Neues Gesetz Frankreich verbietet Shows mit Delfinen und Orcas

Delfine und Schwertwale dürfen in Frankreich künftig nicht mehr in Gefangenschaft leben. Kurz vor der Präsidentschaftswahl lancierte Umweltministerin Ségolène Royal das überraschende Gesetz.

Delfine in einem Aquarium in Tokio
DPA

Delfine in einem Aquarium in Tokio


Frankreich hat die Nachzucht von Delfinen und Orcas in Gefangenschaft verboten. Ein am Samstag veröffentlichtes Gesetz verbietet es, die Meeressäuger zu halten. Ausgenommen sind lediglich die Tiere, die bei Inkrafttreten des Erlasses schon in Gefangenschaft lebten.

Tierschutzorganisationen begrüßten das Gesetz als "historischen" Vorstoß Frankreichs. Er kam überraschend: Ein am Mittwoch vorgestellter erster Entwurf des Gesetzes hatte lediglich eine "strikte Kontrolle der Nachzucht von Delfinen" abhängig von Größe und Form der Becken vorgesehen, in denen die Tiere gehalten werden.

Nachdem sie jedoch erfahren habe, dass die Meeressäuger teilweise sogar "unter Drogen gesetzt" würden, habe Umweltministerin Ségolène Royal "noch radikaler sein" wollen, hieß es am Samstag aus ihrem Ministerium.

In einer gemeinsamen Erklärung begrüßten Tier- und Meeresschutzorganisationen wie Sea Shepherd und One Voice "das programmierte Aus der Meeresshows" in Frankreich. Der Chef des Freizeitparks Marineland in Antibes sprach dagegen in einem Zeitungsinterview von einer "Breitseite" gegen derartige Einrichtungen.

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Das neue Gesetz schreibt außerdem vor, dass die Becken von Orcas und Delfinen um mindestens 150 Prozent vergrößert werden, damit die Tiere mehr Abstand zu Besuchern und anderen Tieren haben. Direkter Kontakt zwischen den Meeressäugern und Besuchern ist künftig verboten. Das Wasser in den Becken darf zudem nicht mehr mit Chlor behandelt werden.

Wie die Zeitung "Le Monde" berichtet, leben rund 30 Delfine und vier Orcas in insgesamt vier Meeres- und Freizeitparks in Frankreich und Französisch-Polynesien.

Tierschützer kritisieren die Haltung von Delfinen und Schwertwalen schon lange. Im vergangenen Sommer verkündete das National Aquarium Baltimore in den USA, seine Delfine künftig in einem Wasserschutzgebiet halten zu wollen. Zuvor hatten die amerikanischen Seaworld-Freizeitparks bekannt gegeben, künftig auf Orcas im Programm zu verzichten.

lov/AFP



insgesamt 36 Beiträge
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oliverdergroße 07.05.2017
1. Gut.
Zeit wird's. Größe Meeressäuger in Tanks halten ist pure Quälerei.
parrotadvice4u 07.05.2017
2. Sehr gute und wichtige Entscheidung!
Hoffentlich folgen andere Europäische Länder dem Beispiel Frankreichs. Wer den Film Blackfish noch nicht gesehen hat, sollte dies bitte nachholen. Noch besser meiner Meinung nach, ist jedoch das Buch von John Hargrove, einem ehemaligem Senior Trainer von Seaworld, der auch mit den Orcas und Delphinen in Frankreich gearbeitet hat. Sein Buch "Beneath the Surface - Killer Whales, Seaworld and the Truth Beyond Blackfish", ist ein sehr gelungenes und wichtiges Buch zu dem Thema. Ich kann es wirklich allen interessierten empfehlen.
Blaue Fee 07.05.2017
3. Und was passiert mit den neugeborenen Tieren?
Werden sie langsam ausgewildert? Werden sie einfach von heute auf morgen ausgesetzt oder gar getötet? Wale bleiben mindestens 2 Jahre bei ihren Müttern. Als bei uns den Zirkussen das Halten von Tieren verboten wurden, landeten die meisten beim Taxidermisten oder wurden sogar gegessen, da es kaum "Sanctuaries" (Gnadenhöfe) gibt.
Paul-Merlin 07.05.2017
4. Ségolene Royal
gut gemacht.
jadehase 07.05.2017
5. Das reicht nicht.
Guter Anfang, mehr nicht. Ich sag immer: solange ein einziges Tier in Gefangenschaft vorgeführt und ausgestellt wird, haben wir unser menschliches Potenzial nicht ausgeschöpft. Shows gehören sowieso verboten, aber auch Zoos und co. sind moralisch ne hoch bedenkliche Angelegenheit. Die Ausrede, Kinder lernen da Tiere kennen, lass ich im digitalen Zeitalter nicht gelten. Da geht Informationen anders. Also: Nur ein Anfang, aber das reicht noch nicht!
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