CO2-Reduzierung China nennt erstmals konkrete Klimaschutzziele

China hat sich bisher geweigert, verbindlichen Vorgaben zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes zuzustimmen. Doch nun hat ein staatliches Expertengremium erstmals konkrete Klimaziele genannt. Demnach sollen die CO2-Emissionen in dem Land ihr Maximum im Jahr 2030 erreichen.


Peking - Schon seit einiger Zeit ist China der größte Treibhausgasproduzent der Welt. Doch bei den Vorbereitungstreffen für den Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen weigert sich das Land bisher, verbindlichen Zielen zur CO2-Reduzierung zuzustimmen. Peking verweist - ähnlich wie Indien - darauf, dass vor allem die klassischen Industrieländer die aktuelle Situation verursacht hätten - und deswegen zuerst handeln müssten. "Der Westen ist verantwortlich für den Großteil des CO2, das sich in der Atmosphäre angereichert hat", sagte etwa der Sondergesandte Yu Qingtai im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Fabrik im nordchinesischen Tianjin auf (Foto vom Dezember 2008): Erstmals Reduktionsziele vorgestellt
DPA

Fabrik im nordchinesischen Tianjin auf (Foto vom Dezember 2008): Erstmals Reduktionsziele vorgestellt

Ein staatliches chinesisches Expertengremium hat nun aber eine Studie vorgelegt, die verbindliche Reduktionsziele vorschlägt - eine mögliche Trendwende. Mit einer entschiedenen Umweltpolitik könne China den Anstieg seiner Kohlendioxidemissionen ab 2020 zumindest bremsen, heißt es in eem Bericht der mächtigen Reform- und Entwicklungskommission und des Forschungszentrums für Entwicklung des Staatsrates. Auf diese Weise könne ein Höchststand des CO2-Ausstoßes um das Jahr 2030 erreicht werden, zitiert die Zeitung "China Daily" aus der Studie. Sollte China diese Ziele erreichen, könnte es seine Emissionen bis 2050 wieder auf den Stand von 2005 oder weiter verringert werden.

Massive Investitionen nötig

Die staatlichen Experten warnen, dass China nicht so weitermachen könne wie bisher. "Nur mit dem Einsatz von kohlenstoffarmen Technologien können Chinas Treibhausgasemissionen 2030 den Höchststand erreichen, andernfalls wird er hinausgezögert und das spätere Szenario nicht erreicht", zitierte die "China Daily" den Experten Jiang Kejun, der in dem Gremium sitzt. Massive Investitionen seien dafür notwendig.

Die Vorgaben dienen als Grundlage für die Vorbereitungen der Pekinger Regierung für den Klimagipfel in Kopenhagen. Dort soll Ende des Jahres ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll beschlossen werden. Einer der Kernpunkte des neuen Abkommens sind bindende Ziele für die Verringerung der Treibhausgase. Experten mahnen, dass die Erderwärmung ohne konkrete Zusagen der größten Klimasünder China und USA nicht wirksam bekämpft werden könne.

"Globale Macht geht mit globaler Verantwortung einher", hatte auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon im Juli bei einem Besuch in China erklärt. Ohne Peking werde es keine Einigung auf ein neues Abkommen geben. "Starke Signale" aus China würden den Verhandlungsprozess für Kopenhagen hingegen vorantreiben. Andere "Schlüsselstaaten" würden dadurch ermuntert, ebenfalls mehr für den Klimaschutz zu tun. Fortschritte Chinas bei nachhaltiger Wirtschafts- und Energiepolitik seien nicht nur für die Bewohner des Landes entscheidend, sondern für die ganze Welt.

chs/dpa

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