Satellitenbild der Woche Gletscher auf dem Rückzug

Jahrzehntelang hielt der Columbia-Gletscher seine Größe. Dann zog er sich innerhalb weniger Jahrzehnte zurück. Der Vorher-nachher-Vergleich zeigt das Ausmaß des Eisverlusts.


Columbia-Gletscher
Der Columbia-Gletscher in Alaska ist ständig in Bewegung. Er fließt von der Südküste Alaskas, den Chugach Mountains, in die Columbia Bay und bedeckt auf rund 50 Kilometern Länge etwa 1150 Quadratkilometer. Doch das Eis schwindet, wie der Vergleich von zwei Satellitenaufnahmen zeigt.

Als die Briten den Gletscher 1794 das erste Mal untersuchten, reichte seine Schnauze bis zum nördlichen Ende der Heather Island, nahe der Mündung der Columbia Bay. Bis 1980 blieb das so, dann zog sich das Eis in großem Tempo zurück.

Das erste Satellitenbild des Columbia-Gletschers machte im Juli 1986 der Thematic Mapper (TM), ein Sensor an Bord des Satelliten "Landsat 5". 28 Jahre später, am 2. Juli 2014, schoss der Operational Land Imager an Bord von "Landsat 8" das nächste Foto. Der Vorher-nachher-Vergleich zeigt das Ausmaß des Eisverlusts.

Der westliche Gletscherarm hat sich deutlich zurückgezogen. Zuvor hatten einige Wissenschaftler gehofft, der Gletscherteil hätte sich 2011 stabilisiert. "Offensichtlich lagen wir falsch", zitiert die Nasa Shad O'Neel vom Alaska Science Center.

Als Anhaltpunkt für Prognosen zur Entwicklung eines Gletschers dient Forschern das Gestein unter dem Eis. Die verfügbaren Informationen hatten darauf hingedeutet, dass sich der Grund unter dem westlichen Gletscherarm über Meeresspiegel gehoben hatte, was den Rückzug des Eises verlangsamt hätte.

"Das war offensichtlich eine falsche Annahme in Anbetracht der Tatsache, dass die Gletscherschnauze nun drei Kilometer weiter hinten liegt als beim vermeintlichen stabilen Punkt", sagt Tad Pfeffer von der University of Colorado in Boulder. Warum der Gletscher so lange stabil geblieben ist und dann anfing, sich zurückzuziehen, sei ein großes Rätsel.

Prognose unmöglich

Offenbar bewegen sich sowohl der westliche als auch der östliche Gletscherarm derzeit mit einer Geschwindigkeit von fünf bis zehn Metern am Tag. Für den Columbia-Gletscher sei das langsam, im Vergleich zu anderen Gletschern aber schnell, berichtet die Nasa. Die aktuelle Geschwindigkeit hatten Forscher der University of New Hampshire und Kollegen an acht Tagen im Oktober gemessen.

Der Hauptarm des Gletschers hat sich dagegen seit 2012 kaum verändert - jedenfalls nicht in seiner Größe. Dafür fanden die Forscher bei ihren Untersuchungen im Oktober 2014 einen Zusammenhang zwischen den Bewegungen des Hauptarms und den Gezeiten in der Region. "Das zeigt, dass der Gletscher so dünn geworden ist und so geringe Bodenhaftung hat, dass sogar Gezeitenbewegungen beeinflussen, wie der Gletscher fließt", erklärt O'Neel.

Zwölf Kilometer des Gletschers werden durch die Gezeiten beeinflusst. Erst dort, wo das Gletscherbett über dem Meeresspiegel liegt und es keine Verbindung mehr zwischen Eis und Meer gibt, verschwindet der Effekt. "Dieses Verhalten weist darauf hin, dass der Hauptarm instabil ist und sich die Gletscherschnauze möglicherweise bald schnell zurückziehen wird", sagt Pfeiffer. Wie schnell oder wie wahrscheinlich das sei, ließe sich aber nicht sagen. "Wir wurden schon oft überrascht."

jme



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