Sonar von Schiffen und Hubschraubern Wie Militär-Lärm die Wale nervt

Sonare von Schiffen oder Hubschraubern verändern das Tauchverhalten von Cuvier-Schnabelwalen. Über hundert Kilometer weit stören die Signale die Tiere bei der Futtersuche.

Ein Schnabelwal-Kalb neben seiner Mutter
DPA/ Brenda K. Rone

Ein Schnabelwal-Kalb neben seiner Mutter


Sie sind Rekordhalter der Meere: Cuvier-Wale sind diejenigen Säugetiere, die am längsten und tiefsten tauchen können - bei Bedarf sind hundert Minuten unter Wasser kein Problem, in Einzelfällen geht es dabei auf Tiefen von knapp 3000 Metern hinunter.

Doch immer wieder stranden die Wale, oft auch in größeren Gruppen. Forscher versuchen noch immer zu verstehen, woran das genau liegt. Sie gehen davon aus, dass Sonarsignale eine Rolle spielen. Solche Geräte werden unter anderem bei der Ölsuche eingesetzt, aber auch durch das Militär.

Cuvier-Schnabelwale kommen in allen Ozeanen vor. Und Forscher um Erin Falcone von der Foundation for Marine Ecology and Telemetry Research berichten nun im Fachmagazin "Royal Society Open Science", wie genau Sonar die Tauchgänge der Tiere beeinflusst. Sie hatten 16 Wale vor der südkalifornischen Küste mit Sendern ausgestattet und beobachtet, wie diese auf Sonargeräusche militärischer Übungen reagieren.

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Die Tonimpulse im Wasser erzeugen ein Echo, wenn sie auf ein Objekt, zum Beispiel ein U-Boot, stoßen. Die Forscher konnten zeigen, dass sich Phasen der Tauchzyklen veränderten, wenn die Tiere den Schallimpulsen ausgesetzt waren. Die Cuvier-Schnabelwale blieben länger in der Tieftauchphase, durchschnittlich 90 statt 60 Minuten.

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Die Wissenschaftler vermuten, dass die Tiere am Ozeangrund Schallwellen meiden. Die Intervalle zwischen den tiefen Tauchgängen, bei denen die Wale Futter suchen, wurden größer. Dies könnte die Tiere langfristig schwächen, so die Forscher.

Die Daten könnten aber nicht erklären, warum in der Nähe von Orten, an denen Sonar eingesetzt wird, immer wieder Exemplare stranden. Diese gestrandeten Wale zeigen oft Symptome der Dekompressionskrankheit. Dabei sammeln sich Gasblasen im Körper, die das Gewebe zerstören. Die beim Menschen auch Taucherkrankheit genannte Reaktion entsteht durch sehr tiefes Tauchen - oder durch zu schnelles Auftauchen.

Während die Forscher das Verhalten der Wale im aktuellen Versuch beobachteten, nahmen sie mit Unterwassermikrofonen die Töne von zwei Sonartypen auf, die dort bei regelmäßigen Militärübungen verwendet werden: Lautere Sonare von Kriegsschiffen und leisere, die von Hubschraubern genutzt und als Boje ins Wasser abgeseilt werden. Zusätzlich bekam das Forscherteam die Aufzeichnungen über die Sonareinsätze vom Militär. Auch finanziell wurde die Studie von der US-Marine unterstützt.

Heftige Reaktion auf Hubschrauber-Sonar

Die Tiere reagierten der Studie zufolge bis zu einer Entfernung von hundert Kilometern zum Sonargerät. Die Reaktionen nahmen aber mit höherer Distanz ab. Im Durchschnitt reagierten die Wale auf das leisere Sonar der Hubschrauber heftiger und kamen ihnen auch näher. Die Forscher vermuten, dass die Wale den Schiffen ausweichen, von den Hubschraubern hingegen überrascht werden.

Geräuschbelästigung im Meer ist weltweit ein Problem für die Tierwelt. Etwa für das Mittelmeer gibt es sogar einen Lärm-Atlas. Auch in Deutschland untersuchen Wissenschaftler die Auswirkungen von Lärm auf Wale in der Nord- und Ostsee. Andreas Ruser, Biophysiker an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, erforscht insbesondere die Reaktion von Schweinswalen, die sich über das Gehör orientieren. Seine Experimente ergaben, dass diese Wale nach einer Sonarbeschallung ab einer bestimmten Schallenergie kurzzeitig schlechter hören.

Das Phänomen ähnele der Beeinträchtigung, die Menschen nach einem Discobesuch haben, so Ruser. Wale könnten im Allgemeinen wesentlich höhere Frequenzen hören als Menschen. Zwar sei es im Meer nie ganz still, so Ruser, aber laute Geräusche, wie Sonare, Explosionen oder seismische Untersuchungen könnten die Tiere stören oder verletzen.

chs/dpa



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