Südhessen Leichtes Erdbeben lässt Darmstadt wackeln

Es ruckelte kurz, war aber deutlich spürbar. In Südhessen hat ein relativ harmloses Erdbeben die Erde erschüttert. Dennoch riefen Dutzende besorgte Bürger die Polizei.

Erdbeben: Weltweit treten jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke 3 bis 4 auf
Corbis

Erdbeben: Weltweit treten jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke 3 bis 4 auf


Darmstadt - Ein kleines Erdbeben hat am Sonntagabend den Süden Hessens leicht erschüttert. Nach Angaben der Polizei hatte es eine Stärke von 3,2 auf der Richterskala. Das Zentrum des Bebens lag in Darmstadt. Die Polizei hatte keine Hinweise auf größere Sach- oder Personenschäden. Innerhalb kurzer Zeit seien aber mehr als 50 Notrufe besorgter Bürger bei den Ordnungshütern eingegangen.

Ein Erdbeben der Stärke 3,2 gilt als recht harmlos. Es ist nach Expertenangaben meist nur in der Nähe des Epizentrums zu spüren. Weltweit treten jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke 3 bis 4 auf. Etwa 800 haben die Stärken 5 oder 6. Ein Großbeben hat den Wert 8. Das heftigste bisher auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile. Ab einer Bebenstärke von 4 oder 5 kommt es mitunter zu leichten Schäden.

"Das Beben in Darmstadt hat wohl etwa zehn Sekunden gedauert", sagt Rainer Blum, pensionierter Geophysiker des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie in Wiesbaden, nach Ansicht der Seismogramme. "Bei solch einer Stärke ist mit Schäden nicht zu rechnen. Das müssten selbst schlechtgebaute Häuser wegstecken können."

Umgestürzte Blumenvasen

In Südhessen ereignen sich pro Jahr etwa ein halbes Dutzend Beben der Stärke 3. "Die kann man schon deutlich spüren. An Werktagen werden sie aber manchmal gar nicht wahrgenommen von der Bevölkerung", sagt Blum. In sozialen Netzwerken berichteten Betroffene aus Südhessen von wackelnden Einrichtungsgegenständen in ihren Wohnungen. Zum Beispiel seien Blumenvasen infolge des Bebens umgestürzt.

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Künstliche Katastrophen: Wenn der Mensch die Erde beben lässt
Bei der Messung von Erdbeben wird die Stärke der Bodenbewegung angegeben (Magnitude). Früher wurde die Erdbebenstärke einheitlich nach der Richterskala bestimmt. Der amerikanische Geophysiker Charles Francis Richter hatte die Skala 1935 speziell für Kalifornien ausgearbeitet. Heute wird die Skala nur noch eingeschränkt eingesetzt, auch weil das Verfahren nur bei Erschütterungen in der Nähe der Messstationen zuverlässige Werte liefert (Lokalmagnitude).

Mittlerweile werden mehrere Skalen parallel verwendet. Derzeit gilt die sogenannte Momentmagnitude als bestes physikalisches Maß für die Stärke eines Bebens. Sie bestimmt das gesamte Spektrum der seismischen Wellen bei Erdstößen. Die meisten Skalen ergeben zumindest bei schwächeren Beben ähnliche Werte wie die Richterskala, erlauben aber eine genauere Differenzierung bei schweren Beben.

Die schwersten Erdbeben
Die stärksten Beben seit 1900
1960 Chile, Valdivia , Stärke 9,5
1964 Großes Alaska-Beben , Stärke 9,2
2004 Seebeben vor Sumatra , Stärke 9,1
1952 Kamtschatka, Stärke 9,0
2010 vor Maule, Chile , Stärke 8,8
1906 vor Ecuador, Stärke 8,8
Todesopfer bei Beben
1976 China, Tangshan , offiziell 255.000 Tote, inoffizielle Schätzung: 655.000 Opfer
2004 Seebeben vor Sumatra , 227.898 Tote
2010 Haiti , nach offizieller Schätzung 222.570 Tote
1920 China, Haiyuan , 200.000 Tote
1923 Japan, Kanto, 142.800 Tote
1948 Turkmenistan, Ashgabat, 110.000 Tote
Historische Beben
1556 China, Shaanxi , 830.000 Tote
1976 China, Tangshan , offiziell 255.000 Tote, inoffizielle Schätzung: 655.000 Tote
1138 Syrien, Aleppo, 230.000 Tote
2004 Seebeben vor Sumatra , 227.898 Tote
2010 Haiti , Stärke 7,0, 222.570 Tote
856 Iran, Damghan, 200.000 Tote

Quelle: U.S. Geological Survey

jme/dpa



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