012 senken. BMW habe für alle Firmenteile detaillierte Pläne erstellt, die den CO2-Ausstoß senken sollen. Daimler verfüge mittlerweile über ein "zentrales CO2 Projektteam". 17 Firmen hätten ihren Ausstoß an Treibhausgasen um mindestens vier Prozent gesenkt, darunter die Spitzenreiter.

CDP-Klimaschutz-Rangliste der größten Unternehmen
in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Unternehmen Land
Bayer AG Deutschland
BMW AG Deutschland
Commerzbank AG Deutschland
Daimler AG Deutschland
EnBW Energie Baden-Würtemberg AG Deutschland
Generali Deutschland Holding AG Deutschland
MAN SE Deutschland
Raiffeisen Bank International AG Österreich
RWE AG Deutschland
SAP AG Deutschland
SGS SA Schweiz
Siemens AG Deutschland
UBS AG Schweiz
Syngenta International AG Schweiz
VERBUND AG Österreich
Volkswagen AG Deutschland
Zurich Insurance Group Schweiz
187 der 350 befragten Unternehmen seien aufgrund positiv bewerteter Aktivitäten in den Index aufgenommen worden. Sie hätten 2013 zusammen 33 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart - das entspreche ungefähr der Menge, die der Berliner Autoverkehr in sechs Jahren erzeuge. Allerdings seien nur die Emissionen gesunken, die die Konzerne direkt erzeugten. Bei eingekauften Produkten seien 2013 drei Prozent mehr CO2 angefallen als 2012.

Welche Unternehmen haben den größten Nachholbedarf beim Klimaschutz? "Darüber reden wir nicht so gerne öffentlich, sondern lieber direkt mit den Unternehmen", sagt Dreyer. Handlungsbedarf gäbe es insbesondere bei Konzernen, die sich der Offenlegung ihrer Daten verweigert hätten. "Die größten Nicht-Teilnehmer waren Munich Re und Swatch", sagt Dreyer.

99 Firmen mit konkreten Plänen

Das CDP-Rating messe zu wenig Kriterien, erklärt Munich Re: "Es betrachtet nur eine Dimension der Nachhaltigkeit". Man habe sich deshalb gegen eine Teilnahme an der Umfrage entschieden. Swatch kann sich an keine Anfrage von CDP erinnern.

Mehr als zwei Drittel der an der Umfrage beteiligten Firmen hingegen hätten alle erforderlichen Angaben gemacht, erklärt CDP. 99 Firmen hätten konkrete Pläne, wie sie ihre Treibhausgasemissionen senken wollen.

Allerdings hätte lediglich ein Achtel der befragten Firmen befriedigende Auskünfte über die Abgase gemacht, die im Gefolge ihrer Lieferketten entstünden. Dabei machten diese Emissionen manchmal das Vierfache der direkten Emissionen eines Unternehmens aus. "Damit drohen die Anstrengungen wertlos zu werden, wenn man gleichzeitig bei klimaunfreundlichen Zulieferern etwa in Asien einkauft", sagt Dreyer.

