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Co2-Speicher Meer: Klimawandel verstärkt sich selbst

Die südlichen Weltmeere haben in den vergangenen Jahren immer weniger Kohlendioxid aufgenommen: Grund dafür sind immer stärkere Winde. Schuld daran ist nach Meinung eines internationalen Forscherteams der Mensch.

Eigentlich sollte es genau umgekehrt sein: Weil die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre zunimmt - nicht zuletzt wegen der Emissionen durch Industrie und Verkehr - sollte auch der Ozean mehr CO2 aufnehmen. Die Weltmeere gehören neben Wäldern zu den effektivsten Kohlendioxid-Schluckern unseres Planeten.

Pazifik: Abgeschwächte CO2-Aufnahmekapazität der Meere beobachtet
NASA/ JSC

Pazifik: Abgeschwächte CO2-Aufnahmekapazität der Meere beobachtet

Bislang haben diese sogenannten natürlichen Senken die Hälfte des menschengemachten CO2 aufgenommen und damit die Erderwärmung deutlich gebremst. Nun aber verliert zumindest im Südlichen Ozean rund um die Antarktis dieser segensreiche Prozess an Schwung - statt mehr wird immer weniger CO2 im Meer gebunden.

"Seit 1981 hat der Südliche Ozean weniger Kohlendioxid aufgenommen - fünf bis dreißig Prozent weniger pro Jahrzehnt - als Forscher vorhergesagt hatten", schreiben die Wissenschaftler um Corinne Le Quéré und Martin Heimann vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena im Wissenschaftsmagazin "Science".

Die Abschwächung sei auf zunehmende Winde in der Region zurückzuführen, die seit 1958 beobachtet werden. Durch die Winde würden tiefere, kohlendioxidreiche Wasserschichten an die Oberfläche gewirbelt, die dann Kohlendioxid in bestimmten Fällen sogar abgäben, erläuterte Heimann. Verursacht würden die immer stärkeren Winde durch den Menschen. "Man sieht, dass die Rückkopplung des Klimawandels in der Tat existiert", sagte Heimann.

Ein anderes Forscherteam hatte schon vor einigen Jahren die These formuliert, dass die Veränderungen in den Winden über dem Südlichen Ozean eine Folge der Ozon-Reduktion in der Stratosphäre in 10 bis 50 Kilometern sein könnten. Auch Veränderungen der Oberflächentemperatur könnten eine Rolle spielen - eine Folge des Klimawandels.

Aktuelle Klimamodelle sagen eine weitere Verstärkung dieser Winde im Verlauf des 21. Jahrhunderts voraus. Die Forscher nehmen deshalb an, dass der Südliche Ozean in den kommenden 25 Jahren immer weniger Kohlendioxid aufnehmen wird. Dies werde die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf Jahrhunderte hinaus beeinflussen, schreiben sie. Insgesamt hatten die Wissenschaftler Daten von elf Stationen im Südlichen Ozean und 40 Stationen an anderen Stellen ausgewertet.

cis/dpa

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