Klima: Wie die südlichen Meere Treibhausgas schlucken

Die Ozeane nehmen gigantische Mengen an Kohlendioxid auf - insbesondere auf der Südhalbkugel. Die Mechanismen haben Forscher jetzt nach eigenen Angaben entschlüsselt - und hoffen nun auf wertvolle Erkenntnisse über die Folgen des Klimawandels.

King George Island in der Antarktis: Kohlenstoffsenke in den südlichen Meeren Zur Großansicht
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King George Island in der Antarktis: Kohlenstoffsenke in den südlichen Meeren

Die Ozeane nehmen jedes Jahr ein Viertel des vom Menschen in die Luft geblasenen Kohlendioxids auf - und spielen deshalb eine Schlüsselrolle für die Zukunft des Weltklimas. Die Meere der Südhalbkugel gelten als größte CO2-Senke: Sie sind für 40 Prozent der Kohlendioxid-Aufnahme der Ozeane verantwortlich.

Jetzt haben Forscher nach eigenen Angaben herausgefunden, warum das so ist. Große Strudel und bis zu tausend Kilometer breite Strömungen sorgen dafür, dass die Ozeane südlich des 40. Breitengrads besonders viel Kohlendioxid aufnehmen, schreibt ein Team um Jean-Baptiste Sallée vom British Antarctic Survey in Cambridge im Fachmagazin "Nature Geoscience".

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Kohlendioxid nicht gleichmäßig aus oberen Wasserschichten in die Tiefe transportiert wird. Stattdessen gebe es einige Stellen, an denen eine Kombination aus Strömungen, Strudeln und Winden dafür sorge, dass der Kohlenstoff in tiefere Schichten gelange. Dort könne er dann Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte verbleiben.

An anderen Stellen würde wiederum Kohlenstoff aus der Tiefe an die Oberfläche transportiert. Unter dem Strich seien die südlichen Ozeane jedoch eine CO2-Senke. Nach Angaben der Forscher nehmen die Meere zwischen dem 35. und 65. Breitengrad pro Jahr das Äquivalent von 1,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid auf.

Zwischen Südamerika und dem Westen der Antarktis sinke besonders viel CO2 herab. Ein weiterer Schwerpunkt liege vor der Südküste Neuseelands. Auch zwischen der Südküste Afrikas und der Antarktis gelange viel im Wasser gelöstes CO2 in die Tiefe des Meeres. Im Dreieck zwischen Südafrika, Südaustralien und der Arktis hingegen wird auch viel Kohlenstoff wieder an die Oberfläche transportiert.

Indem sie die Mechanismen erforscht hätten, könnten sie nun auch besser einschätzen, wie der Klimawandel diesen Prozess beeinflusst, sagte Richard Matear, einer der Studienautoren. Denn das werde "definitiv" geschehen. Ihre große Rolle als CO2-Senke macht die Meere auch als Ziel von Geoengineering-Maßnahmen interessant. Ein umstrittener Ansatz ist, durch Düngung der Ozeane die Vermehrung von Algen und damit die CO2-Aufnahme zu beschleunigen.

wbr/Reuters/dpa

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