Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Überträger gefährlicher Krankheiten: Wie Moskitos Geschmack am Menschen fanden

Weibliche Gelbfiebermücke: Die Moskitos saugen nach einer Befruchtung Blut, um ihren Körper mit Proteinen zu versorgen Zur Großansicht
AP/ CDC

Weibliche Gelbfiebermücke: Die Moskitos saugen nach einer Befruchtung Blut, um ihren Körper mit Proteinen zu versorgen

Gelbfiebermücken infizieren Menschen mit gefährlichen Tropenkrankheiten. Das war nicht immer so: Ursprünglich stachen die Blutsauger ausschließlich Tiere. Nun zeigt eine Studie, was die Insekten zum Gesundheitsrisiko werden ließ.

Das Surren neben dem Ohr verheißt nichts Gutes: Weibliche Gelbfiebermücken sind die wichtigsten Überträger gefährlicher Virusinfektionen wie Gelb-, Dengue- oder Chikungunya-Fieber. Das war nicht immer so, denn ursprünglich stachen die Insekten, die in den Tropen und Subtropen heimisch sind, ausschließlich Tiere, berichten Forscher. Sie haben untersucht, wie die tierliebenden Moskitos Geschmack an menschlichem Blut fanden und so zum Gesundheitsrisiko wurden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jedes Jahr 30.000 Menschen an Gelbfieber sterben, etwa 200.000 stecken sich an. Das Denguefieber, gegen das es im Gegensatz zum Gelbfieber keine Impfung gibt, befällt den Schätzungen zufolge jährlich 50 bis 100 Millionen Menschen, von denen 22.000 sterben - meist Kinder.

"Unsere Studie liefert ein seltenes Beispiel, wie sich eine Überträgermücke auf den Menschen spezialisiert hat", schreiben Carolyn McBride von der Rockefeller University in New York und Kollegen im Fachmagazin "Nature".

Dein Geruch macht mich an

Insekten, die menschliches Blut saugen sind garnicht so häufig, wie man vielleicht denken könnte: Von den 10.000 blutsaugenden Arten haben sich nur 100 auf den Menschen spezialisiert. An der Küste Kenias kann man diese Entwicklung bis heute nachvollziehen: Dort leben zwei eng verwandte Mückenarten. Die ältere von beiden ist schwarz gefärbt, legt ihre Eier in Tümpeln im Wald ab und saugt am liebsten das Blut von Tieren. Die jüngere Art, die Gelbfiebermücke, ist braun, lebt in der Nähe von Siedlungen und sticht am liebsten Menschen.

McBride und Kollegen sammelten in Wäldern und Siedlungen Eier, Larven und Puppen beider Arten und züchteten im Labor 29 Kolonien heran. In genetischen Analysen verglichen sie den Geruchssinn der Insekten. Denn entgegen der weitverbreiteten Meinung, Moskitos stünden auf süßes Blut, ist es der Geruch eines Tieres oder Menschen, der die Insekten anlockt.

Viele Wege führen zum Menschen

Der Moskito-Geruchssinn sitzt in hauchdünnen Fühlern. Gesteuert wird er über Rezeptoren, die jeweils ein Geruchsmolekül erkennen können. Sie bestimmen, auf welche Duftnoten eine Mücke reagiert. Der Vergleich ergab, dass die auf den Menschen spezialisierten Gelbfiebermücken besonders viele Geruchsrezeptors OR4 haben. Und tatsächlich: OR4 ist darauf spezialisiert, einen typischen Bestandteil menschlichen Geruchs zu identifizieren, den Stoff Sulcaton, berichten die Forscher.

Im Vergleich zu Hühnern, Pferden, Schafen oder Kühen verströmt der Mensch die vierfache Menge des Stoffs. Kein Wunder also, dass die Gelbfiebermücken auf Menschen abfahren. Sie haben sich im Laufe der Evolution optimal auf uns angepasst.

"Interessanterweise besitzt auch die Malariamücke Anopheles gambiae mindestens vier Geruchsrezeptoren, die auf Sulcaton ansprechen", schreiben die Forscher. "Allerdings unterscheiden sich die Rezeptoren der beiden Mückenarten stark voneinander." Die Spezies haben sich bereits vor 150 Millionen Jahren getrennt und von dort an offenbar unterschiedliche Wege gefunden, sich auf den Menschen zu spezialisieren.

Die Dosis macht das Mückenspray

Die aktuelle Untersuchung könnte auch helfen, zu verstehen, warum einige Menschen die stechenden Plagegeister scheinbar magisch anziehen. "Sulcaton wurde bereits als Abwehrmittel gegen Mücken beschrieben, wenn es in bestimmten Konzentrationen mit menschlichem Duft vermischt wurde", berichten McBride und Kollegen. "In geringeren Mengen oder alleine wirkte es dagegen anziehend." Das weise drauf hin, dass Menschen, die nur leicht nach Sulcaton riechen, häufiger gestochen werden.

Allein mit Sulcaton lässt sich die Vorliebe der Mücken für den Menschen allerdings nicht erklären: Als die Wissenschaftler Meerschweinchen mit dem Stoff besprühten, fanden die Mücken den Menschen trotzdem noch attraktiver. "Wir gehen davon aus, dass das Zusammenspiel mehrerer evolutionärer Veränderungen die Mücken schließlich auf den Menschen brachten", schreiben die Forscher. "Dennoch ist die Arbeit ein wichtiger Schritt, die veränderten Stechvorlieben der Insekten zu erklären."

Der Autorin auf Twitter folgen

jme

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: