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"Deepwater Horizon": Ölpest schädigte Korallen noch in weiter Entfernung

Golf von Mexiko: Die Mega-Ölpest der USA Fotos
REUTERS/ U.S. Coast Guard

Die Havarie der Bohrplattform "Deepwater Horizon" hat offenbar größere Umweltschäden hinterlassen als bisher vermutet. Forscher haben jetzt schwere Schäden an Korallenkolonien dokumentiert.

Biologen haben die Umgebung der Bohrstelle systematisch untersucht, ihr trauriges Ergebnis: Die Ölpest nach der Explosion der Plattform "Deepwater Horizon" hat mehr Korallen geschädigt als bisher bekannt. Die US-Forscher entdeckten bei Kolonien im nördlichen Golf von Mexiko Schäden, die sie dem Unglück im Frühjahr und Sommer 2010 zuschreiben. Öl und die zu dessen Zersetzung verwendeten Chemikalien setzten den Tiefsee-Korallen noch in einer Entfernung von 22 Kilometern zu.

Bei dem Unglück strömten von April bis Juli 2010 riesige Mengen Öl und Gas ins Meer. Schon im November hatte eine Gruppe um Fisher von der Pennsylvania State University Schäden an Korallen am Ort MC294 (Mississippi Canyon) etwa 13 Kilometer südwestlich des Bohrlochs in 1370 Metern Tiefe entdeckt. Die Studie, die jetzt im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen ist, enthüllt nun ähnliche Auswirkungen an mindestens zwei weiteren Arealen mit ausgedehnten Korallenkolonien, MC297 und MC344.

Die Biologen suchten vor allem in der Umgebung der Bohrstelle systematisch nach Korallen - die in den Tiefen des Golfs von Mexiko wegen des überwiegend weichen Untergrunds eher selten sind. Sie fotografierten die gefundenen Gemeinschaften von einem ferngesteuerten U-Boot aus und analysierten die Bilder. An den meisten Stellen, speziell nördlich des Bohrlochs und in geringen Tiefen, fiel ihnen nichts auf. Doch an zwei Arealen mit bislang unbekannten Korallengemeinschaften fanden sie deutliche Schäden, etwa braune Verfärbungen und abgestorbene Skeletteile.

Bei MC297, sechs Kilometer südsüdwestlich der Unglücksstelle in knapp 1600 Metern Tiefe, waren 90 Prozent der rund 70 Octokorallen-Kolonien geschädigt. Zwei davon waren vollständig abgestorben oder komplett von Nesseltieren besiedelt. Bei MC344, 22 Kilometer östlich der Bohrstelle in etwa 1900 Metern Tiefe, fotografierten die Forscher 30 Korallenkolonien, an denen die Schäden jedoch weniger stark ausgeprägt waren.

Ursache seien entweder Öl oder chemische Dispersionsmittel. Weil die Korallenschäden oft nicht flächig auftraten, sondern fleckig verstreut waren, glauben die Forscher, dass der verursachende Stoff nicht gleichmäßig im Wasser verteilt war, sondern in Form von Mikrotröpfchen umhertrieb - offenbar vorwiegend erst ab einer Tiefe von 1000 bis 1300 Metern.

Erst im Mai hatten andere US-Forscher berichtet, dass - anders als bis dahin vermutet - das bei dem Unglück ausgetretene Methan damals bei weitem nicht vollständig von Bakterien abgebaut wurde. Demnach blieben die Methanwerte im Meer längere Zeit erhöht, größere Mengen des Treibhausgases gelangten vermutlich in die Atmosphäre.

nik/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1. BP muss das bezahlen.
bobrecht 28.07.2014
Zum einen hat BP den Schaden verursacht und zum anderen wird nur so sichergestellt, dass diese Explorer-Firmen künftig ausreichend vorsichtig agieren.
2. :-)
-volver- 29.07.2014
Zitat von sysopAPDie Havarie der Bohrplattform "Deepwater Horizon" hat offenbar größere Umweltschäden hinterlassen als bisher vermutet. Forscher haben jetzt schwere Schäden an Korallenkolonien dokumentiert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/deepwater-horizon-oelpest-schaedigte-korallenkolonien-a-983316.html
Nach nur einem Jahr hieß es doch schon, Bakterien hätten den ganzen Dreck verstoffwechselt... War doch klar dass das nicht so schnell und so einfach wird.
3.
minsch 29.07.2014
Die Maßnahmen der Ölpestbekämpfungen im Wasser waren ja von der Art, als wenn jemand die Küche so reinigt, dass zwar die Oberflächen anschließend glänzen, aber die Schränke und Geräte mit der Drecksbrühe vollaufen: Aus den Augen aus dem Sinn, war da das Motto. Deshalb auch der Großeinsatz von Chemikalien, die vor allem eines bewirken: Sie sorgen dafür, dass das Öl von der Wasseroberfläche verschwindet, aber die Mischung, die dadurch entsteht, hört dadurch ja nicht auf zu existieren, man sieht sie nur von oben betrachtet nicht mehr. Und beim Meer hat von wenigen Tiefseetauchrobotern abgesehen der Mensch, selbst als Taucher, nur eine Sichtrichtung: Von oben. Und zwar immer! Aber statt uns wegen der Sache noch großartig aufzuregen, was sowieso nichts mehr hilft, wäre es viel sinnvoller, zu überlegen, wie man eine Wiederholung unwahrscheinlicher machen kann und vor allem, wie man dafür sorgen kann, dass im Wiederholungsfall die Ölbekämpfungsmethoden selbst zu einer riesigen, zusätzlichen Ökokatastrophe werden, denn eines ist sicher: Der nächste Ölunfall dieser Art kommt bestimmt, wir wissen nur noch nicht wann! Wenn die nächste Katastrophe einsetzt, sollte also alles bereit stehen, damit man sie händeln kann, egal, ob es sich um entsprechende Gesetze oder das Vorhalten von ausgebildeten Mannschaften und Gerätschaften handelt, und zu tragen sind die Kosten der Vorhaltung von Fachkräften und Gerätschaften von denen, die auch an Tiefseebohrungen verdienen, ansonsten gibt es keine Lizenzen. Und natürlich haben die auch so finanziell vorzusorgen, dass es nicht passiert, dass sie wegen der Folgenbeseitigungskosten in die Insolvenz fallen und dann doch die Allgemeinheit die Kosten bezahlen muss: Das Öl wird dadurch teurer? Na und, die Folgeschäden solcher Katastrophen sind erheblich teurer, nur landen die nicht bei den Ölmultis sondern bei anderen. Damit muss Schluss sein, es muss wieder der alte Rechtsgrundsatz gelten, dass jemand, der durchaus legal etwas potentiell gefährliches macht, auch für die Schäden und ihre Beseitigung eintreten muss, die entstehen, wenn sich die Gefahr realisiert.
4.
Kaworu 29.07.2014
Bin gespannt wann die ersten BP-Spezies kommen und meinen, dass die Korallen nicht geschädigt sondern verbessert wurden. Solche Argumentation wäre nicht abwegig.
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