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Kommunikation im Tierreich: Delfine rufen sich beim Namen

Delfine in Indonesien: Jedes Tier ruft in typischem Ton Zur Großansicht
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Delfine in Indonesien: Jedes Tier ruft in typischem Ton

Große Tümmler kopieren die Laute von verwandten und befreundeten Artgenossen - nicht aber die von Feinden. Forscher glauben, eine Erklärung dafür gefunden zu haben: Die Meeressäuger nutzen die Pfeiftöne offenbar als Rufnamen.

Delfine leben in engen Sozialverbänden. Schon kurz nach der Geburt entwickeln sie typische Laute, an denen ihre Artgenossen sie erkennen können. Umgekehrt kopieren die Meeressäuger die für einen bestimmten Delfin typischen Laute, um mit ihm zu kommunizieren. Eine Studie im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" zeigt nun: Diese Art der Kommunikation ist ein Zeichen enger Verbundenheit.

Die Wissenschaftler analysierten 10.219 Rufe wild lebender Delfine aus der Sarasota Bay an der Westküste Floridas und setzten sie in Bezug zur sozialen Verbindung der Tiere. Außerdem beobachteten sie das Kommunikationsverhalten von vier in Gefangenschaft lebenden Großen Tümmlern aus dem "The Seas"-Aquarium in Florida.

Das Ergebnis: Die Säugetiere kopieren nur Laute von Artgenossen, mit denen sie eine enge Freundschaft verbindet. "Interessanterweise ahmten sich nur Mütter und Kälber sowie befreundete erwachsene Männchen nach", sagt Stephanie King von der University of St. Andrews.

Die Studie lege nahe, dass Delfine nur mit solchen Artgenossen über Nachahmung kommunizieren, die sie wiedersehen wollen. "Die Tatsache, dass Große Tümmler sich gegenseitig rufen, wenn sie voneinander getrennt sind, unterstützt diese These", so King.

Zuvor war unklar, ob die Pfeiftöne nicht auch ein Zeichen von Aggression sein könnten. "Dass sich die Tiere rufen, zeigt auch, dass sie sich ihrer eigenen und der Identität ihres Gegenüber bewusst sind", erklärte Randall Wells vom Mote Marine Laboratory in Sarasota gegenüber WFLA-TV.

Den Forschern fiel außerdem auf, dass die Delfine winzige Veränderungen in die Rufkopien einbauen, so dass sich diese vom Original unterscheiden lassen. "Im nächsten Schritt werden wir Delfinen Aufnahmen ihrer eigenen Rufe vorspielen", so King. "Sollten sie auf diese reagieren, zeigt das eindeutig, dass sie die Laute nutzen, um sich gegenseitig anzusprechen."

jme

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1. Na das ist ja...
westernsheriff 08.03.2013
toll...
2. bewundernswert
tinosaurus 08.03.2013
Es überrascht mich nicht, dass Delphine untereinander kommunizieren und sicherlich intelligent sind. Schade nur, dass solche sensiblen Tiere immer noch gejagt werden. Japaner sind da völlig skrupellos.
3. Selbstbewusstsein und Schwermetall
dordom 08.03.2013
Zitat von tinosaurusEs überrascht mich nicht, dass Delphine untereinander kommunizieren und sicherlich intelligent sind. Schade nur, dass solche sensiblen Tiere immer noch gejagt werden. Japaner sind da völlig skrupellos.
Sind die Nuancen in der Stimmlage tatsächlich gewollt? Oder erzeugen Delfine auch perfekte Kopien der Laute des Gegenübers? @tinosaurus: Schade, dass das Meer mit Treibnetzen vieler globaler Unternehmen leergefischt wird. Ich habe mal gelesen, dass Delfinfleisch in Asien als Abfall angesehen und als minderwertige Ware für die Streckung von Walfleisch eingesetzt wird. Damit kann der Gewinn beim Walfleischverkauf vergrößert werden. Die Begründung für das Siegel "minderwertig" ist die hohe Belastung des Fleisches mit Schwermetallen.
4. Kopieren als sozialer Klebstoff
NewHuman 09.03.2013
Ein unwillkürliches Kopieren von Verhaltensweisen des Nachbar-Artgenossen ist ja ein genereller Mechanismus bei fast allen geselligen Wirbeltieren. Diese unbewußte Verhaltensabstimmung ist sozusagen ein sozialer Klebstoff, ein Motor der sozialen Nähe. Auch beim Menschen. Emotional eng gebundene Menschen kopieren ihr Verhalten unbewußt stärker als emotional weniger eng gebundene. Wird das Verhalten von Teilnehmern von einem Experimentleiter leicht (und unbemerkt) kopiert, wird dieser von den Teilnehmern stärker gemocht. Kopierte Teilnehmer zeigen sich dem Experimentleiter gegenüber auch hilfreicher, in dem sie für diesen z.B. häufiger heruntergefallene Stifte aufheben. Gähnen (als generell ansteckende Verhaltensweise) ist umso ansteckender, je näher wir uns dem anderen emotional fühlen. Auch Bonobos lassen sich von gähnenden Verwandten und Freunden viel leichter anstecken als vom Gähnen schwach gebundener Artgenossen. Auch diese Studie mit Delfinen stützt die These, dass das unwillkürliche Kopieren von Verhaltensweisen (hier Ruflaute) bevorzugt zwischen eng gebundenen (verwandten und befreundeten) Individuen stattfindet. Auch wenn es wissenschaftshistorische (aber kaum plausible) Hemmnisse gibt, Tieren ein Gefühlsleben zuzuschreiben, kann angenommen werden, dass das gegenseitige (kopierende) Rufen ein Ausdruck der emotionalen Bindung der Tiere darstellt. Die Schlussfolgerung der Forscher, dass das gegenseitige Rufen der Tiere zeige, dass diese sich ihrer eigenen und der Identität ihres Gegenüber bewusst seien, ist jedoch mehr als gewagt. Für diesen basalen emotionalen Mechanismus ist eine psychische Abgrenzung eines Ich von einem Anderen (Ich-Andere-Unterscheidung) wahrscheinlich nicht notwendig.
5. Skrupellos...
gedankenanstoss 09.03.2013
...sind hier nicht nur die Japaner (und andere Nationen), die Delfine fangen und toeten, sondern auch die vielen Zoos weltweit (auch in Deutschland), die die Delfine kaufen, um sie eingepfercht in einem winziges Schwimmbecken einem (deutschen, franzoesischen, amerikanischen...) Publikum zu praesentieren. Es ist wie mit allen Maerkten: wo es eine Nachfrage gibt ensteht auch ein Angebot. -- Die Loesung in diesem wie in vielen anderen Faellen auch ist die Verantwortung und Muendigkeit des Verbrauchers. Informieren, nachdenken, nicht hingehen, nicht kaufen...
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