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Brasilien: Flipper hilft Fischer

Fischer und Delfine vor der Küste Brasiliens gehen zusammen auf Fischfang. Mit Erfolg - die Meeressäuger treiben die Beute ins Netz, zur Belohnung bekommen sie den Beifang und alle Reste. Warum nicht alle Tiere mitmachen und manche Tümmler besonders eifrig sind, gibt Forschern noch Rätsel auf.

Fischers Freund: Vor der Küste Brasiliens jagen Mensch und Tier gemeinsam Zur Großansicht
AFP

Fischers Freund: Vor der Küste Brasiliens jagen Mensch und Tier gemeinsam

Santa Catarina - Es ist eine lohnende Angelegenheit - für beide Seiten: Im Verbund treiben Delfine ganze Meeräschenschwärme in die Netze der Fischer vor der Küste Brasiliens. Gute Fanggebiete signalisieren die Großen Tümmler den Menschen beispielsweise per Flossenschlag. Ihr Vorteil daraus: Beifang und Reste als leicht gewonnene Mahlzeiten.

Forscher um Fábio Daura-Jorge von der Universität Santa Catarina haben die Auswirkungen auf das Sozialverhalten der Tiere beobachtet und untersucht; ihre Ergebnisse sind im Journal "Biology Letters" veröffentlicht.

Interessiert hat die Wissenschaftler aus Brasilien, England und Schottland vor allem, ob die Kooperation mit Menschen Einfluss auf das Verhalten innerhalb des Delfin-Schwarms hat. Denn nicht alle Tiere beteiligen sich an den Jagden. Von 35 beobachteten Delfinen waren 16 als Jagdhelfer aktiv, 19 hingegen hielten sich aus den Aktionen heraus.

Bei 15 der 16 Aktiven stellten die Wissenschaftler ein deutlich höheres Maß an sozialer Interaktion untereinander fest. Die Tiere verband eine sichtbare Gemeinschaft. Ein Tier entpuppte sich als echter Netzwerker: "Delfin Nummer 20" verbrachte sowohl mit den Fischer-freundlichen Artgenossen als auch mit den unbeteiligten Delfinen Zeit, die wiederum am häufigsten unter sich blieben.

Warum sich einige Delfine an der gemeinsamen Jagd beteiligten und andere nicht, konnten die Wissenschaftler nicht abschließend klären. Sie vermuten eine Kombination aus Veranlagung, Ökologie und sozialem Lernen. Wie bei Menschen gehen die Forscher bei den Delfinen von einer Wissensvermittlung von älteren zu jüngeren Tieren aus.

Nicht immer geht der Kontakt zwischen Angler und Delfin so lohnend aus. Wie aus einem Bericht der Vereinten Nationen hervorgeht, der von der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) mitfinanziert und erstellt wurde, gefährden Fischernetze und Fangleinen den Bestand vieler Zahnwalarten - dazu zählen auch Tümmler oder Schweinswale.

"Die weltweiten Bestände von Zahnwalen sind in den vergangenen zehn Jahren dramatisch geschrumpft", schreiben Experten in dem Bericht. Die Haupttodesursache bei Zahnwalen und kleinere Arten sei der Beifang.

Dem Report zufolge sind 86 Prozent der heute noch 72 Zahnwalarten bedroht. Die kleineren Zahnwale - zu denen neben den Delfinen unter anderem Schnabelwale zählen - sind nach Angaben der Organisation vom Beifang stärker betroffen als die großen Bartenwale

nik/dpa

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