CO2-Speicherung im Ozean Algendüngung weniger wirksam als gedacht

Schlechte Nachrichten für Geo-Ingenieure: Die Düngung der Ozeane mit Eisen reduziert das Treibhausgas Kohlendioxid weit weniger als angenommen. Taugt das ohnehin umstrittene Mittel überhaupt im Kampf gegen die Erderwärmung?


Paris - Um das Weltklima zu retten, erwägen Wissenschaftler auch auch gezielte Eingriffe in geophysikalische Prozesse der Erde. Das Herumdoktern an Atmosphäre und Ozean, auch Geoengineering genannt, ist jedoch umstritten. Kann man beispielsweise mit der Düngung von Algen im Meer der Erdatmosphäre tatsächlich gefährliches Treibhausgas entziehen? Raymond Pollard vom britischen National Oceanography Centre in Southampton könnte darauf im Stil von "Radio Eriwan" antworten: "Im Prinzip schon, aber..." Neue Untersuchungen eines internationalen Forscherteams unter seiner Führung kommen nämlich zu dem Schluss, dass gerade einmal ein Prozent des von Algen zunächst gebundenen Kohlendioxids nach dem Absterben der Einzeller dauerhaft am Meeresgrund eingelagert wird.

Im Fachmagazin " Nature" berichten die Wissenschaftler, dass die Kohlenstoffspeicherung damit um den Faktor 15 bis 50 geringer ausfällt als bisher vermutet. Die Forscher hatten in den Jahren 2004 und 2005 im Rahmen des "Crozex"-Experiments die Produktion von pflanzlichem Plankton um die Crozet-Inseln im südlichen Indischen Ozean untersucht. In dem zu Frankreich gehörenden Gebiet, das 2200 Kilometer südöstlich von Südafrika liegt, bringen vulkanische Felsen große Mengen an Eisen ins Wasser ein. Dieses sorgt dafür, dass die Algen sprießen. Auf 120.000 Quadratkilometern entwickelt sich jedes Jahr eine natürliche Algenblüte, die ungefähr so groß ist wie Irland.

Bei Messungen in den Strömungen oberhalb und unterhalb der Inseln stellten die Wissenschaftler zwar fest, dass sich das Planktonaufkommen und damit die Bindung von Kohlendioxid in dem eisenreichen Wasser verdoppelt oder gar verdreifacht hatte. Doch eigentlich hatten sie viel größere Werte erwartet. "Von Hundert an der Oberfläche gebundenen Kohlenstoffteilchen kommt nur eines dauerhaft am Boden an", sagte der am Experiment beteiligte Forscher Richard Sanders. Der Rest werde zuvor wieder recycelt und mehr oder weniger schnell wieder freigesetzt. Damit sei klar: Die abgelagerte Kohlenstoffmenge auf dem Meeresgrund ist kleiner als in früheren Studien angenommen.

Einige Wissenschaftler gingen bislang davon aus, dass durch die Eisendüngung der Ozeane das Wachstum von Algen derart angeregt werden kann, dass diese große Mengen Kohlendioxid binden und beim Absterben auf den Meeresgrund transportieren können. Ein deutsch-indisches Experiment im Südozean will diesen Zusammenhang in diesen Tagen untersuchen. Das Vorhaben mit dem Namen " Lohafex" hatte zum Streit zwischen Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) geführt, der Bedenken gegen den Versuch hat. Meeresschützer Stephan Lutter vom WWF sprach im Interview mit SPIEGEL ONLINE von einem "fatalen Signal". Er sehe in dem Experiment einen Verstoß gegen internationale politische Beschlüsse.

Bei dem 40-tägigen Versuch, der mit dem Forschungsschiff "Polarstern" durchgeführt wird, düngen die Forscher auf rund 300 Quadratkilometern einen Wasserwirbel mit Eisen. Eine erste Düngung, bei der eine Eisensulfatlösung über einen größeren Gartenschlauch in 15 Meter Wassertiefe eingebracht wurde, ist bereits erfolgt. Nun wollen die Forscher das Wachstum der Blüte und später das Absinken der Algen beobachten. Gegebenenfalls wollen sie auch noch einmal nachdüngen. Wissenschaftler haben wiederholt vor den unkalkulierbaren Risiken massiver Eingriffe in die Ozeane gewarnt. Viele Forscher plädieren jedoch dafür, die Ozeandüngung genau zu untersuchen, bevor man sie endgültig verwirft.

In vielen nährstoffreichen, aber wenig produktiven Regionen des Ozeans scheint Eisenmangel ein wachstumsbegrenzender Faktor zu sein. Daher vermuten einige Forscher, durch künstliche Düngung mit Eisen das Algenwachstum in diesen Regionen ankurbeln zu können - und damit auch die Aufnahme des Treibhausgases Kohlendioxid, was positive Folgen für das Weltklima haben könnte.

chs/dpa/AFP



Forum - Geoengineering- ein Experiment mit ungewissem Ausgang?
insgesamt 292 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Rainer Helmbrecht 25.04.2008
1.
Zitat von sysopSoll der Mensch direkt in die Atmosphäre eingreifen, um die Erderwärmung zu bekämpfen? Geoengineering ist höchst umstritten. Wie ist Ihre Meinung?
Ja, ich bin dafür, wir sprengen unsere Welt und fangen noch mal ganz von vorne an, aber diesmal unter Vermeidung aller Fehler. Keine Äpfel, keine Schlangen;o). MfG. Rainer
grummeln, 25.04.2008
2.
Zitat von Rainer HelmbrechtJa, ich bin dafür, wir sprengen unsere Welt und fangen noch mal ganz von vorne an, aber diesmal unter Vermeidung aller Fehler. Keine Äpfel, keine Schlangen;o). MfG. Rainer
Wir müssen eh Platz für die interstellare Autobahn schaffen....
indosolar 25.04.2008
3. warum nicht ein Atomkrieg?
viele Vorteile, das Ruestungsarsenal waere abgebaut, der in die Atmosphaere geschleuderte Dreck, wuerde die Erde verdunkeln und am Ende wuerde es auch auch viel weniger von diesen Zweibeinern geben, die schon gar nicht mehr Zeitt und Infrastruktur haetten um die letzten Oelreserven zu verbrennen? Mal ehrlich, wann verstehen die Menschen endlich, das man den Teufel nicht mit dem Beezelbub austreiben kann?
Ein Belgier, 25.04.2008
4.
Klimarettung - die moderne Variante vom Turmbau zu Babel. Als hätte die Menschheit keine anderen Probleme als diesem Gespenst hinterher zu laufen.
Whisp 25.04.2008
5. Verschlimmbesserung
Zitat von sysopSoll der Mensch direkt in die Atmosphäre eingreifen, um die Erderwärmung zu bekämpfen? Geoengineering ist höchst umstritten. Wie ist Ihre Meinung?
Baaaaah.... schon wieder eine Verschlimmbesserung der Welt. FInger weg von so einem Unsinn. Die Erde hilft sich schon selber. Das hat sie ein paar Milliarden Jahre schon getan. Und jetzt kommen die Menschen udn meinen, dass sie ein System, was Zeitalter lang funktioniert hat, selbst in die Hand nehmen müssen... unsäglich...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.