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Historischer CO2-Ausstoß



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insgesamt 8 Beiträge
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professorA 16.10.2014
1. Lächerliche PR
Der deutsche Anteil am menschengemachten CO2- Ausstoß beträgt 0,000034%, was im Grundrauschen vollständig verschwindet. Wenn jetzt deutsche Firmen Millionen, vielleicht sogar Milliarden ausgeben, um hinter der 6. oder 7. Stelle hinterm Komma etwas zu ändern, so sollten sie wegen Geldverschwendung an den Pranger gestellt werden. Mit diesem Geld hätte man an echten Zukunftsinnovationen arbeiten können. Ebenso an den Pranger wegen sinnloser Geldverschwendung für nicht Messbares gehören die EU- Kommission und die Bundesregierung.
dritter_versuch 16.10.2014
2. Rechnen
Zitat von professorADer deutsche Anteil am menschengemachten CO2- Ausstoß beträgt 0,000034%, was im Grundrauschen vollständig verschwindet. Wenn jetzt deutsche Firmen Millionen, vielleicht sogar Milliarden ausgeben, um hinter der 6. oder 7. Stelle hinterm Komma etwas zu ändern, so sollten sie wegen Geldverschwendung an den Pranger gestellt werden. Mit diesem Geld hätte man an echten Zukunftsinnovationen arbeiten können. Ebenso an den Pranger wegen sinnloser Geldverschwendung für nicht Messbares gehören die EU- Kommission und die Bundesregierung.
Bei 200 Ländern auf dieser Erde ist der durchnittliche Anteil jedes Landes bei 0,5 %. Wie Sie dann auf 0,000034% für Deutschland (eine der größten Industrienationen dieser Erde) kommen, müssen Sie uns erklären.
pace335 16.10.2014
3.
Das ist doch nicht auf Deutschland bezogen, sondern da geht es um den CO2 Gehalt in der Atmosphäre. Ich muß Ihrem Vorredner absolut Recht geben, da hat sich eine riesen Geldvernichtungsmaschine entwickelt, die kaum mehr zu stoppen ist. Außerdem will diesen CO2 Hokuspokus gar niemand stoppen weil da echt eine menge Arbeitsplätze und seeehr viel Geld dran hängen.
halo_112 16.10.2014
4. Schönrederei. ..mal wieder
Deutschland investiert Milliarden um den Co2 Ausstoß zu reduzieren. 10000 km weiter wird dafür um so mehr verblasen. Allein die Tatsache, daß immer wieder solche Artikel zu sehen sind, beweist eindeutig, daß man die Menschen für dumm verkauft. Hauptsache die Deutschen setzen sich die Krone für die größte Geldvernichtung auf. Steckt diese Gelder doch bloß mal in die " freie Energie forschung". Problem gelöst.
spiegelleser987 16.10.2014
5.
Nun müsste die CDP auch über den CO2-Ausstoßes bei Solaranlagen nachfragen? Bereits 2007 haben Wissenschaftler z.B. der TU Berlin, der RWTH Aachen und andere das Problem festgestellt. "Eine CO2-freie Utopie mit 70 Prozent regenerativen Energien funktioniert also einfach nicht", sagt Mario Adam, Energiespezialist an der FH-Düsseldorf. "Photovoltaik-Boom sorgt für mehr CO2-Emissionen" http://www.heise.de/newsticker/meldung/Photovoltaik-Boom-sorgt-fuer-mehr-CO2-Emissionen-163051.html Und dabei ist es nicht nur CO2. Solarzellenherstellung erzeugt noch stärkere Treibhausgase: - Chlorwasserstoff: je Quadratmeter Solarmodul sind 5,5 kg HCl notwendig, das entspricht 2 kg CO2 - Siliziumkarbid: Siliziumkarbidverbrauch 1,2 kg je Quadratmeter Solarmodul, entspricht 9 kg CO2. - Silber: 10 Gramm je Quadratmeter Solarmodul; für Silberherstellung sind 1570 MJ/kg Energie erforderlich, entspricht 1,5 kg CO2 Dazu kommen noch: - Stickstofftrifluorid: Faktor 16600, d.h. 1g entspricht 16600 Gramm CO2 - Schwefelhexafluorid: Faktor 23900, d.h. 1 Gramm entspricht 23900 g CO2 Die Zunahme dieser stärkeren Treibhausgase in der Atmosphäre wurde bereits vor einigen Jahren durch Messungen an mehreren Orten nachgewiesen. Die Meldung kam in der Presse. Auf die Anmerkung, dass sich in der Nähe dieser Orte Solarzellenhersteller befanden, hat man verzichtet. Warum? Dazu kommen noch andere chemische Risiken: http://www.prevor.com/DE/sante/RisqueChimique/articles/photovoltaique/photovoltaique.php Bei der Umrechnung dieser zwingend notwendigen Chemikalien auf CO2 kommt man damit auf 513 kg CO2 je Quadratmeter Solaranlage. 94% des CO2-Ausstoßes werden somit durch die Solarzellenproduktion verursacht.
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